Die Kombi ist selten. Vor allem unter kompakten Kombis. Denn der Kia Ceed SW schluckt nicht nur reichlich Gepäck, er sieht dabei auch noch gut aus. Unser Test klärt, was der koreanische Golf-Gegner sonst noch auf dem schicken Kasten hat. Also Knöpfchen drücken (ungewohnt seitlich am Funkschlüssel oder optional an der Tür) und rein.

Ausstattungsdetails sind unverständlich aneinander gekoppelt

Kia Ceed SW
Licht und Schatten: Das Cockpit ist gut gemacht, aber das Glasschiebedach gibt es nur mit dem Navi.
Erster Eindruck: passt! Die Sitze bieten ausreichenden Komfort und gefallen mit fester Polsterung, abgesehen vom links neben dem Lenkrad versteckten Schalterblock gelingt die Bedienung fast blind, das Platzangebot reicht auch mal für Ferien zu fünft. Bei wem im Perso eine Größe über 1,90 Meter steht, der sollte aufs Glasschiebedach verzichten – das raubt einige Zentimeter Luft überm Scheitel und ruiniert die fluffigste Föhnfrisur. Luft und Licht von oben gibt es ohnehin erst ab Spirit (990 Euro). Und dann auch nur zusammen mit dem Navipaket für weitere 890 Euro (beides Serie bei Platinum). Ähhm, wer diese Zwangskopplung erklären kann, möge sich bitte melden! Ach ja, noch mal zum eingangserwähnten Transport-Talent. Im schwungvollen Heck des SW verschwinden tatsächlich zwischen 625 und 1694 Liter Gepäck – da muss nicht nur der Golf Variant passen (605–1620 l), da macht sogar der neue A6 Avant hilflos dicke Backen (565–1680 l).

Mit dem Laderaum werden auch Großfamilien glücklich

Kia Ceed SW
Hinter die Heckklappe des Ceed passen bis zu 1694 Liter – bei mageren 463 Kilogramm Zuladung.
Und im Kofferraumboden findet sich auch ein passendes Plätzchen fürs Heckrollo – gut mitgedacht! Weniger kluge Gedanken scheinen dagegen in die Ladungssicherung geflossen zu sein. Das Gepäckraumtrennnetz gehört ab Spirit zur Serie, in den Linien darunter gibt's das Ding gar nicht. Ähhm, siehe weiter vorn, bitte melden … Und ein "Versteh-ich-nicht" haben wir noch: Unserem bis in die letzte Blechfalz mit allerlei Leckereien ausgestatteten Ceed SW Platinum Edition bleiben gerade noch 463 Kilo Zuladung. Kurz mal überschlagen: Mit vier Kumpels auf Kegeltour – viel mehr als Zahnbürste und Rasierapparat darf dann nicht mehr mit. Reicht ja vielleicht, trotzdem schade um den XXL-Laderaum. Dafür macht der kleine 1,6-Liter-Diesel auf den ersten Blick richtig Laune. Auf der Messgeraden liefert er richtig ab und bleibt beim 100-km/h-Sprint unter zehn Sekunden, rennt auf der Autobahn Tempo 200 und trinkt dennoch zurückhaltend (5,7 l/100 km). Als Diesel outet er sich dabei nur auf den ersten Kilometern, einmal warm und in Schwung, treten die 136 PS akustisch vornehm in den Hintergrund.
Der zweite Blick offenbart dann die andere, leicht verschnarchte Seite des Diesels. Wer nicht anfährt wie unsere Messprofis, die Drehzahlen unter 2000 Touren gar nicht kennen, der wird den Gedanken an das selige "Turboloch" nicht mehr los. Die stattlichen 320 Nm Drehmoment liegen nämlich erst bei 2000 Umdrehungen an, darunter herrscht Flaute. Und das DCT (Double Clutch Transmission, also Doppelkupplungsgetriebe) schaltet im fließenden Verkehr zwar flink und fein, zeigt sich beim Anfahren aber zögerlich. Eine Schüchternheit, die vom Start-Stopp-System noch verstärkt wird.

Der Kia Ceed SW ankert auf Sportwagen-Niveau

Kia Ceed SW
Das Fahrwerk ist gut abgestimmt, die Bremse bingt den Kia aus 100 km/h nach 33,8 Metern zum Stehen.
Dann mal ab auf unsere Komfortstrecke – und mitten hinein in den harten Auto-Alltag. Überraschung Nr. 1: Auf den richtig anspruchsvollen Streckenabschnitten kommt der Ceed erstaunlich gut klar. Je mehr das Fahrwerk wegzuarbeiten hat, desto besser scheinen Federn und Dämpfer zu harmonieren – bei einem Lastesel wie dem Ceed SW sicher nicht die schlechteste Auslegung. Überraschung Nr. 2: Trotz des insgesamt ordentlichen Federungskomforts kennt der kompakte Kia auch Angstgegner. In tiefe Löcher fallen die Räder etwas unbeholfen hinein, bei derben Kanten rollen sie eher dagegen als geschmeidig darüber hinweg. Zugegeben, hier meckern wir auf hohem Niveau, doch wer als Golf-Gegner ernst genommen werden will, muss sich das gefallen lassen. Wie ernst Korea diese Aufgabe nimmt, beweist der Ceed beim Bremsen. Schon mit kalter Anlage steht er aus Tempo 100 nach tollen 34,4 Metern. Hat die Bremse Betriebstemperatur, reichen unglaubliche 33,8 Meter – darauf wären auch Sportwagen stolz. Zusammen mit der verbindlichen Lenkung und dem wachen ESP lässt der Korea-Kombi jedenfalls selbst in heiklen Situationen nichts anbrennen.An der Kasse bleiben wir ebenfalls gelassen. Der Ceed SW mit 136-PS-Diesel und Doppelkupplung kostet zwar mindestens 26.590 Euro, bringt dann aber schon die gute Vision-Ausstattung mit (inkl. Navi, 16-Zoll-Alus, Apple CarPlay/Android Auto, Rückfahrkamera, Sitzheizung etc.). VW verlangt für einen Golf Variant TDI mit 115 PS und DSG auch schon 25.825 Euro – als Trendline auf 15-Zoll-Stahlfelgen. Und dann lockt Kia noch mit sieben Jahren Garantie. Auch das ausgesprochen selten – bei VW gibt's nur zwei.

Bildergalerie

Kia Ceed SW
Kia Ceed SW
Kia Ceed SW
Kamera
Kia Ceed SW im Test

Fazit

Als Kombi kann der Ceed richtig punkten. Seine schiere Größe verschafft ihm unter den Kompakten eine Sonderstellung, das dennoch schicke Design wird seinem Erfolg kaum im Weg stehen. Doch auch wenn die Schwächen bei Federung und Anfahrverhalten verzeihbar sind, sollten die Koreaner sie möglichst schnell beheben.
AUTO BILD-Testnote: 2