Kia EV3: Test
Der Kia EV3 geht in die richtige Richtung

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zu viel des Guten. So heißt es ja gerne mal, wenn es um Elektroautos geht. Tonnenschwer, 400 PS aufwärts, Preis fast sechsstellig – nicht gerade volkstümlich so was! Kia kann auch anders.
Die Koreaner haben den EV3 im Programm und liefern damit ein angenehmes Gegengewicht zu den Super-Luxus-Premium-Boliden. Es ist ein 4,30 Meter kompaktes SUV mit guter Raumökonomie, 204 PS Leistung und einer versprochenen Reichweite von rund 560 Kilometern.
Großer Akku hebt den Preis
Wobei: Die gute Reichweite gilt nur für das Modell mit dem 81,4 kWh großen XL-Akku (statt der Einstiegsbatterie mit 58,3 kWh) – was den Preis des EV3 auf 41.390 Euro (statt 35.990 Euro für den Einstiegs-3er) hebt.

Gute Bremsleistung: Sowohl mit kalten Scheiben als auch unter Wärmestress arbeitet das Bremssystem zuverlässig, liefert ordentliche Anhaltewege.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dieses reichweitenstärkere Modell haben wir zur Prüfung nach AUTO BILD-Punktekorsett geladen. Der wichtigste Aspekt gleich vorweg: Die anvisierten 560 Kilometer Aktionsradius verfehlt der EV3 deutlich. Weil wir den versprochenen Verbrauch von 16,2 kWh/100 km nicht annähernd erreichen konnten.
Reichweitenversprechen deutlich gebrochen
Der gilt nämlich nur für Varianten mit 17 Zoll großen Rädern, erprobt bei wärmerem Wetter und ermittelt unter sanfterer Fahrweise, als es unsere eigene Prüf-Runde mit schnellem Autobahnanteil hergibt. Wir haben mit 19-Zoll-Rädern und bei acht Grad Lufttemperatur 24,2 kWh Verbrauch ermittelt und sind entsprechend nur 393 Kilometer weit gekommen.

Weniger als erwartet: Im Test kam der Kia EV3 mit dem großen Akku nur 393 statt der nach WLTP versprochenen 563 Kilometer weit.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das ist prozentual sogar eine größere Abweichung von den Laborwerten als beim Durchschnitt – dennoch typisch für diese Liga. Entwarnung: Bei verhaltener Fahrweise sind Verbräuche um 17 kWh möglich – was den praktischen Aktionsradius auf rund 450 Kilometer erhöhen würde – damit ließe sich Alltag also lässig wuppen.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia EV3 |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 150 kW (204 PS) |
Dauerleistung | 50 kW (68 PS) |
Systemdrehmoment | 283 Nm |
Vmax | 170 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/50 R 19 H |
Reifentyp | Hankook iOn evo |
Radgröße | 7,5 x 19" |
Reichweite* | 563 km |
Verbrauch* | 16,2 kWh/100 km |
Batteriekapazität (netto) | 81,4 kWh |
Ladeleistung (AC/DC) | 10,5/128 kW |
Ladeanschluss | vorn rechts |
Ladezeit (10-80 %, DC-Laden) | 31 Minuten |
Fach unter Frontklappe | 28 l |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1000/750 kg |
Stützlast | k. A. |
Kofferraumvolumen | 460–1251 l |
Länge/Breite/Höhe | 4310/1850/1570 mm |
Radstand | 2680 mm |
Grundpreis | 41.390 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 51.170 Euro |
Das Thema Ladeleistung hätten wir uns souveräner gewünscht. Denn der EV3 darf "daheim" mit nur knapp 11 kW Leistung Strom zapfen, am Schnelllader sind es maximal 128 kW. Zum Vergleich: Smart #1 und VW ID.3 GTX verschlucken sich erst bei 150 und 180 kW. In Wartezeiten umgemünzt wären das beim Kia also rund acht Stunden Carport-Pause oder eine halbe Stunde Mindestaufenthalt für das Zapf-Fenster "10 bis 80 Prozent" an Schnellladestationen.

Es dürfte ruhig mehr sein: Der EV3 darf "daheim" mit nur knapp 11 kW Leistung Strom zapfen, am Schnelllader sind es maximal 128 kW.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Im Auto eingesetzte Software hilft dann, Tankstress zu minimieren. So findet das Navi auf Sprachkommando hin oder per Kurzwahl sehr schnell die Ladestationen, konditioniert automatisch bei gewähltem Gleichstrom-Ziel das Akkupaket vor und zeigt eventuelle Wartezeiten vor Ort an. So muss das sein.
Interieur und Verarbeitung überzeugen
Schade: Nicht in allen Bereichen arbeitet die Software beziehungsweise das Bediensystem des Kia so smart mit. Einige Beispiele für kleine Schrullen: Das zwar sehr verständige Sprachbediensystem versteht den Wunsch nach einem anderen Radiosender bestens, setzt ihn jedoch nicht um. Die unterhalb des Hauptbildschirms angebrachten Tasten sind haptisch kein Highlight (glatt, rahmenlos, keine Rückmeldung) und reagieren langsam auf Befehle.

Schöner Arbeitsplatz: Das Interieur des Kia EV3 ist sehr modern gestaltet und überraschend sorgfältig montiert.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zum Trost steckt das Mindestmaß an Assistenz und Multimedia im System. Der Testwagen (als GT-Line) spielt Musik aus Harman/Kardon-Lautsprechern, verknüpft Smartphones vollständig und hilft mit guter Fahrassistenz, Unfälle zu vermeiden. So beinhaltet die Frontkollisionswarnung sogar eine Ausweichfunktion, der Totwinkelassistent kann Lenkkorrekturen vornehmen und Bremsimpulse zugeben. Leider ist das sehr hilfreiche Monitorsystem (Fahrzeuge im toten Winkel werden über Kameras ins Fahrerdisplay eingespielt) nur gegen 1290 Euro Aufpreis zu haben.
Messwerte
Modell | Kia EV3 |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,1 s |
0–100 km/h | 7,7 s |
0–130 km/h | 12,7 s |
0–160 km/h | 21,8 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,9 s |
80–120 km/h | 5,2 s |
Leergewicht/Zuladung | 1884/471 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 55/45 % |
Wendekreis links/rechts | 11,0/11,0 m |
Sitzhöhe | 650 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,0 m |
aus 100 km/h warm | 34,8 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 16,9 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 24,2 kWh/100 km (+49 %) |
Sportverbrauch | 27,5 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 393 km |
Genug Schelte – im Fahrwesen überzeugt der EV3. Er zieht nicht überbordend, doch angenehm nachdrücklich durch und läuft auch bei höherem Tempo leise, bei 170 km/h regelt Kia die Höchstgeschwindigkeit des EV3 dann künstlich ein.
Fahrpedal ist konfigurierbar
Die rund 1,9 Tonnen Wagengewicht sind über Seitenneigung und früh einsetzendes Untersteuern spürbar, vermitteln aber nie ein träges oder unpräzises Fahrgefühl. Dazu passen die Bremsleistungen: Sowohl mit kalten Scheiben als auch unter Wärmestress arbeitet das Bremssystem zuverlässig, liefert ordentliche Anhaltewege.

Vollgas bis Stillstand: Das sogenannte i-Pedal lässt sich stufenweise einstellen. So ist es möglich, quasi ohne Bremse zu fahren.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Sehr gut: Das i-Pedal (starkes Verzögern/Rekuperieren über das Loslassen des Gaspedals) lässt sich bis zum Stillstand hin in Stufen justieren, reagiert sogar auf Kartendaten des Navigationssystems, verzögert z. B. vor Kreuzungen entsprechend. Außerdem hat Kia dem EV3 ein sehr feinfühliges und schnell reagierendes Traktionsmanagement implantiert. Denn die immerhin 283 Newtonmeter Drehmoment mögen nämlich gerne mal an den angetriebenen Vorderrädern zupfen.
Wertung Kia EV3
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Platzangebot vorne und hinten gut, zum Kofferraum bietet der EV3 einen "Frunk". Praktisches Auto. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Gute Fahrleistungen, One-Pedal-Fahrt möglich, Höchstgeschwindigkeit abgeregelt. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Bremsen passabel, sicheres Fahrverhalten, Kraftübertragung auf Vorderräder empfindlich. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Gegen Aufpreis voll vernetzt (Head-up-Display); Sprachkommandos eingeschränkt. | 4 / 5 |
Umwelt | Angenehm kompaktes, für die Liga allerdings recht schweres Auto, mäßiger Verbrauch (Test). | 3,5 / 5 |
Komfort | Sitze (bis auf Lehnenhalt) sehr gut, Federung sensibel, Abrollverhalten der 19-Zoll-Räder spröde. | 3,5 / 5 |
Kosten | Als Testwagen in GT-Line teuer, Extras in Paketen versteckt; Kartenupdate und Garantie sieben Jahre. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 3+ |
Heißt im Antriebsfazit: alles sicher, zügig, angenehm. Das passt schlüssig zum Komfortniveau des EV3. Universelle Sitze, sanfte Federung, viel Platz vorne und hinten, bequemer Einstieg, umfangreiche Klimatisierung – im EV3 fühlt man sich rundum gut. Und von diesem Gefühl kann man nie zu viel haben.
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