Drei Mini-GTIs im Test

Kia Picanto/Renault Twingo GT/VW Up GTI: Test

Her mit den kleinen Knallerbsen!

Auto-Minis mit Muskeln – eine höchst freche Gattung. AUTO BILD hat drei besonders Wilde verglichen: Kia Picanto, Renault Twingo GT und VW Up GTI.
Sollen wir? Wagen wir es? Trauen wir uns in Zeiten wie diesen, Autos mit reichlich PS lieb zu haben, das "Rasen" auf freier Bahn zu feiern, uns juchzend in Kurven zu werfen? Eigentlich: Nee! Uneigentlich: Na, logo! So etwas klappt nämlich auch mit ganz wenig Auto, also in Maßen. Politisch korrekter Tempospaß mit Kleinst-Sportwagen sozusagen. Auf diesen Schmalspurzug springen ohnehin immer mehr Hersteller auf. Jüngstes Beispiel: Kia pustet den Picanto auf eine 100 PS starke Rennsemmel auf, stellt den Knirps auf dicke Aluräder und klackst etwas Kriegsbemalung auf die knapp 3,60 Meter kurze Karosserie.

Rein preislich sind die Kraftzwerge echte Riesen

Mindestens 15.690 Euro kostet der stärkste Renault Twingo – und ist im Test damit der Billigste.

Nach gleichem Muster hat VW bereits erfolgreich abgeliefert. Die Winz-Kanonenkugel Up GTI mit sogar 115 PS hat in früheren Tests bestens gezündet. Auch Renault mischt mit: Der Twingo ist als TCe 110 GT vielversprechende 109 PS stark, setzt dabei sogar auf einen Heckmotor inklusive Hinterradantrieb – wenn das nicht supersportlich ist. Wir haben diese aktuellen drei Knallerbsen aus der Schachtel geholt und auf die Straße gepfeffert. Peng – ein erster Schreck lässt nicht lange auf sich warten. Denn der Spaß ist nicht billig. Mindestens 15.690 Euro kostet der stärkste Renault Twingo. Viel Holz für ein Exemplar aus der Plastikliga – am Ende steht hier schließlich immer noch ein Kleinstwagen aus der Billigkategorie vor uns. VW überbietet das noch. Für einen Up mit Powerpaket unter der Haube sind mindestens 16.975 Euro anzulegen. Ein Picanto mit Schuss kostet wie hier getestet sogar 17.080 Euro (16.090 Euro Grundpreis). Knallerbsen? Wohl eher Knalldiamanten. Jetzt muss aber zum Ausgleich ein üppiges Feuerwerk kommen.

Bei den Fahrleistungen liegt der VW ganz vorne

Rote Rakete: Mit 9,1 Sekunden bis Tempo 100 und 196 km/h Vmax hängt der Up GTI die Konkurrenz ab.

Tut es auch. Beispiel VW: Der Up GTI hat eine herrlich kurze Lunte. In 9,1 Sekunden stürmt das Biestchen auf Tempo 100, der 1,0-l-Dreizylinder dreht, schnauft und rumort, dass es eine Freude ist. Lebendig und stark zerrt er das nur 1005 Kilogramm leichte Auto vorwärts, die Schaltung flutscht, die Bremsen beißen beherzt in die vorderen Scheiben (und knabbern hinten erfolgreich an den Trommeln), die Reifen krallen – es macht wirklich einen Heidenspaß, den Up von Kurve zu Kurve zu schmeißen und den Turbobenziner bis über 6000 Touren auszuwringen. Außerdem fühlt sich das Auto besonders leicht an, in die Lenkung haben die Wolfsburger eine passable Rückmeldung eingebaut und dem Motor einen reizvollen Klang (künstlich verstärkt und auf Dauer stressend) angedichtet. Schade: Trotz fester abgestimmter Federung gibt's in schnellen Kurven Schräglage. Das macht der Kia etwas besser. Allerdings federt der Picanto auch entsprechend unwillig – das stresst auf längerer Fahrt. Ständig rumpeln kurze Stöße durchs Auto. So viel sportliche Ignoranz muss man mögen.
Der Einliter-Dreizylinder ist nicht so drehgierig wie das Aggregat im Up, entwickelt dafür früh seine Kraft. Erstaunlich: Tempo 100 erreicht der Picanto bereits im zweiten seiner fünf lang übersetzten Gänge so kann er zunächst am viel stärkeren VW dranbleiben. Erst mit zunehmender Geschwindigkeit lässt seine Sprintlust nach, der VW zieht deutlich in Richtung Horizont voraus. Der Kia hat andere Talente: Getriebe entspannter, Leistung kleiner, Leergewicht kaum höher – da muss doch ein passabler Verbrauch herumkommen?

Dem Kia Picanto fehlt an Lenkung und Bremsen Feinschliff

Um die Mittellage dürfte die Lenkung des Kia feiner arbeiten, die Bremsen sollten giftiger sein.

Leider nein, der Kia trinkt über einen halben Liter mehr als der VW. Auch sonst bleibt ein Abstand zwischen Picanto und Up. Dafür sorgen subjektive Differenzen. Die Lenkung des Kia sollte um die Mittellage herum feiner arbeiten, die Bremsen sollten auch unter Hitze giftiger packen (das gilt auch für die objektiven Eigenschaften) und die Sitze bitte etwas sorgfältiger führen – so kann die Korea-Kanone fahrerisch nur den Renault auf Abstand halten. Der Twingo hat zwar Pfeffer auf dem Papier, im richtigen Sportfahrerleben lässt er es aber leider fad angehen. Die gefühllose Lenkung in Verbindung mit dem leichten Vorderwagen lassen den TCe unruhig auf der Fahrbahn umherschnüffeln. Der Motor hat vergleichsweise wenig Drehmoment bei recht später Drehzahl – so muss man den 0.9er reichlich bei Laune halten, um flüssige Kraftabgabe zu erleben. Am besten emsig in der manuellen Schaltgasse des Automatikgetriebes zwischen "Plus" und "Minus" umhertippen – dann passen die Drehzahlen besser zum Beschleunigungswunsch.
Zwar klingt der Motor im Heck unter Last und mit zunehmender Tourenlage wie ein ganz Großer – irgendwann jedoch stört das sonore Brummen aus dem voluminösen Auspufftopf. Dazu kommt eine unharmonische Federung inklusive hart abrollender 17-Zoll-Bereifung. Kurz: Gemächliche Landstraßenfahrten sind nicht gerade sein liebstes Metier, wer reisen will, macht lieber einen Bogen um den GT. Trost: Ein Twingo mit 109 PS wird beim Ausweichen nie zur heiklen Sache. Die Bremsen arbeiten ordentlich, das ESP streng, und das früh einsetzende Untersteuern stufen wir als hilfreich tempohemmend ein.
Wie sich die drei Rennknirpse im Alltag schlagen, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Fahrzeugdaten Kia Renault VW
Modell Picanto 1.0 T-GDI Twingo TCe 110 GT Up GTI
Motor Dreizylinder, Turbo Dreizylinder, Turbo Dreizylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer hinten quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette Zahnriemen
Hubraum 998 cm³ 898 cm³ 999 cm³
kW (PS) bei 1/min 74 (100)/4500 80 (109)/5750 85 (115)/5000
Nm bei 1/min 172/1500 170/2000 200/2000
Vmax 180 km/h 182 km/h 196 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Sechsgang-Doppelkupplung Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Hinterradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Trommel Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 195/45 R 16 V 185/45–205/40 R 17 H 195/40 R 17 V
Reifentyp Nexen N Blue HD Plus Yokohama Blue Earth Goodyear Efficient Grip Performance
Radgröße 6,5 x 16" 6–7 x 17" 6,5 x 17"
Abgas CO2 108 g/km 118 g/km 110 g/km
Verbrauch* 5,7/4,1/4,7 l 6,4/4,6/5,3 l 6,0/4,1/4,8 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 7,7 l/100 km 8,9 l/100 km 7,2 l/100 km
Testrunde*** 6,3 l/100 km 7,0 l/100 km 5,7 l/100 km
Sparverbrauch**** 5,5 l/100 km 5,7 l/100 km 4,7 l/100 km
Tankinhalt 35 l/Super 35 l/Super 35 l/Super
Ottopartikelfilter S N S
Kältemittel R1234yf R1234yf R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 67 dB(A) 68 dB(A) 68 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine keine keine
Kofferraumvolumen 255–1010 l 188–980 l 251–959 l
Länge/Breite/Höhe 3595/1595–1880/1485 mm 3623/1661–1875/1544 mm 3600/1641–1910/1478 mm
Testwagenpreis 17.080 Euro 17.980 Euro 16.975 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas

Messwerte Kia Renault VW
Beschleunigung
0–50 km/h 3,0 s 3,4 s 3,6 s
0–100 km/h 9,4 s 10,1 s 9,1 s
0–130 km/h 16,7 s 17,7 s 15,3 s
0–160 km/h 29,5 s 33,9 s 27,3 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,2 s 5,6 s 4,8 s
80–120 km/h 7,5 s 7,9 s 6,1 s
Leergewicht/Zuladung 1028/377 kg 1051/361 kg 1005/395 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 63/37 % 45/55 % 62/38 %
Wendekreis links/rechts 10,0/10,0 m 8,9/8,9 m 10,0/10,0 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,7 m 37,6 m 37,0 m
aus 100 km/h warm 38,3 m 37,4 m 35,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 61 dB (A) 64 dB (A) 62 dB (A)
bei 100 km/h 68 dB (A) 71 dB (A) 71 dB (A)
bei 130 km/h 73 dB (A) 74 dB (A) 74 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,3 l S – 148 g/km 7,0 l S – 165 g/km 5,7 l S – 136 g/km
Reichweite 550 km 500 km 610 km
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Fahrspaß? Gibt's bei allen drei Krachern reichlich. Kein Wunder, wenn über 100 PS auf so angenehm wenig Auto treffen. Das meiste Tempo liefert VW. Die besten Fähigkeiten unter dem Strich der Kia. Somit gewinnt der Picanto diesen Vergleich deutlich.

Autoren: Jan Horn, Berend Sanders

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.