Kia Rio: Fahrbericht
Samba auf Koreanisch

Premium für unter 10.000 Euro? Klar, meint Kia und schickt im September 2011 den neuen Rio an den Start. AUTO BILD war bereits jetzt mit dem Polo-Konkurrenten unterwegs.
Rio: Das klingt nach Karneval und Caipirinha, nach Sonne, Samba und nach heißen Nächten unterm Zuckerhut. Kaum jemand denkt dabei an koreanische Kleinwagen – zumal diese das Blut bislang so wenig in Wallung brachten wie ein Teller Kimchi (koreanisches Nationalgericht) den Speichelfluss von europäischen Gourmets. Appetit machte bei Kia & Co vor allem der Preis. Künftig könnte er sogar Heißhunger wecken, denn die Autobauer aus Namyang haben den Rio (noch) billiger gemacht. Mit 9990 Euro kostet die dritte Auflage des Polo-Rivalen nicht nur satte 2000 Euro (!) weniger als ihr farbloser Vorgänger. Den Wolfsburger Platzhirsch unterbietet der Kia mit vergleichbarer Motorisierung sogar um mehr als 3500 Euro! Wermutstropfen: Das Grundmodell "Attract" gibt’s nur in Weiß. Wer seinen Rio bunter oder besser ausgestattet mag, ist ab 10.500 Euro dabei.
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Starker Polo-Konkurrent
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Wer auf Luxus abfährt, bekommt Touchscreen-Navi, Rückfahrkamera und Ledersitze.
Bild: Werk
Zum Händlerstart im September 2011 liefern die Koreaner vier Motoren, zwei Benziner (1,2 Liter/85 PS, 1,4 Liter/109 PS) und zwei Diesel (1,1 Liter/70 PS, 1,4 Liter/90 PS). Der kleinere der beiden Letzteren soll mit 3,2 Liter Verbrauch eine neue Bestmarke setzen und schickt mit einem CO2-Ausstoß von 85 Gramm pro Kilometer sogar den Klassenprimus Polo Bluemotion zum Nachsitzen. Respekt! Leider schrumpfte durch den Öko-Ehrgeiz das brasilianische Feuer, das der Name Rio verspricht, auch bei den Toptriebwerken zur koreanischen Spar-Flamme. Der 1,4-Liter-Benziner, bekannt aus dem Venga, wirkt enttäuschend schlapp, fühlt sich eher nach 80 als nach 109 PS an und kommt in den großen Gängen kaum noch aus dem Kreuz. Wer zügig unterwegs sein will, muss häufig schalten und in Regionen oberhalb von 4000 U/min vorstoßen – Verbräuche mit einer Fünf vorm Komma sind dann Wunschdenken. Auch der hubraumgleiche 90-PS-Diesel ist kein Temperamentsbolzen. Erst ab 2500 Touren wird er munter, läuft dafür aber sehr weich und leise. Für alle Motoren liefert Kia gegen Aufpreis eine Start-Stopp-Automatik, die den Durst im Stadtverkehr drosselt.Während Kia der elektrischen Servolenkung bis zum Verkaufsstart noch das künstlich-wabbelige Spielkonsoeln-Feeling austreiben sollte, wirkten Federungskomfort und Fahrstabilität bei unserer ersten Probefahrt bereits sehr ausgewogen. Straff, aber gelassen pariert der Rio Bodenwellen. Und weil ESP ab Werk an Bord ist, wackelt Kias Neuer beim Kurven-Samba auch nicht mit den Hüften. Prima. Denn leidenschaftlich genug ist er auch so.
Allgemeine Daten Kia Rio: • Länge/Breite/Höhe 4045/1720/1455 mm • Radstand 2570 mm • Kofferraum 288 bis 923 Liter • Tankvolumen 43 Liter.
Fazit
Bei der dritten Rio-Generation haben die Koreaner alle Register gezogen. Optik und Technik lassen viele Mitbewerber alt aussehen, der knallhart kalkulierte Einstiegspreis ist eine kleine Sensation. Als Sahnehäubchen locken sieben Jahre Garantie. Was soll da noch schiefgehen? Wertung: vier von fünf Sternen.
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