Kia Sportage 1.6 T-GDI PHEV, Suzuki Across 2.5 PHEV: SUV im Test
Zwei kompakte SUV mit Plug-in-Hybrid im Vergleichstest

Plug-in-Hybride haben es nach dem Förder-Aus nicht leicht. Der geliftete Suzuki Across und der Kia Sportage buhlen dennoch um die Gunst der Käufer.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Diese beiden Plug-in-Hybride bevölkern die gleiche SUV-Größenklasse: Kia Sportage und Suzuki Across strecken sich auf rund 4,60 Meter Länge, sind mit 1,9 Tonnen reichlich schwer geraten – und unterscheiden sich technisch fundamental.
Beim Kia Sportage, primär ein Fronttriebler, sitzt der E-Motor im Getriebegehäuse, also am gleichen Antriebsstrang wie der Turbobenziner. Eine SUV-übliche Lamellenkupplung schaltet den Hinterachsantrieb automatisch zu, sobald Schlupf an den Vorderrädern auftritt. Ganz konventionell.
Der Suzuki Across ist ein Toyota RAV4
Der Suzuki Across setzt auf satte 2,5 Liter Hubraum statt Turbo und nutzt zwei Elektromotoren: Einer sitzt am elektronisch gesteuerten Planetenradgetriebe, einem Toyota-Patent. Zum Allradler macht ihn schlicht ein zweiter E-Motor mit 54 PS an der Hinterachse. Ein mechanischer Allradantrieb existiert nicht, das hier ist "AWD by Wire".

Der kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder, beim Suzuki Across handelt es sich um einen Toyota RAV4 mit anderer Front.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Suzuki hat keine eigenen Plug-in-Hybride im Portfolio und deshalb kurzerhand den RAV4 umgeflaggt. Grob vereinfacht, handelt es sich beim Suzuki Across um einen RAV4 mit Notrad, mit freundlicherem Kühlergrill, mit Schaltpaddeln – und ohne Navi.
Navigation nur über Handy-App
Man muss die Navi-App des Mobiltelefons nutzen, die spiegelt sich auf einem größeren 10,5-Zoll-Touchscreen und kabellos, sofern es sich um ein Apple-Gerät handelt, auch das ist neu. Ebenso das 12,3-Zoll-Digitalcockpit, das war's schon mit den wesentlichen Neuerungen.

Unverständlich: Das Across-Infotainment kommt ohne Navi, braucht dafür ein Handy. Bei 58.190 Euro Grundpreis erwarten wir mehr.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
(Nicht nur) unsere Hoffnung, dass das verbesserte neue Toyota-Infotainment Einzug halten könnte, erfüllte sich also nicht. Sich automatisch an Tempolimits haltende Tempomaten oder die Möglichkeiten aktueller Bordnavis wie dynamische Ladesäulenanzeige bleiben dem Suzuki also verschlossen, etwas bitter angesichts eines Preises von 58.190 Euro. Ansonsten versteht sich der Across als Komplettangebot inklusive Schlüssellos-Zugang, E-Heckklappe und Heizungen in Sitzen und Lenkrad. Sogar Metallic ist Serie.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia Sportage 1.6 T-GDI PHEV | Suzuki Across 2.5 PHEV |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo, + E-Motor | Vierzylinder + E-Motor |
Leistung Verbrennungsmotor | 132 kW (180 PS) bei 5500 1/min | 136 kW (185 PS) bei 6000 1/min |
Einbaulage/Hubraum | vorn quer/1598 cm³ | vorn quer/2487 cm³ |
Spitzenleistung Elektromotor(en) | 67 kW (91 PS) | v. 134 kW (182 PS)/h. 40 kW (54 PS) |
Systemleistung | 195 kW (265 PS) | 225 kW (306 PS) |
Systemdrehmoment | 350 Nm | k. A. |
Vmax | 191 km/h | 180 km/h |
Getriebe | Sechsstufenautomatik | Stufenloses Automatikgetriebe |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/50 R 19 V | 235/55 R 19 V |
Reifentyp | Michelin Primacy 4 S1 | Yokohama Avid GT |
Radgröße | 7,5 x 19" | 7,5 x 19" |
Abgas CO2 | 26 g/km | 22 g/km |
Verbrauch* | 1,1 l/16,9 kWh/100 km | 1,0 l/16,6 kWh/100 km |
Tankinhalt/Batteriekapazität | 42 l/13,8 kWh | 55 l/18,1 kWh |
Tankdeckel/Ladeanschluss | hinten links/hinten rechts | hinten links/hinten rechts |
Kraftstoffsorte | Super/elektrischer Strom | Super/elektrischer Strom |
Ladeleistung | 7,2 kW | 6,6 kW |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) | 64 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1350/750 kg | 1500/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 70 kg |
Kofferraumvolumen | 540–1750 l | 490–1604 l |
Länge/Breite/Höhe | 4515/1865–2080**/1650 mm | 4635/1855–k. A.**/1690 mm |
Radstand | 2680 mm | 2690 mm |
Grundpreis | 45.290 Euro | 58.190 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 51.280 Euro | 58.190 Euro |
Wer in den Kia Sportage steigt, findet nicht zuletzt wegen der geringfügig größeren Fahrzeugbreite ein vorn wie hinten etwas üppigeres Platzangebot vor. Wobei der Fahrer hier mehr im Auto sitzt, nicht so obenauf wie im Across. Hinten behindert die ansteigende Fensterlinie des Kia den Ausblick, zudem besteht die Seitenverkleidung hinten auch oberhalb der Sichtlinie aus Hartplastik.
Bei der Bedienung überzeugt der Kia
Der Kia bietet vorne eine längere Sitzfläche – mit 50 Zentimetern allerdings auch nicht berauschend viel – und hinten zwei Zentimeter mehr Beinhöhe. Verstellbare Fondlehnen bieten beide, im Falle des Kia ist sie per Hebel seitlich an der Bank zu bedienen – ungewöhnlich und gut!

Gehorcht aufs Wort: Die Sprachbedienung des Sportage versteht auch frei formulierte Wünsche bestens und setzt sie prompt um.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ein Vergnügen ist Kias Sprachbedienung: hellwach, versteht sie frei formulierte Anweisungen bestens und erhört neben Telefon-, Navi- und Audio- auch Raum- und Sitzheizungswünsche. Übrigens kann in diesem Vergleich nur der Kia ein Handy induktiv aufladen, serienmäßig. Serie ist auch Drei-Zonen-Klima.
Trotz des eingangs beschriebenen Facelifts ist der Suzuki Across ein alter Bekannter geblieben, der uns als Toyota RAV4 seit 2019 begleitet. Man kann ihn schon mögen mit seinen vielen echten Tasten, den schlanken Dachsäulen und den dicken Klimareglern, im Winter mit Fäustlingen bedienbar.
Suzuki mit ordentlich Platz im Fond
Wuchtig und solide fühlen sich Türen und Heckklappe an, nur ein paar Spaltmaße (etwa an der Heckklappe) und die windig wirkende E-Ladeklappe fallen negativ auf. Letztere übergroß und fast im DIN-A4-Format – angenehmerweise auf der rechten Seite, sodass sie beim Ladestopp längs der Straße nicht in die Fahrbahn ragt.

Große Türausschnitte, tiefe Schweller: Was das Einsteigen in Reihe zwei angeht, profitiert der Across von den guten RAV4-Genen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Vom RAV4 kennen wir große Türausschnitte und tiefe Schweller, sodass man beim Einsteigen das Bein nicht sonderlich hochheben muss. Komfortabel. Im Fond erfährt die Begeisterung über den Komfort einen leichten Dämpfer: Die Beinhöhe hinten ist keine Offenbarung; immerhin stimmt das Platzangebot.
Der Laderaum des Suzuki ist bei identischer Maximaltiefe dank mehr Maximalbreite und vier Zentimeter mehr Höhe etwas größer. Zu loben sind die soliden Metall- Verzurrösen, verankert im Blech. Im Kia sind sie aus Plastik, befestigt nur an der Seitenverkleidung.
Für Konnektivitäts-Modernisten ist der Across das falsche Auto: Gegen die Echtzeit-Verkehrsnachrichten des Kia und sein Assistentenrudel mit Kreuzungsassistent, Staufolgeassistent, kamerabasierter Tempolimiterkennung mit Übernahme (zu bestätigen per Lenkradtaste) und mehr wirkt der Across altmodisch karg. Die Sprachbedienung ist schwerhöriger, kann im Wesentlichen Audio und Raumtemperatur.
Der Across punktet bei den Fahrleistungen
Aber schnell ist er: Die Systemleistung des Antriebs mit seinem Toyota-patentierten Planetenradgetriebe liegt bei imposanten 306 PS. Damit nimmt er dem Kia bei der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 1,7 Sekunden ab (6,1 s), auch den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h schafft er eine volle Sekunde schneller. Dafür ist er bei 180 km/h abgeregelt, während der Kia 191 km/h erklimmt.

Fährt vorweg: Im Sprint und beim Durchzug lässt der Across dem Sportage keine Chance. Aber er bremst deutlich schlechter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
In den Kapiteln Ansprechen und Dosierbarkeit kann der Across überzeugen. Das hybridtypische Aufheulen des Antriebs und den Gummibandeffekt haben die Japaner weitgehend wegkonstruiert, höchstens bei leerem Akku – spätestens nach 74 Kilometern – ist davon noch etwas zu spüren.
Dank größerem Akku (18,1 kWh) kommt der Across rein elektrisch weiter als der Kia, an der Wallbox braucht der Suzuki entsprechend länger: Mit viereinhalb Stunden ist an der 11-kW-Wallbox zu rechnen. Hervorzuheben ist die dieselartige Gesamtreichweite von über 900 Kilometern, auch dank des großzügig bemessenen 55-Liter-Tanks.
Messwerte
Modell | Kia Sportage 1.6 T-GDI PHEV | Suzuki Across 2.5 PHEV |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,9 s | 2,4 s |
0–100 km/h | 7,7 s | 6,1 s |
0–130 km/h | 11,8 s | 9,4 s |
0–160 km/h | 17,6 s | 14,4 s |
0–180 km/h | 23,5 s | 18,8 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 4,0 s | 3,1 s |
80–120 km/h | 4,9 s | 3,8 s |
Leergewicht/Zuladung | 1904/511 kg | 1987/532 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 57/43 % | 55/45 % |
Wendekreis links/rechts | 11,5/11,6 m | 12,0/11,9 m |
Sitzhöhe | 690 mm | 690 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 34,6 m | 39,4 m |
aus 100 km/h warm | 34,5 m | 41,4 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 55 dB(A) | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) | 69 dB(A) |
Verbrauch | ||
Stromverbrauch (hochgerechnet) | 20,9 kWh/100 km | 24,46 kWh/100 km |
Testverbrauch (60 % Hybrid-, 40 % E-Anteil) | 4,3 l - 8,36 kWh | 3,8 l - 9,78 kWh |
Verbrauch mit leerer Batterie | 7,2 l/100 km | 6,4 l/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 171 g/km | 151 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 583 km + 66 km elektrisch | 859 km + 74 km elektrisch |
Ist beim Sportage der 13,8-kWh-Akku geladen, was an unserer 11-kW-Wallbox knapp drei Stunden gedauert hat, lässt das Motoren-Duo das 1,9 Tonnen schwere Gefährt in 7,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen – schneller als vom Hersteller angegeben. Auch der Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h in knapp fünf Sekunden hinterlässt einen souveränen Eindruck. Rein elektrisch kommt der Kia 66 Kilometer weit – die rein elektrisch möglichen 140 km/h (Suzuki: 135 km/h) sollte man dann allerdings nicht auskosten.
Weitere Details zum Test finden Sie in der Bildergalerie.
Service-Links



























