Mehr Geld für die Schiene als für die Straße, attraktiverer öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), 15 Millionen rein elektrische Autos bis 2030: Das sind die Ampel-Pläne für den Verkehr. Schreckensnachrichten für Autofahrer? Nicht zwingend, immerhin gibt es viel aufzuholen. Schließlich weist die Bilanz der alten Bundesregierung eine klare Präferenz für Fernstraßen auf: So wurden von 2017 bis 2020 genau 635 Kilometer unter Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aus- oder neu gebaut, davon 376 Kilometer Autobahn. Und bei den Schienen? Im gleichen Zeitraum förderte oder baute der Bund gerade mal 147 Kilometer Schienenwege neu.

In die Schiene investiertes Geld ist sinnvoll

In den Schienenverkehr zu investieren, ist auch eine Chance für den Individualverkehr. Denn wenn mehr Güter auf der Schiene statt auf der Straße transportiert werden, senkt das den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr erheblich. Schließlich verursacht der Güterverkehr über 35 Prozent aller Treibhausgasemissionen im Verkehr. Lkw stoßen durchschnittlich 113 Gramm CO2 pro Tonnenkilometer aus, also pro transportierten 1000 Kilogramm – es sei denn, es kommt der Wasserstoff-Lkw. Bei der Bahn sind es gerade mal 17 Gramm – Tendenz fallend, da immer mehr Dieselloks sprichwörtlich aufs Abstellgleis geschoben werden.

Warum der Lieferverkehr länger brauchen könnte

Weg von der Straße, rauf auf die Schiene. Das klingt vernünftig. Geht aber natürlich nicht ohne Einschränkungen. Statt in München einen Lkw direkt auf die große Reise nach Hamburg zu schicken, muss erst mal ein Transporter die Güter zum Bahnhof bringen – das ginge zum Glück mittlerweile elektrisch und sauber, denn was auf der "letzten Meile" klappt, gilt auch für die "first Mile"; kostet aber Zeit. Mit dem Zug geht es quer durch die Republik, an verschiedenen Stationen docken wieder saubere Transporter an und bringen die Waren zum Kunden – so das Ziel. Bedeutet aber konkret: Das Amazon-Paket kommt vielleicht nicht gleich am nächsten Tag an, sondern erst am übernächsten. Ist Warten für besseren Klimaschutz schlimm? Ja, werden viele sagen, denn wir haben uns sehr an schnelle, unkomplizierte Lieferungen gewöhnt. Nein, sage ich, wenn im Gegenzug das Auto nicht verteufelt wird. Das ist besser, als sich die Beine an einer Haltestelle in den Bauch zu stehen, wenn das Auto immer mehr zum tabu wird. Wenn man schon abwägen muss, was wichtiger ist, dann genießt das Auto den Vorrang vor dem Lieferverkehr.