Kombi-Vergleich: 207/Fabia/Ibiza
Drei kleine Lastesel

Die Fassade stimmt. Der Inhalt auch. Kleine Kombis sind perfekte Reiseautos zum fairen Preis. Jetzt kommt mit dem Seat Ibiza ST einer dazu – und fordert Peugeot 207 SW und Skoda Fabia Combi heraus. Ein Vergleich.
- Jörg Maltzan
Am Stammtisch herrscht Einigkeit. Mit einem Kleinwagen in den Urlaub? Kannste knicken. Kein Platz, kein Komfort, kein gar nichts. Falsch! Die bierselige Runde ist einfach nicht auf der Höhe der Zeit. Denn heute gibt es Minis, die das alles können. Etwa kleine Kombis mit kräftigen und sparsamen Dieseln. Ganz frisch stürmt Seat mit dem Ibiza ST ins Segment, aus dem sich die VW-Tochter 2002 mit dem Cordoba Vario zurückgezogen hatte. Der Wiedereinstieg ist klug, wie die Konzern-Schwester Skoda eindrucksvoll beweist. Denn 41 Prozent aller in Deutschland verkauften Fabia tragen die Modellbezeichnung Combi am Heck. Seat strebt einen Modellanteil von 30 Prozent an. Ähnlich wie Peugeot, wo sich derzeit immerhin jeder fünfte 207-Käufer für den Kombi entscheidet.
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Klar, Kombikauf ist längst keine reine Vernunftwahl mehr, sondern eine Lifestyle-Entscheidung. In diese Richtung zielt vor allem der neue Seat Ibiza ST. Pfeilförmige Front, abfallende Dachlinie und zweigeteilte Heckleuchten machen ihn zum Sportmodell mit flottem Anhang. Nachteil: Auf den Rücksitzen ist es eng wie in einer katalanischen Altstadt-Bodega. Berlin bis Barcelona? Vergiss es! Zu eng. Erwachsene sitzen eingeklemmt zwischen Dachhimmel und Vordersitzlehne. Immerhin fasst der Kofferraum respektable 430 Liter. Wie im Skoda klappen die Lehnen vor, nachdem die Sitzkissen aufgestellt wurden, bilden aber leider keine ebene Ladefläche. Das maximale Packvolumen liegt mit 1164 Litern deutlich unter dem des Skoda. Der schluckt fast 1500 Liter und mimt den sparsamen Rucksacktouristen, der alles mitmacht, aber wenig zahlt. Zur Modenschau gehen andere. Der Fabia trägt Funktionskleidung: schnörkellos, robust, zweckorientiert. Auch innen. Selbst besetzt mit vier Personen schleppt er noch 480 Liter weg; seine 452 Kilo Zuladung sind in diesem Feld konkurrenzlos. Nur bei der Variabilität mit fummeligem Sitzmechanismus und nicht ebenem Ladeboden dürfte er (wie der Seat) intelligenter sein.
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Bild: Toni Bader
Wie es besser geht, zeigt Peugeot. Ein Griff an die Lehne – zack! –, schon verschwindet die Sitzanlage im Boden – ohne störende Kante oder Neigung. Irgendwie kann sich der 207 SW aber nicht recht entscheiden. Bin ich nur Kombi? Oder Van? Oder SUV? Er will einfach alles sein. Zumindest in der 21.000 Euro teuren Outdoor-Version (komischer Name für ein Auto aus dem Land, in dem kaum einer Englisch sprechen mag). Mit niedriger Fensterlinie, Dachreling, Panorama-Glasdach und rustikaler Beplankung zeigt er zarten Offroad-Touch. Passend dazu sitzt der Fahrer 58 Zentimeter über der Straße und damit etwas höher als in Seat und Skoda. Dabei bleibt der Peugeot kompakt und ist fast zehn Zentimeter kürzer als der Fabia. Das kostet zwar Platz auf den Rücksitzen und im Kofferraum, doch 1258 Liter Maximalvolumen fürs Gepäck sind selbst für Familien immer noch ausreichend.
Trotz Kleinwagen-Technik rollt der Fabia souverän ab. Schlechte Straßen bringen ihn weniger aus der Ruhe als seinen straff abgestimmten Markenbruder aus Spanien. Logisch, Seat ist im VW-Konzern schließlich für die Abteilung Attacke zuständig. Vorteilhafter als beim ruppigen Fahrwerk macht sich das bei den gut konturierten Sitzen bemerkbar, die in Kurven viel Halt bieten. Deutlich schlechter schneidet hier der 207 SW ab. Wenig Seitenführung der Sitze und die stößige Federung verlangen nach möglichst geraden und glatten Straßen. Dafür entschädigt er mit guter Dämmung, die das harte Dieselgeräusch besser aussperrt als bei der Konkurrenz.
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Bild: Toni Bader
Wunderbar, was so ein 1,6-Liter-Diesel mit den kleinen Kombis anstellt. Alle drei schaffen 190 km/h, sprinten um die elf Sekunden auf Tempo 100 und schlucken kaum mehr als fünf Liter. Eine ideale Kombination aus Nutzwert, Fahrspaß und Wirtschaftlichkeit. Im Seat und im Skoda arbeitet der identische Dieselmotor von VW; Unterschiede sind selbst mit dem Mikroskop nicht auszumachen. Einzig der Peugeot beschleunigt etwas träger und bei höheren Drehzahlen lustloser. Als Einziger hat er einen sechsten Gang, was eine Drehzahlabsenkung bewirkt, sich aber nicht in geringerem Verbrauch niederschlägt. Speziell wenn es zügig vorangeht, muss der Fahrer im 207 mehr schalten. Und das bereitet angesichts der langen Schaltwege und ungenauen Führung wenig Freude. Gemütlichen Typen mit Vorliebe für einen schweren Bordeaux dürfte der Franzose trotzdem gefallen.
Wie schon erwähnt, müssen für den 207 SW Outdoor stolze 21.000 Euro angelegt werden. Die beiden Konzern-Kombis aus dem Hause VW schröpfen die Urlaubskasse spürbar weniger. Für 19.950 Euro schiebt sich der feurige Seat Ibiza ST ins Bild – inklusive schicker 17-Zoll-Alus. Teuer wird dagegen die Wartung, die immerhin jedes Jahr oder aber schon nach 15.000 Kilometern fällig wird. Der Skoda Fabia Combi vertraut dagegen auf eine flexible Wartungsanzeige, muss erst nach zwei Jahren in die Werkstatt. Und mit 19.280 Euro kostet er auch noch am wenigsten.
Fazit
Prima, dass Seat wieder einen kleinen Kombi im Programm hat. Denn gegenüber 207 SW und Fabia Combi finden nun auch Käufer ein Angebot, für die Nutzwert nicht alles ist. Mir gefällt die sportliche Optik und das leichtfüßige Handling des Ibiza ST – für mich könnte er glatt als kleiner Audi A4 durchgehen. Schade nur, dass er im Innenraum zu viel Billig-Plastik zeigt. Wer einen Kombi im Wortsinn will, kauft Skoda. Er bietet das mit Abstand beste Platzangebot in diesem Trio.
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