Sie werden immer schicker. Immer stärker und immer beliebter – kleine Autos kommen in den nächsten Jahren ganz groß raus. Entweder weil die Minis als angesagte Sparer gesellschaftsfähig werden, oder weil die Autobauer ihr Angebot ausweiten. Die knauserige Kurzware hilft, den Flottenverbrauch wie versprochen zu senken. Daher steht uns eine Welle von Neuheiten in Konfektionsgröße S bevor: • die dritte Auflage des Mini (2013) und der Saab 9-1 • die kleinen BMW mit Front- und Allradantrieb (2013) • der VW up (kommt 2011) und seine Ableger von Seat und Skoda (2012) • Gemeinschaftsmodelle von VW und Suzuki (2014) • der neue Audi A1 • Mercedes A-Klasse (2012) • die nächste Generation des Smart fortwo und forfour (2013) • der Ersatz für Toyota Aygo/Peugeot 107/Citroën C1 (2012) • der Citroën DS2.
Mini Clubman
Bild: Larson
Vom aktuellen Mini baut BMW 240.000 Autos pro Jahr. Vom Nachfolger sollen es eine Million Fahrzeuge werden. Bayerischer Größenwahn? Keineswegs, sondern das Verdienst von FAA. Dahinter verbirgt sich die künftige Frontantriebsarchitektur für Mini und die übernächste 1er-Familie. FAA liefert die Basis für jeweils sieben verschiedene Modelle der Marken Mini und BMW. Das heißt, dass schon die Briten ihr Programm neu ordnen und erweitern mit: • Mini Hatchback • Mini Cabrio • Mini RoadsterMini CoupéMini ClubmanMini Countryman • Mini Van Vor allem die drei letztgenannten Mini haben es faustdick hinter den Kulleraugenscheinwerfern. Sie sind einerseits Mini genug, um nicht aus dem Rahmen zu fallen. Andererseits bieten sie nette Neuigkeiten, damit die Stammkunden mit ihrer Marke mitwachsen. Der nächste Clubman bekommt zwei Fondtüren, die vermutlich hinten angeschlagen sind (wenn die Kostenwächter bei BMW mitspielen). Übernommen werden die mittig geteilten, seitlich angeschlagenen Flügeltüren im Heck. Der Countryman II bleibt den vier konventionellen Einstiegsluken treu.

Mini erweitert sein Angebot in Zukunft um einen kleinen Van

Mini Van Illustration
Der Mini Van soll, so der Plan, hinten Schiebetüren bekommen. Die sparen Platz, sind praktisch und haben in dieser Klasse noch Seltenheitswert. Der Clubman wird etwas länger, wirkt deutlich sportlicher und hat den A3 Sportback im Visier. Der Countryman will eine lifestylige Alternative zum A3 Allroad sein. Der Mini Van beschreitet Neuland; sein konzeptionelles Vorbild ist der VW Bus aus den 50ern und 60ern. Die Technik, besagte FAA, bekommen auch künftige BMW-Modelle. Was eingefleischte Bajuwaren noch immer schmerzt, wird wohl ab 2013 starten – ein Frontantrieb hinterm Propeller-Logo. Allerdings nur in neuen Modell-Varianten, dem 1er GT und dem Compact Activity Tourer mit Hochdachkarosse. Die Nachfolger der bekannten 1er-Palette (Dreitürer, Fünftürer, Coupé, Cabrio) basieren für die nächsten sieben Jahre noch auf dem bekannten Hinterradantrieb.
Eine kleine Revolution erwartet uns auch unter der Motorhaube, wo überwiegend neue Dreizylinder stecken werden. Die Frage ist nur, ob der maximal rund 200 PS starke Dreizylinder das Zeug dazu hat, die Erwartungen an die Höhermotorisierung (Cooper S) und an das Markenimage (vor allem in den USA) zu erfüllen. Falls sich die Strategen ab 150 PS doch für den Vierzylinder entscheiden, steht bei BMW eine neue Triebwerksgeneration (Benziner und Diesel) in den Startlöchern. Außer der britisch-bayerischen Bruderschaft steht im Norden ein weiterer Partner bereit: Saab will aus der FAA-Technik den kleinen Saab 9-1 stricken – mit Mini-Fahrwerk, Mini-Motoren, Mini-Karosseriestruktur.

VW will mit Suzuki einen Kleinwagen-Baukasten entwickeln

Seat Arosa Up
Bild: Larson
VW hatte seinen Kleinwagen up! weitgehend festgezurrt und dabei auch vom Heck- zum Frontantrieb umgepolt. Die Weitergabe an die Konzerntöchter von Seat bis Skoda schien beschlossen, bis sich der Konzern bei Suzuki eingekauft hat. Nun plötzlich erkennt man in der Zentrale, dass die Produktion der preissensiblen Kleinen noch billiger geht. Deshalb denken die Wolfsburger darüber nach, die up!-Varianten für Drittländer und für bestimmte Marken (vermutlich Seat, vielleicht auch Skoda) mit Unterstützung von Suzuki auf die Räder zu stellen. Mittelfristig soll gemeinsam ein neuer Kleinwagen-Baukasten entstehen, der von Alto/Splash/Swift/SX4 bis up!/Polo alle Modelle unter einen Hut bringt. Nur der Jimny bleibt vermutlich außen vor, denn der rustikale Offroad-Billigheimer verträgt sich nur bedingt mit der deutschen Hightech-Denke.
Welche anderen spannenden Neuheiten im Kleinwagen-Segment in Zukunft zu erwarten sind, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Fazit

von Georg Kacher
Klein und billig – dieser Markt gehört bald den Chinesen. Klein und kompetent – das ist der hart umkämpfte Spielraum für die Volumenhersteller. Klein und Premium – hier entsteht die neue Domäne der Deutschen. Die müssen freilich ihre hohen Preise durch entsprechende technische Inhalte absichern. Wer hat die besten Konzepte und die stärksten Marken? Aus heutiger Sicht macht BMW/Mini das Rennen.