Er war DAS Posterauto der 70er- und 80er-Jahre: der Lamborghini Countach! Bilder vom nur 1,07 Meter flachen Keil zierten die Wände unzähliger Kinderzimmer, und bis heute ist der Nachfolger des Miura eine Legende. Anlässlich des 50. Jubiläums bringen die Italiener eine auf 112 Stück limitierte Neuauflage des Countach auf den Markt!
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Im Rahmen der Carweek in Pebble Beach präsentiert Lamborghini den neuen Countach, der den Namenzusatz LPI 800-4 trägt und Teil der "Few Off"-Serie ist. Das limitierte Sondermodell hat einen Hybridantrieb und ist gleichzeitig eine Hommage an das Original, das der Öffentlichkeit erstmals vor 50 Jahren gezeigt wurde.

Lamborghini feiert 2021 das 50. Countach-Jubiläum

1971 erblickte der von Bertone-Designer Marcello Gandini gezeichnete Countach das Licht der Welt, als er auf dem Autosalon Genf erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Ursprünglich soll keine Serienfertigung geplant gewesen sein, doch der noch heute futuristisch anmutende Countach löste eine solche Begeisterung beim Publikum aus, dass Firmengründer Ferruccio Lamborghini einen fahrbereiten Prototyp bauen ließ. Nur ein Jahr später wurde die Serienproduktion des Countach beschlossen. Bis 1974 das erste Kundenauto ausgeliefert wurde, verging jedoch noch einige Zeit, da Lamborghini parallel den Urraco entwickelte. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte: Der Countach wurde aufgrund seines Designs zur Legende und blieb in zahlreichen Versionen bis 1990 im Programm – länger als jedes andere Lamborghini-Modell.
Lamborghini Countach
Das Original: Auch 50 Jahre nach seiner Präsentation wirkt der erste Lamborghini Countach immer noch futuristisch.

Jetzt gibt es einen neuen Countach. "Das Auto ist ein Gamechanger für uns", sagt Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann. "Der erste Hybrid-Supersportler, ein visionäres Auto der Gegenwart, genau wie sein Vorgänger."

Die Neuauflage soll kein Retroauto sein

Mindestens genauso wichtig wie der Antrieb des Countach LPI 800-4 ist natürlich die Optik. "Der erste Countach hat die Lamborghini-DNA geformt wie kein anderes Modell", erklärt Mitja Borkert, Head of Centro Stile (Chefdesigner) bei Lamborghini. Die besondere Schwierigkeit bei der Neuauflage war, nicht einfach ein Retroauto zu bauen – sondern sich vorzustellen, wie ein Countach im Jahr 2021 aussehen könnte. Das Ergebnis ist mehr als gelungen!
● 4,87 Meter Länge
● 1,14 Meter Höhe
● 2,10 Meter Breite
● Scherentüren
Felgen im "Telefon-Stil"
● hexagonale Radhäuser
● keine Klappscheinwerfer

Beginnen wir an der Front: Wie alle aktuellen Lamborghini-Modelle ist auch der Countach scharf gezeichnet. Im Vergleich zum Aventador ist die Front jedoch klarer designt. Im superschmalen Kühlergrill ist ein dezenter Countach-Schriftzug untergebracht, die Fronthaube verzichtet auf Sicken und Kanten jeglicher Art. Ein besonders charakteristisches Merkmal des Originals konnte aber nicht in die Neuzeit übernommen werden: Die Rede ist von den Klappscheinwerfern des Countach, bei denen sich oberhalb der Blinker je zwei runde Leuchten innerhalb der Scheinwerfer versteckten. Aufgrund moderner Sicherheitsvorschriften ist es heutzutage nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, einen Neuwagen mit Klappscheinwerfern zu homologieren. Da wird auch für einen in Kleinserie gebauten Lamborghini keine Ausnahme gemacht. Folglich entschied sich das Team um Mitja Borkert dazu, den Look des originalen Countach mit eingeklappten Scheinwerfern zu imitieren. Der LPI 800-4 trägt schmale Scheinwerfer mit dünnen Tagfahrlichtern darunter.
Lamborghini Countach
Die Front der Countach-Neuauflage ist eckiger designt als beim Aventador.

Auch in der Profilansicht ist der neue Countach ganz der Alte. Die großen Lufteinlässe hinter den Türen, die sogenannten NACA-Ducts, wurden optisch in die Türen verlängert – genau wie beim Ur-Countach. Darüber trägt die Hommage geschlitzte Elemente ("slatted gills"), die an den ganz frühen Countach LP500 erinnern; und sogar an das namensgebende Fenster im Dach ("Periscopio") haben sie beim neuen Countach gedacht. Auf Knopfdruck wird aus dem transparenten ein blickdichtes Dach. 
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Natürlich dürfen auch die sechseckigen Radhäuser und die legendären Felgen im "Telefon-Stil" nicht fehlen. Allerdings fallen die Räder beim neuen Countach mit 20 bzw. 21 Zoll deutlich größer aus. Das könnte auch daran liegen, dass die Neuauflage auf dem seit 2011 erhältlichen Aventador basiert. Zwar erwähnen das die Italiener in der Pressemitteilung mit keinem Wort, doch spätestens beim Öffnen der Scherentüren wird klar, dass unter der Carbon-Karosserie das Monocoque des V12-Flaggschiffs steckt. Das ist auch gut so, denn schließlich war der Countach 1974 das erste Lambo-Modell, dessen Türen nach oben öffneten. Die Baureihe machte die Scherentüren zum Markenzeichen aller V12-Lambos!

Erste Sitzprobe im neuen Countach

Die Türen sind mit einem Scharnier an der A-Säule angeschlagen und öffnen nach schräg oben. Ein Schauspiel, das nie langweilig wird! Erst mal reingeschält, wandert das Auge auf eine digitale Cockpit-Landschaft à la Playstation. Borkert erklärt: "Wir bekommen die beste Multimedia aus dem Konzern, Spracherkennung etwa von Audi. Aber wir programmieren die Oberflächen so um, dass sich der Fahrer fühlt, als wäre er Pilot." Wenn dem Piloten zu warm wird, macht er per Knopfdruck aus dem transparenten Dach ein blickdichtes. Wenn er Frischluft braucht, dreht er an den Lüftungsdüsen – zwei ineinandergehende Komponenten, die es als Teile aus dem 3D-Drucker in die Serie geschafft haben. Und auch hier wieder die Sechseck-Form, man achte auf die Details.
Lamborghini Countach
Der Innenraum ist weitestgehend aus dem Aventador bekannt. Den Bildschirm hat auch der Sián.

Der 6,5-Liter-V12-Sauger des Countach wird von einem Elektromotor unterstützt

● 6,5-Liter-V12-Sauger mit 780 PS und 720 Nm
● 48-Volt-Elektromotor, direkt ans Getriebe gekoppelt
Systemleistung: 814 PS
● 0-100 km/h in 2,8 Sekunden
● 0-200 km/h in 8,6 Sekunden
● Topspeed: 355 km/h
● Leergewicht: 1595 Kilo
● Leistungsgewicht: 1,95 Kilo/PS

Bei seiner Präsentation war der Lamborghini Countach seinerzeit nicht nur optisch, sondern auch technisch ein absoluter Meilenstein. Anders als beim Vorgänger, dem Miura, wurde der V12 im Countach längs eingebaut – daher auch die Bezeichnung LP ("Longitudinale Posteriore"). Von anfänglich 375 PS aus einem 3,9-Liter-V12 stiegt die Leistung in den stärksten Versionen LP5000S QV und 25th Anniversary auf 455 PS, erzeugt in einem inzwischen 5,2-Liter großen V12-Sauger. Der neue Countach ist deutlich stärker: Der bewährte 6,5-Liter-V12 leistet wie im neuen Sondermodell Aventador Ultimae 780 PS; er wird jedoch von einem 48-Volt-Elektromotor unterstützt, der direkt ans Siebengang-ISR-Getriebe gekoppelt ist und 34 PS leistet. Macht in Summe also 814 PS. Der Antrieb ist übrigens aus dem auf nur 63 Exemplare limitierten Sián FKP 37 bekannt, dessen V12 allerdings 785 PS leistet, was in Summe 819 PS ergibt. Genau genommen haben Italiener bei der Bezeichnung LPI 800-4 also etwas gemogelt, denn eigentlich müsste der Countach "LPI 814-4" heißen.
Lamborghini Countach
Erst bei der Draufsicht ist das ins Dach eingelassene Fenster zu erkennen.
 
Viel wichtiger als die Bezeichnung ist das Leistungsgewicht: Da die Karosserie des 4,87 Meter langen, aber mit 1,14 Meter immer noch nur hüfthohen Countach komplett aus Carbon besteht, wiegt der Supersportwagen trotz komplexer Technik nur 1595 Kilo, was wiederum ein Leistungsgewicht von nur 1,95 Kilo/PS ergibt. Kein Wunder also, dass der Countach aus dem Stand in nur 2,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. 200 km/h dauern gerade mal 8,6 Sekunden, und Schluss ist erst bei 355 km/h.

Der Basispreis des neuen Lamborghini Countach beträgt 2.010.000 Euro

Auch bei den Farben schlägt Lamborghini die Brücke zum Original. So ist der neue Countach in historischen Tönen wie "Impact White", "Giallo Countach" oder "Verde Medio" zu haben. Wem diese Uni-Lackierungen nicht gefallen, der kann frei aus der aktuellen Farbpalette auswählen. Falls Sie sich übrigens fragen, wieso der Countach auf exakt 112 Exemplare limitiert ist: Die ursprüngliche interne Bezeichnung für den originalen Countach lautete "LP112".
Ab dem ersten Quartal 2022 sollen die Kundenfahrzeuge des Countach LPI 800-4 ausgeliefert werden. Der Stückpreis liegt bei nicht weniger als 2.010.000 Euro, also zwei Millionen und zehntausend Euro – oder rund fünf Mal so viel, wie Lamborghini für den ebenfalls limitierten Aventador Ultimae verlangt. Dem Kaufinteresse scheint das allerdings keinen Abbruch getan zu haben, denn der Großteil des 2021er Countach-Kontingents ist bereits vor der offiziellen Enthüllung vergeben. Ob auch die Neuauflage das Zeug zum Postercar hat, wird sich dann in dem kommenden Jahrzehnten zeigen.