Na, das ist ja mal wieder typisch deutsch. Oder zumindest so, wie wir Deutschen noch immer gern wahrgenommen werden (wollen). Während sie drüben an der Lodge in Pebble Beach, beim Concorso Italiano, der Little Car Show oder beim Concours de Lemons noch aufbauen, sind die Teutonen schon bereit: Denn noch bevor die Monterey Car Week zwei Stunden südlich von San Francisco im Hochamt der Autoleidenschaft kulminiert und sie erst bei "The Quail" die teuersten Neuwagen der Welt zeigen und dann beim Concours d'Elegance die edelsten Oldtimer prämieren, treffen sich bei den "Legends oft he Autobahn" die Fans der deutschen PS-Kultur.
Der SLR ist ein Supersportwagen von Mercedes und McLaren.
Bild: T. Geiger
Porsche ist zwar ausgeschert und VW dann noch zu bodenständig. Aber Audi, BMW und Mercedes werden hier groß gefeiert und nichts deutet auf die Verstimmungen hin, die sonst gerade das transatlantische Verhältnis belasten. Made in Germany ist hier noch ein Gütezeichen und die A3 steht höher im Kurs als der Highway Number One.
Audi, BMW und Mercedes werden hier groß gefeiert.
Bild: T. Geiger
Denn was bringt einem die kurvigste Küstenstraße, wenn hinter jeder Kuppe ein Cop lauern kann? Dann doch lieber linke Spur ohne Limit – so lässt sich die Sehnsucht der deutsch eingefärbten Petrolheads zusammenfassen.
Das versteht auch jeder, der kein deutsch spricht.
Bild: T. Geiger

BMW zeigt neuen M5

Raum für Sentimentalität bleibt dabei aber kaum und auch nicht für den Blick zurück. Sondern BMW adelt den Concours im Gegenteil sogar mit einer veritablen Weltpremiere und zeigt hier nicht nur alle sieben Generationen des M5 – sondern zum ersten Mal auch den neuen M5 Touring, der diesmal auch den Amis Lust auf den Kombi machen soll.
BMW ziegt erstmals den neuen M5 Touring.
Bild: T. Geiger
Ein Neuwagen in Pebble Beach? Natürlich! Denn längst geht es hier nicht mehr nur um Oldtimer und bei den "Legends" erst recht nicht. Ja, in der BMW-Ecke stehen natürlich auch Dutzende 02er, 3.0 CS und M-Modelle aus 50 Jahren Blut, Schweiß und Tränen in der Mucki-Bude. Und natürlich dürfen auch Z1 und Z8 nicht fehlen.
Zur Premiere des neuen M5 Touring gesellen sich die Vorgänger-M5.
Bild: T. Geiger
Doch es ist auch Raum für die aktuelle Flotte – jeder, der im BMW Club of America ist und ein paar PS unter der Haube hat, der darf sich hier präsentieren. Und weil Alpina in Amerika schon immer näher an der Marke war, als das in Deutschland zumindest bis dato gewesen ist, tragen überraschend viele davon goldene Streifen und ein Kennzeichen aus dem Allgäu.
BMW Z1: Er war mit seiner Technik der Zeit voraus.
Bild: T. Geiger
Nicht ganz so breit gefächert ist das Programm bei Audi. Da dreht sich – von ein paar TT abgesehen – fast alles um die Kraftmeier, die damals noch von der Quattro GmbH und heute von der Audi Sport gebaut werden: Vom liebevoll gepflegten Ur-Quattro über RS4 und RS6 aller Generationen bis hin zum R8, der spätestens mit dem Ende der Produktion in diesem Jahr dann gar vollends zum Sammlerstück wird und so künftig noch mehr Liebhaber zu den Legends locken dürfte.
Ein "rote Sau" Nachbau gehört zu den Blickfängen.
Bild: T. Geiger
Aktuelles Serienauto oder originaler Oldtimer – nirgends kommt man damit so durcheinander wir bei Mercedes. Klar gibts hier viel echte SL vom unverzichtbaren Flügeltürer über die Pagode bis zum 107er, der bei den Legends sogar – bei 30 Grad, Palmen und dem Pazifik im Hintergrund – mit Ski auf dem Dach ausgestellt wird. Es gibt S- und E-Kasse en masse, ein paar Heckflossen und sogar ein paar Geländewagen, selbst wenn man ausgerechnet die G-Klasse hier vergeblich sucht.

Mercedes fährt SLR, SLS und AMG auf

Und natürlich sind auch SLR, SLS und AMG aufgefahren. Doch die Blicke fangen zwei Jungs aus dem Orange County, die eine "rote Sau" nachgebaut haben und für einen ziemlich abgefahrenen, giftgrünen 300 SL gehörig den Zeitstrahl verbogen haben. Den außer den Flügeltüren und den Grundzügen des Designs ist nicht mehr viel davon aus den Fünfzigern übriggeblieben.
Der 300 SL hat außer den Flügeltüren und den Grundzügen nicht mehr viel mit dem Original gemein.
Bild: T. Geiger
Doch während sie drei Tage später bei Concours d'Elegance jede Schraube und jedes Kabel auf Originalität überprüfen, freuen sie sich hier einfach daran, dass sie alle Spaß am Auto haben. Und viel mehr braucht es nicht für einen stimmungsvollen Vormittag auf der Autobahn, selbst wenn die die hier nicht asphaltiert ist, sondern ausnahmsweise über einen kurz geschorenen Golfplatz führt.
Der S-Klub aus LA zeigt eine Reimagination des 300 SL.
Bild: T. Geiger
Und dass es zwischen den Deutschen und den Amis irgendwann mal geknirscht hat, davon ist hier auch nichts zu spüren. Außer bei Tiffany. Das ist ein Schössling auf vier Beinen, der von seinem Herrchen in einem mit Strass besetzten S-Klasse-Cabrio über den Platz geschoben wird. Zumindest hier ist das deutsche-amerikanische Verhältnis, dann offenbar doch auf den Hund gekommen.