Als Jake voll auf Pedal tritt, wird der Hudson River rechts von mir zu einem verschwommenen blau-grauen Strich. Die knapp 200 Meter von Ampel zu Ampel auf der 12th Avenue genügen, um eine neue Dimension des Fahrens zu erleben: die ungeheuerliche Leichtigkeit des Seins. Der Lucid Air Grand Touring fliegt mit einer solchen Unangestrengtheit über den holprigen Asphalt, dass es die helle Freude ist. Für mich, hier ganz im Westen von Manhattan. Für Leute von Tesla, Mercedes oder Porsche wohl eher nicht. (Wichtige Tipps für den Neuwagenkauf im Internet)

Die Beschleunigung des Grand Touring ist atemberaubend

Play

Lucid Air (2021): Trailer - Elektro - Leistung - Reichweite - Info

Neuer Tesla-Gegner aus den USA

"Und?", fragt mich mein Fahrer Jake. "Was sagst du?" Ich sage nichts, weil ich gleichzeitig lachen, schreien, jubeln will … bei aller journalistischen Zurückhaltung natürlich. In weniger als drei Sekunden auf 100 km/h – mit Verlaub, das können andere auch. Aber nicht so schön. Und das spektakulärste Tempo des Lucid Air habe ich hier in New York noch gar nicht erlebt: seine Lade-Geschwindigkeit. Denn die beträgt maximal 1931 km/h. Die elektrische Luxuslimousine kann dank ihrer 924-Volt-Systemspannung nämlich mit bis zu 300 kW laden. Bedeutet: Strom für an die 480 km wird in nur 20 Minuten in den 113-kWh-Akku überführt. Der Lucid Air ist Luxuslimousine, ist Raumgleiter, ist Technikwunder. Der Onboard-Charger heißt deshalb auch "Wunderbox". "Über allem steht die Effizienz", sagt Lucid-Boss Peter Rawlinson, einst Vater des Tesla Model S, gegen den er jetzt antritt. Und gegen Mercedes EQS, Audi e-tron GT, Porsche. Effizienz heißt für Lucid: über sieben Kilometer pro kWh weit kommen. Das kann nicht mal Tesla.
Vattenfall-Wallbox
Vattenfall-Wallbox

Vattenfall-Wallbox + Ökostrom

Das exklusive Ladepaket in der AUTO BILD-Edition: Charge Amps Halo™ für 499 Euro statt 1189 Euro UVP.

In Kooperation mit

Vattenfall-Logo

Mit seinem Design erregt der Lucid Air Aufsehen

Lucid Air Grand Touring
Hinreißend: Mit seinem langen Radstand und der kurzen Überhängen ist der Lucid Air ein Hingucker.
Zur Eröffnung des ersten Showrooms ins Manhattan darf ich im Vorserien-Air mitfahren. Und wie er dasteht, erregt er sofort Aufsehen. Eine fünf Meter lange Limousine, aerodynamisch optimiert, langer Radstand, kurze Haube. E-Klasse-Abmessungen mit S-Klasse-Platz. Als ich vorn einsteige: ein Raumgefühl, ein Luxus-Ambiente, wie ich es nur von deutschen Oberklasse-Modellen kannte. Auf der Rückbank Businessclass-Beinfreiheit. Über mir eine gewaltige Glaskuppel. Wer ist Lucid Motors? 2007 als Batterie-Entwickler "Atieva" gegründet. 2012 kommt Rawlinson von Tesla, Lucid entwickelt den "Air". Auch mit deutschem Knowhow: Hardware-Ingenieur Eric Bach kommt auch von Tesla, Herstellungs-Chef Peter Hochholdinger war zuvor bei Tesla und Audi. In Arizona entsteht die Fabrik. Finanziert wird das alles vom saudischen Staatsfond. Gerade ist Lucid Motors an die Börse gegangen.

Bereits 2021 sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden

Lucid Air Grand Touring
Fast fertig: Noch 2021 sollen die ersten Grand Touring an die Kunden gehen – für 131.500 Dollar.
Als Jake mich auf die Runde mitnimmt, erklärt er mir die Ausstattung mit 32 Radar-, Lidar- und Kamerasystemen, die für die "Dream Drive" genannte Fahrassistenz sorgen wird, heute aber noch nicht freigeschaltet ist. Doch die enorme Ruhe, das Leder, Holz und das edle Cockpit sorgen dafür, dass ich gar nicht weiß, wohin ich zuerst blicke. Dann klappt Jake auch noch das Bedien-Tablet über der Mittelkonsole einfach so nach hinten weg – für noch mehr Stauraum. "Wir zielen auf zwei Arten von Kunden", sagt Chefdesigner Derek Jenkins. "Leute, die bereits elektrisch fahren. Und Umsteiger, die Luxuslimousinen bislang nur mit Verbrenner kennen." Noch 2021 werden in Amerika erste Air an Kunden geliefert. Später kommt auch das Einstiegsmodell für netto 87.500 Dollar mit 620 PS und 650 km Reichweite. In Amsterdam entsteht gerade die Europa-Zentrale. Standorte für Showrooms auch in Deutschland werden gesucht. Und auch das zweite Modell ist längst auf den Weg gebracht. Das Projekt "Gravity" wird dann aber ein SUV werden. Der nächste Luxus-Angriff auf Tesla & Co.
Das Fazit: Als ich Lucid-Boss Peter Rawlinson das erste Mal 2016 traf, war ich neugierig, aber skeptisch. Ein Jahr später war ich erstaunt über seinen Prototyp. Nach dieser Mit-fahrt in der Vorserie bin ich begeistert. Klar, der Lucid macht E-Mobilität nicht massentauglich. Aber Luxus und (Lade-)Leistung sind grandios. Tesla, Audi, Mercedes und Porsche werden das Auto schnell kaufen, zerlegen – und ganz genau hinschauen. 
Technische Daten Lucid Air Grand Touring: • Antrieb: zwei E-Motoren (je einer pro Achse) • Leistung: 597 kW (812 PS) • Antrieb: Allrad • Akkukapazität: 113 kWh • Reichweite: bis 827 km • Lade-Geschwindigkeit: 6 h bei 19,2 kW • Schnellladen: 480 km in 20 min • Länge/Breite/Höhe: 4974/1939/1410 mm • Leergewicht: 2300 kg • Kofferraum: 456 l (hinten), 202 l (vorne) • 0-100 km/h ca. 2,5 s • Vmax: 269 km/h • Verbrauch: 16,7 kWh/100 km • Preis: ab 131.500 USD (netto)

Bildergalerie

Lucid Air Grand Touring
Lucid Air Grand Touring
Lucid Air Grand Touring
Kamera
Mitfahrt im Lucid Air Grand Touring
9 Bilder Pfeil