Maxus Euniq6: Elektro-SUV vom Transporter-Spezialisten
Womit der Riese leider komplett enttäuscht!
Bild: T. Geiger / AUTO BILD
Manchmal ist der Name Programm – und manchmal ist nur der Wunsch der Vater des Gedankens. Wenn Maxus jetzt den Euniq6 an den Start bringt, dann gilt wohl eher letzteres. Ja, das E trägt er natürlich zurecht. Aber auch wenn der vermeintlich Einzigartige tatsächlich das erste SUV ist, das der chinesische Spezialist für Transporter, Pick-Up und Vans jetzt zusammen mit dem Bully-Fighter eDeliver7 (318 km Reichweite, ab 54 728 Euro) nach Europa bringt, ist der Euniq6 ein eher gewöhnliches Auto. Aber das muss ja kein Schaden sein.
Denn für Preise ab 53.490 Euro gibt es dann ein klassisch geschnittenes SUV für die Mittelklasse, das mit 4,74 Metern Länge etwas über Mitsubishi Outlander, Ford Kuga oder der Nissan X-Trail zielt – nur dass es den Maxus eben elektrisch gibt. Und zwar ausschließlich.
Allerdings muss man schon genau hinschauen, um ihm das anzusehen. Zwar haben die Designer auf einen Grill verzichtet und den Bug mit einer Kunststoffblende geschlossen. Doch wo uns andere Chinesen gerne mit Raumschiffen und Space Shuttles in die Zukunft beamen, fährt der Euniq6 ganz im Hier und Heute.

Seit einem Jahr waget sich Maxus auch ins Pkw-Geschäft.
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Auch innen gibt es ein vergleichsweise konventionelles Layout fürs Armaturenbrett: Die digitalen Instrumente stecken in einer klassischen Hutze, auf dem Mitteltunnel thront noch ein echter Getriebe-Wählhebel und das senkrechte Tablet darüber kennen wir so zum Beispiel auch von Renault – nur dass es hier vor allem als Spiegel fürs Smartphone dient.
Denn wenn man neben den Kacheln für Radio und Klima, Assistenzsystemen oder 360 Grad-Kamera auch eine für Navigation sucht, verweisen die Chinesen auf Apple CarPlay oder Android Auto – und sparen sich die Übersetzung ihrer lokalen Lösung.
Maxus Euniq6: Platz und Protz satt
Ansonsten gibt’s im Maxus Platz und Protz satt: Das Ambiente ist vornehm, die Ausstattung mit elektrischen Helfern vom Keyless-Go-Schlüssel bis zur automatischen Heckklappe üppig, und bei 2,74 Metern Radstand ist die Rückbank auch dann noch bequem, wenn der Nachwuchs so langsam aufs Abi zusteuert. Vom riesigen Kofferraum ganz zu schweigen: Bei 754 Litern und einem großen Souterrain kann man den fehlenden Frunk ganz gut verschmerzen.

Das senkrechte Tablet dient vor allem als Spiegel fürs Smartphone.
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Bis dahin der Chinese durchaus eine Chance, den Familienrat auf der Suche nach dem nächsten Pampersbomber zu überzeugen. Nur beim Fahrer braucht es vielleicht noch ein paar Überredungskünste. Und zwar nicht, weil der Euniq6 eher von der gemütlichen Sorte ist, sich für den Sprint auf Tempo 100 lange 10,5 Sekunden Zeit lässt und bei 160 schon wieder eingebremst wird.
Sondern es ist vor allem der Antrieb, der aneckt. Denn was Maxus da aus dem prallen Baukasten der Konzernmutter SAIC zusammengeklaubt hat, passt nur eingeschränkt zu den Erwartungen der europäischen Mittelklasse. Erst recht nicht, wenn die elektrisch fährt.

Ausgerechnet an der Ladesäule zeigt sich der Euniq6 von seiner schwächsten Seite.
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Das beginnt beim Motor, der mit 177 PS und 310 Nm zwar mehr als genügend Kraft hat für den mit weniger als zwei Tonnen überraschend leichten Maxus, der aber abends am Stammtisch nicht zum Posen taugt, wenn schon ein ID.4 mit fast doppelt so viel Leistung angeboten wird.
Zwölf Stunden für 30 auf 80 Prozent
Und auch mit einem 70 kWh großen Akku kann man – buchstäblich – keine großen Sprünge machen, dondern muss nach spätestens 354 Norm-Kilometern wieder an die Leine. Und ausgerechnet dort zeigt sich der Euniq6 von seiner schwächsten Seite: Denn am Wechselstrom lädt er nur einphasig, kommt so auf gerade mal 6,6 kW und braucht für – Achtung – 30 auf 80 Prozent volle zwölf Stunden. Und mit 75 kW am Gleichstrom kann bei 30 Minuten für den gleichen Hub von Schnellladen auch keine Rede sein. Sondern der Maxus ist tatsächlich einer der lahmsten Lader im Land – und hat sich so seinen einzigartigen Namen dann vielleicht sogar doch noch verdient.
Fazit
Groß, ordentlich ausgestattet und ansehnlich gezeichnet – im Grunde ist der Euniq6 kein schlechtes SUV. Doch einzigartig, also unique, ist allenfalls sein Name. Und so entspannt er fährt und so ausreichend die Reichweite ist, so sehr enttäuscht die Ladeleistung. Erst recht, weil er mit 53.490 Euro kein Schnäppchen ist. Aber zumindest da ist noch Luft drin. Denn vor allem für Firmen- und Flottenkunden gibt es attraktive Konditionen und so viel Rabatt, dass der Maxus am Ende weniger als 40.000 Euro kostet. Das zumindest ist dann schon ziemlich unique.
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