Das Maybach-Projekt von Mercedes floppte einst grandios. Anfang der 2000er sollte der prestigeträchtige Name BMW und VW Kunden abspenstig machen, die mit Rolls-Royce und Bentley erfolgreich im Luxus-Segment wilderten. Doch die Maybach-Limos verkauften sich so gar nicht. Das spürte auch die schwäbische Firma Xenatec, die auf Basis des 57 S ein Coupé anbot.

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2012 Maybach 57 S Coupé Xenatec Sonderlack Two-Tone
2012 Maybach 57 S Coupé Xenatec Sonderlack Two-Tone
2012 Maybach 57 S Coupé Xenatec Sonderlack Two-Tone
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Xenatec Maybach 57 S Coupé
Geplant waren rund 100 Exemplare, darunter elf besonders luxuriöse "Cruserio". Verkauft wurden je nach Quelle insgesamt nur zwischen sechs und acht. Das vierte je gebaute steht jetzt bei Auto Leitner in den Niederlanden zum Verkauf. Der Cruserio befindet sich im Neuwagenzustand und wurde einst vom Libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi geordert! (Ferrari F40 von Saddam Husseins Sohn wiedergefunden!)

612 Biturbo-PS im Maybach Coupé

2012 Maybach 57 S Coupé Xenatec Sonderlack Two-Tone
Erst die Seitenansicht macht deutlich, wie lang das Xenatec Coupé tatsächlich ist.
Bild: autoleitner.nl
Basis des Xenatec-Umbaus ist der Maybach 57 S. Auffälligste Änderung sind natürlich die fehlenden hinteren Türen. Die Umbaumaßnahmen sind aber weitaus tiefgreifender. Neben längeren Fronttüren gab es ein neues Dach mit maßgefertigten Scheiben und neue Schürzen, außerdem wurden die B-Säulen um 20 Zentimeter nach hinten versetzt. Die hinteren Kotflügel wurden um 20 Millimeter verbreitert. Das Coupé ist mit sagenhaften 5,73 Metern noch genauso lang wie die Limousine und damit über zehn Zentimeter länger als ein Rolls-Royce Phantom Coupé! Den Motor ließ Xenatec dagegen unangetastet. Bei 612 PS und 1000 Nm Drehmoment aus einem Sechs-Liter Biturbo-V12 dürfte aber selten der Wunsch nach mehr Leistung aufkommen. In glatten fünf Sekunden beschleunigt das 2,7-Tonnen-Coupé auf 100 km/h, bei 275 km/h ist Schluss. Im AUTO BILD-Test ließ sich der Hecktriebler ohne Weiteres zum Driften verleiten.

Champagner und TV für die Fondpassagiere

2012 Maybach 57 S Coupé Xenatec Sonderlack Two-Tone
Die Platzverhältnisse sind zwar beengter als in der Limousine, das Reisen dürfte trotzdem angenehm sein.
Bild: autoleitner.nl
Das Interieur ist schlicht atemberaubend. In Abstimmung mit der Zweifarblackierung ist hier alles in Weiß, Beige, Braun und Schwarz gehalten. Dicke Teppiche, Leder und Holz sorgen für Wohlgefühl, das Dach besteht aus dimmbarem Glas. Wie beim Maybach 57 S wartet auch im Coupé der Fond mit allem erdenklichen Luxus auf. Zwei vollelektrische, belüftete und beheizte Einzelsitze mit Massagefunktion nehmen die Fondpassagiere auf. Beide verfügen über eine eigene Klimazone sowie einen Infotainmentscreen mit DVD-, TV- und Musikfunktion. Ein Kühlschrank in der Fondmitte temperiert den Champagner. Neue Vordersitze mit elektrischer Klappfunktion und integrierten Gurten erleichtern den Einstieg ins Heck. Die Kopffreiheit dort dürfte durch die abfallende Dachlinie aber ziemlich eingeschränkt sein.

Knapp eine Million Euro teuer

2012 Maybach 57 S Coupé Xenatec Sonderlack Two-Tone
Mit neuen Schürzen wirkt das Coupé bulliger als die Maybach-Basis. Lackierung im Wüsten-Style.
Bild: autoleitner.nl
Das alles wird al-Gaddafi aber herzlich egal gewesen sein. Denn kurz nach der Bestellung 2010 geriet seine Regierung in Schieflage, und das Auto wurde trotz Bezahlung nie an den Herrscher ausgeliefert. So landete der Cruserio in der Hand eines Sammlers, der ihn nur 2300 Kilometer bewegte. Entsprechend befindet sich das Coupé im Neuwagenzustand. Ohne Mehrwertsteuer soll dieses Exemplar einst 765.000 Euro netto gekostet haben. Heute wird ein Aufschlag von 30.000 Euro fällig. Inklusive Mehrwertsteuer liegt der Kaufpreis bei heftigen 961.950 Euro! Immerhin ist ein frischer Service inklusive. (Unterhaltskosten berechnen? Hier geht's zum Versicherungs-Vergleich)