Mazda MX-5 RF Skyactiv-G, 184 Mini Cooper S: Test
Herz oder Hirn: Mazda MX-5 und Mini Cooper S im Sportvergleich
Zwei kleine Sportler im Vergleich
Bild: Craig Pusey / Thomas Geiger / AUTO BILD
Herrlich, so viel Stammtisch auf einem Haufen. Mazda MX-5 RF gegen Mini Cooper heißt auch: Roadster gegen "Hot Hatch", Saugmotor contra Turboaggregat, analog-klassischer Apparat tritt gegen durchvektorisierte Elektronikmaschine an.
Hinterrad- gegen Frontantrieb, Leichtgewicht steht typischen modernen Pfunden gegenüber. Kurz: Der eine macht's mit Seele, der andere mit Sachverstand. Das "Bessere" ließe sich hier wohl nächtelang ausdiskutieren.
Wirklich günstig sind beide nicht
Da machen wir nicht mit. Wir reden nicht, wir messen. Den objektiven Beleg liefert bei so fundamentalen Differenzen nämlich nur ein Vergleichstest nach AUTO BILD-Wertung. Doch der Vollständigkeit halber: In einem Punkt sind sich Mazda MX-5 RF und der recht neue Mini Cooper S absolut einig. Sie schmusen für ihr Leben gern mit Kurven und liefern schnell konsumierbaren Fahrspaß wie kein anderer in dieser Preisliga.

Keine Schnäppchen: Mit der getesteten Ausstattung kostet der Cooper S 42.740 Euro, der MX-5 ist mit 44.590 Euro sogar noch teurer.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wobei: Beide Testwagen satteln auf ihre Grundpreise (Mazda 40.590 Euro, Mini 31.650 Euro) noch mal deftig drauf. Denn unser MX-5 RF Skyactiv-G fährt als Homura-Linie mit Recaro-Sitzen, Bilstein-Fahrwerk und Brembo-Bremsen vor – das treibt den Kaufpreis auf 44.590 Euro. Im Mini Cooper S dagegen stecken das XL-Paket für 5640 Euro sowie JCW Trim für 4800 Euro – was die Endsumme inklusive 650 Euro für 18 Zoll große Leichtmetallräder auf 42.740 Euro hebt.
Fahrzeugdaten
Modell | Mazda MX-5 RF Skyactiv-G 184 | Mini Cooper S |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder | Vierzylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn längs | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 1998 cm³ | 1998 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 135 (184)/7000 | 150 (204)/5000 |
Nm bei 1/min | 205/4000 | 300/1450 |
Vmax | 220 km/h | 242 km/h |
Getriebe | Sechsgang manuell | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Hinterradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 205/45 R 17 | 215/40 R 18 |
Reifentyp | Bridgestone Potenza S001 | Pirelli Cinturato P7 |
Radgröße | 7 x 17" | 7 x 18" |
Abgas CO2 | 153 g/km | 144 g/km |
Verbrauch* | 6,5 l S/100 km | 6,1 l S/100 km |
Tankinhalt | 45 l | 44 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super |
Partikelfilter | - | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) | 66 dB(A) |
Kofferraumvolumen | 127 l | 275-925 l |
Länge/Breite/Höhe | 3915/1735–1918**/1235 mm | 4036/1744–1970**/1464 mm |
Radstand | 2310 mm | 2567 mm |
Grundpreis | 40.590 Euro | 31.650 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 44.590 Euro | 42.740 Euro |
Bei Mazda gibt es für so viel Geld einen knackigen Roadster mit elektrisch betätigtem Aluminium-Klappdach und 184 PS, bei Mini bekommt man sogar den 204 PS starken Dreitürer in Verbindung mit einer Siebengang-Doppelkupplung sowie mit einer Extraportion Sport-Zierrat.
Mehr Alltagsnutzen steckt im Mini
So weit die Prospekt-Theorie. Die praktischen Unterschiede fahren wir auf dem Handlingkurs des Contidroms bei Hannover heraus. In kleinen Bereichen sogar schon auf dem Weg dorthin, auf der Autobahn. Denn hier haben wir ziemlich schnell festgestellt: Der Mini kann auch reisen.

Mit dem kann man auch reisen: Der Cooper S ist deutlich leiser als sein Konkurrent. Zudem bietet er mehr Platz und Variabilität.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Mehr Platz, mehr Nutzen, mehr Dämmung und eine subjektiv solidere Verarbeitung läppern sich zu einem stressärmeren Paket. Tempo 200 schafft der Dreitürer locker – man kann dabei sogar den Nebenmann noch verstehen, wenn man sich mit ihm unterhält. Wer den Cooper laufen lässt, kratzt dann bald an der 250er-Marke der Tachoskala. Nicht schlecht für einen – am Ende ist er es schließlich – Kleinwagen.
Im MX-5 steckt mehr Präzision
Das geht im ohnehin nur 224 km/h schnellen Mazda nicht. Trotz prinzipiell besserer aerodynamischer (Sportwagen-)Anlagen, der Mazda rauscht und dröhnt und rumort viel lauter als der Cooper, rollt trotz weicherem Reifenquerschnitt rauer ab, mag das Marschtempo 130 viel lieber.

Puristischer: Im MX-5 steckt weniger Regelelektronik, er ist leichter, läuft besser geradeaus und lässt sich feiner korrigieren.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dagegen steht: Der MX-5 fährt sauberer geradeaus als der Mini, lässt sich feiner in der gewünschten Richtung korrigieren, federt kurze Stöße besser ab.
Messwerte
Modell | Mazda MX-5 RF Skyactiv-G 184 | Mini Cooper S |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,3 s | 2,7 s |
0–100 km/h | 6,4 s | 6,4 s |
0–130 km/h | 10,1 s | 10,0 s |
0–160 km/h | 15,8 s | 14,9 s |
0–200 km/h | 30,8 s | 26,5 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 3,4 s | 3,1 s |
80–120 km/h | 4,4 s | 4,0 s |
Leergewicht/Zuladung | 1135/170 kg | 1360/375 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 52/48 % | 63/37 % |
Wendekreis links/rechts | 10,1/10,2 m | 11,0/11,0 m |
Sitzhöhe | 430 mm | 500 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 36,7 m | 35,0 m |
aus 100 km/h warm | 38,0 m | 36,5 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 65 dB(A) | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 74 dB(A) | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 76 dB(A) | 70 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 5,5 l S/100 km | 5,1 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,9 l S/100 km (+6 %) | 6,6 l S/100 km (+3 %) |
Sportverbrauch | 9,0 l S/100 km | 9,0 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 164 g/km | 156 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 650 km | 660 km |
Fassen wir die Qualitäten der beiden abseits einer Rundstrecke also so zusammen: Abgesehen von der Möglichkeit, einen zweisitzigen MX-5 RF auf Knopfdruck (fast) in einen Roadster verwandeln zu können und dass bei einem Mini mit vier Sitzen der Kofferraum erweiterbar ist – beide Typen kommen adäquat durch den Berufsverkehr und ermöglichen passable Urlaubsreisen.
Mini-Motor zerrt heftig an den Vorderrädern
Wer es lieber wild und von einer Stoppuhr getrieben mag, sollte aber bitte direkt hier weiterlesen: Den Cooper S "trägt" der Motor. Den Zweiliter pumpt Mini per schlichtem Abgaslader über getrennte Kanäle auf und hat ordentlich Erfolg damit. Der Vierzylinder kann entspannt bummeln, liebt die Mitte, ohne zu aufbrausend die Ladedruckwelle zu kreuzen, verträgt auch mal Drehzahlen bis an die 6000er-Marke, läuft dabei stets kultiviert. Grantigen Klang gibt's leider woanders. In Verbindung mit der Automatik und im sportlicheren Fahrmodus heißt das aber: Der geht immer mächtig vorwärts, drückt unauffällig, doch sehr effektiv.

Frontkratzer: Der zwei Liter große Turbo-Vierzylinder im Mini-Bug schickt 204 PS und 300 Nm an die Vorderräder.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Allerdings zerren die pfundigen 300 Newtonmeter Drehmoment ausschließlich an den Vorderrädern. Das hat eine unruhige Linie beim Sprintstart und häufiger scharrende Vorderräder zur Folge. Zwar haben Fahrdynamikregelung (Schlupfkontrolle) und elektronisch simulierte Quersperre dieses Traktionssorgenkind erstaunlich gut im Griff. Doch auf der Strecke fühlt sich der Vorwärtsdrang in Kehren und am Ausgang enger Kurven im entscheidenden Moment gehemmt an.
Außerdem zeigt sich der Cooper S als fader Untersteuerer. Zu viel Lenkeinschlag, zu viel Tempo im Eingang, zu viel Gas in der Mitte – egal was der Fahrer "falsch" anstellt, der kopflastige Cooper schiebt über die Vorderräder nach außen, beschwert sich per quietschendem Gewimmer und walkt sich dabei die Beschriftung vom Reifen. Das ist zwar unspektakulär-ungefährlich, und die Grenze bis dahin lässt sich sauber abtasten, verdirbt jedoch den großen Fahrspaß auf der "letzten Rille". Auch fühlt sich das Auto trotz kleiner Maße wie eine Wagenklasse höher an, leichte Neigung und Karosseriebewegungen belegen die fast 1400 Kilogramm Leergewicht. Immerhin: Trotz der vermeintlich rutschigen Reifen ankert der Mini sehr ordentlich und vor allem dank größerer Scheiben vorn sehr stabil.
Die besseren Bremsen hat der Mini
Das schafft der Mazda nicht. Die Brembo-Anlage lässt nach dem achten (von zehn) Test-Bremsmanövern bereits in ihrer Wirkung nach und beschert dem MX-5 deutlich längere Bremswege (im Schnitt bei warmer Anlage 38 Meter). Einen Anteil daran haben auch die 17-Zoll-Reifen Bridgestone Potenza S001. Ihnen fehlt es in Verbindung mit den geringen Radlasten – der Mazda wiegt nur 1150 Kilogramm – an klebriger Verbindung mit dem Asphalt der Teststrecke.

Schlechterer Stopper: Mit warmen Bremsen steht der MX-5 aus 100 km/h nach 38 Metern – der Mini bereits nach 36,5 Metern.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch hier führt die nachlassende Wirkung der Bremsanlage unter Hitzestress zur Abwertung. Einerseits fehlen wichtige Meter (und somit wichtige Zehntelsekunden), um schneller um den Kurs zu eilen. Andererseits geht das weicher werdende Pedalgefühl aufs Konto Vertrauen – der Fahrspaß vor der Kehre geht entsprechend ebenfalls in die Knie.
Antrieb sorgt im Mazda für Vergnügen
Trost: Ansonsten ist der Mazda ein einziges großes Handlingvergnügen mit Erlebnis- und Grinsegarantie. Das geht auf das Konto "Längsmotor vorn mit Hinterradantrieb". Trotz unerwartet deutlicher Seitenneigung und fühlbarem Einknicken beim Einlenken geht der Mazda herrlich leichtfüßig um den Kurs. Der MX-5 wirkt dank immerhin mehrerer Handbreit weniger Radstand als der Mini ungleich handlicher, williger, zackiger. Die Lenkung arbeitet dabei sehr genau, teilt gut mit und stellt exakt passend zurück – so ist es ein selten spaßiges Gefühl, den Wagen millimetergenau an den Curbs entlangzuscheuchen.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Für die absolut schnellsten Runden gibt es aber nur ein Rezept: fehlerfrei fahren. Denn: Jede Korrektur, jedes Lupfen in Biegungen, jeden Tritt früh aufs Gas und jedes eckige Einlenkmanöver quittiert der Mazda mit den Ansätzen eines ausscherenden Hinterteils. Das Heck schwenkt – nach jeder Unzulänglichkeit am Lenkrad. Sanft zwar, stets parierbar und einfach korrigierfähig, somit ungefährlich – doch das Heck kommt! Für geübte Fahrer heißt das: Mordsspaß! Für weniger geübte: auch noch großer Spaß, gebremst durch temporaubende ESC-Eingriffe.
Den zweiten großen Spaß liefert die Maschine. Der frei atmende Motor klingt authentisch-zornig, lässt sich weit über die 7000 Touren hinaus auswringen, reagiert enorm spontan auf Gaspedalbewegungen, liefert lineare Kraft, wirkt über das kantige Lastwechselgefühl bei hohen Drehzahlen angenehm mechanisch mit dem Auto verbunden. Kurz: Der 2.0 ist ein aktiver Sportbrenner alter Schule mit Kennercharakter. Dazu passt das zwar derbe, doch zielgenau schaltbare Sechsganggetriebe mit leichtgängig bedienbarer Kupplung.
Sportwertung
Modell | Mazda MX-5 RF Skyactiv-G 184 | Mini Cooper S |
|---|---|---|
Karosserie (max. 15 Punkte) | 8 | 4 |
Qualität (max. 10 Punkte) | 7 | 5 |
Sitze/Sitzposition (max. 25 Punkte) | 17 | 18 |
Ausstattung (max. 10 Punkte) | 4 | 5 |
Motoreigenschaften (max. 20 Punkte) | 14 | 14 |
Fahrleistungen (max. 50 Punkte) | 24 | 24 |
Getriebe/Schaltung (max. 20 Punkte) | 14 | 15 |
Sound (max. 10 Punkte) | 5 | 7 |
Fahrkomfort (max. 10 Punkte) | 6 | 6 |
Fahrsicherheit (max. 20 Punkte) | 17 | 15 |
Handling (max. 30 Punkte) | 20 | 21 |
Rundenzeiten (max. 50 Punkte) | 17 | 15 |
Lenkung (max. 20 Punkte) | 13 | 15 |
Bremsen (max. 30 Punkte) | 10 | 4 |
Unterhalt (max. 10 Punkte) | 8 | 10 |
Verbrauch (max. 20 Punkte) | 19 | 19 |
Preis (max. 50 Punkte) | 44 | 43 |
Gesamtwertung (max. 400 Punkte) | 247 | 240 |
Doch auch unter sauberer Führung kommt der lebendige Mazda nicht am zuverlässig schnellen Mini vorbei. Der Cooper umrundet das Contidrom fast eine Sekunde schneller. Heißt in der Folge: Aus sportlicher Sicht gewinnt der Mini Cooper S dieses ungleiche Duell. Da gibt’s nichts zu diskutieren.
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