Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer wird versteigert
Knackt dieser AMG Hammer die Million-Euro-Marke?

In den USA wird ein seltener AMG "Hammer" versteigert. Was es mit dem Spitznamen "Galdi Coupé" auf sich hat und ob der AMG die Millionen-Marke knackt!
Bild: Keenan Eugenio ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Einst fast doppelt so teuer wie ein Ferrari Testarossa, heute noch wertvoller: Dieser auf den ersten Blick beinahe unscheinbare Mercedes C 124 ist ein Stück AMG-Geschichte und könnte einen Rekordpreis erzielen!
Der Hype um frühe AMG-Modelle reißt nicht ab. Insbesondere Kunden aus den USA zahlen regelmäßig schwindelerregende Summen für 80er-/90er-Jahre-AMG – sofern es sich um besonders seltene Modelle oder Autos mit einer besonderen Historie handelt. Dieser vom Auktionshaus RM Sotheby's angebotene Mercedes 300 CE 6.0 AMG erfüllt beide Anforderungen. Perfekte Vorzeichen also für ein hohes Auktionsergebnis.
Die Anfänge von AMG in den USA
Aber was genau macht diesen schwarzen 124er so begehrenswert? Zuallererst handelt es sich um eines von mutmaßlich zwölf oder 13 jemals gebauten Hammer Coupés und somit einen der gesuchtesten AMG überhaupt. Hinzu kommt, dass Chassis 624567 eine besondere Geschichte zu erzählen hat: 1981 tat sich AMG-Gründer Hans Werner Aufrecht mit Richard Buxbaum aus dem Bundesstaat Illinois zusammen und legte den Grundstein für AMG North America. In den Anfangsjahren waren die von Hand (um-)gebauten AMG vor allem bei Promis beliebt, und Buxbaum, dessen Shop in Westmont ansässig war, machte sich aufgrund seiner qualitativ hochwertigen Arbeit schnell einen Namen in der Szene.

Von den vier in Westwood gebauten Hammer Coupé soll das "Galdi Coupé" das einzige sein, dessen ikonischer Ducktail nicht aufgesetzt, sondern aus Metall in die Heckklappe eingearbeitet wurde.
Bild: Keenan Eugenio ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Fortan waren die von ihm umgebauten AMG als "Westmont cars" bekannt und begehrt. Und mit der Zeit wurde das Interesse an den getunten Mercedes immer größer. Spätestens als 1986 der Mercedes 300 E 5.6 AMG auf Basis des W 124 präsentiert wurde, explodierte die Nachfrage in Übersee förmlich.
Eine optisch fast schon zurückhaltende Limousine, die es problemlos mit Ferrari Testarossa, Lamborghini Countach und Porsche 930 Turbo aufnehmen konnte, hatte es bis dato noch nicht gegeben. Dass der von seinen Fans liebevoll "Hammer" getaufte AMG dabei auch noch vier Personen Platz bot und vollkommen alltagstauglich war, machte ihn zu dieser Zeit geradezu unsterblich.
6,0-Liter-V8 mit 385 PS
Nur ein Jahr nach der Limousine bot AMG die Hammer-Transformation auch für das T-Modell (S 124) und das Coupé (C 124) an und setzte nur kurze Zeit später noch einen drauf, indem der 5,6-Liter-V8 auf sagenhafte 6,0-Liter aufgebohrt wurde. So leistete der M 117 mit 32 Ventilen 385 PS und 565 Nm maximales Drehmoment, womit er auf Augenhöhe mit den stärksten Sportwagen aus Bella Italia lag.
Laut Auktionsbeschreibung wurden zwischen 1987 und 1991 in Westmont nur vier Hammer Coupés gebaut. Eines davon ist dieses Exemplar: bestellt von Joseph C. Galdi II, Unternehmer und Gentleman-Rennfahrer aus Tucson – nachdem er einen Test im US-Magazin "Car and Driver" gelesen hatte. Ursprünglich wollte Galdi wohl einen 300 CE 5.6 bestellen, ließ sich dann jedoch davon überzeugen, dass der bis zu 289 km/h schnelle 6.0 Hammer die bessere Wahl sei.

Das Herzstück: AMG bohrte den V8 auf 5967 cm³ auf. Der Hammer war eines der schnellsten straßenzugelassenen Autos seiner Zeit.
Bild: Keenan Eugenio ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Auf Basis eines Mercedes 300 CE entstand im Laufe des Jahres 1988 das hier gezeigte Coupé. Unter AMG-Liebhabern sind die in Westmont gebauten Autos aufgrund der hohen Qualität besonders gefragt. Während der Transformation blieb am ursprünglich 47.250 US-Dollar teuren Mercedes 300 CE kaum eine Schraube unangetastet. Das Herzstück des Umbaus bildet der M 117, der das Coupé auf knapp 290 km/h beschleunigen soll.
Optisch bleibt das "Galdi Coupé" dabei vergleichsweise zurückhaltend. Zwar verfügt es über das volle AMG-Ornat – inklusive des charakteristischen Ducktails und der AMG-Aero-I-Felgen in 17-Zoll –, das Widebodykit wurde allerdings nicht verbaut. Und verglichen mit den Italo-Keilen Testarossa oder Countach sieht das Coupé sogar als AMG immer noch aus wie ein Rentner-Benz.
Fast doppelt so teuer wie ein Testarossa
Verrückt: Das Komplettfahrzeug war mit 192.000 US-Dollar seinerzeit fast doppelt so teuer war wie die italienischen Konkurrenten. Laut RM Sotheby's reden wir über einen inflationsbereinigten Neupreis von knapp 470.000 Euro (536.000 US-Dollar).

Nicht mal 36.000 Meilen (ca. 57.936 Kilometer) in 38 Jahren: Dieser AMG wurde nicht viel gefahren.
Bild: Keenan Eugenio ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Nach sieben Jahren und dem einen oder anderen Geschwindigkeitsverstoß trennte sich Galdi im Oktober 1995 von seinem Hammer und verkaufte ihn an den Mercedes-Sammler Aaron Ruskin, der bereits einen Hammer Kombi und eine Hammer Limousine besaß.
Ruskin behielt den schnellen Benz bis Januar 2010, ehe auch er ihn weitergab. Über Umwege gelangte das "Galdi Coupé" in den Besitz des AMG-Spezialisten Jonathan Hodgman, der in den vergangenen zehn Jahren keine Kosten und Mühen scheute, um den seltenen AMG in Topzustand zu versetzen. Seit 2016 soll er umgerechnet rund 140.000 Euro (160.000 US-Dollar) in Wartung und Restaurierung investiert haben.

Das Interieur sieht aus wie neu, was daran liegt, dass der letzte Besitzer keine Kosten und Mühen scheute, um den Hammer in einen absoluten Topzustand zu versetzen.
Bild: Keenan Eugenio ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Kleine Anekdote: Im Rahmen eines AMG-Treffens trafen Buxbaum und das "Galdi Coupé" im Juni 2025 nach mehreren Jahrzehnten wieder aufeinander. Buxbaum über sein umgebautes Coupé: "Es ist immer noch unglaublich, es klingt großartig, und es will stets immer schneller fahren (...)."
Wie teuer wird das "Galdi Coupé"?
Mit umgerechnet nur knapp 58.000 Kilometern (weniger als 36.000 Meilen) auf dem Tacho und einer Historie, die vollumfänglich bekannt und belegbar ist, liegt der Schätzpreis bei umgerechnet 650.000 bis 785.000 Euro (750.000 bis 900.000 US-Dollar). Extrem viel Geld, allerdings wurde im August 2022 ein anderes 300 CE 6.0 Hammer Coupé für 749.649 Euro versteigert – und das war in einem schlechteren Zustand.
Wer weiß, vielleicht knackt dieses Stück AMG-Geschichte am Ende sogar die Millionen-Dollar-Marke.
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