Mercedes 500 SEL Koenig Specials (1982): Gebrauchtwagen
Ist dieser 500 SEL von Koenig Specials ein Schnäppchen?

Bild: Autoscout24
Koenig Specials polarisiert – das war in den 1980er-Jahren so und
hat sich auch 45 Jahre später nicht geändert. Extreme Breitbauten, riesige Spoiler und spektakuläre Biturbo-Umbauten waren das Markenzeichen des Münchner Tuning-Papstes Willy König. Einst von einem bestimmten Kundenkreis verehrt, wurden die getunten Mercedes, Jaguar und Ferrari in zweiter und dritter Hand oft runtergerockt und von Sammlern verschmäht.
hat sich auch 45 Jahre später nicht geändert. Extreme Breitbauten, riesige Spoiler und spektakuläre Biturbo-Umbauten waren das Markenzeichen des Münchner Tuning-Papstes Willy König. Einst von einem bestimmten Kundenkreis verehrt, wurden die getunten Mercedes, Jaguar und Ferrari in zweiter und dritter Hand oft runtergerockt und von Sammlern verschmäht.
In den vergangenen Jahren hat sich jedoch ein regelrechter Hype um Koenig Specials entwickelt. Mittlerweile gehen die XXL-Breitbauten als Tuning-Kulturgut durch und erzielen teils absurde Preise!
Prinzipiell gilt, dass es praktisch keine originalen Koenig-Specials-Umbauten mehr unter 100.000 Euro gibt – völlig egal ob Mercedes SEC, SL, Jaguar XJS oder auch Ferrari 512 bb. Das Problem: Heutzutage existieren nur noch sehr wenige Originale. Viele Autos verendeten in den vergangenen Jahrzeh
nten beim Kiesplatzhändler oder wurden teilweise sogar zurückgebaut. Wer im Jahr 2025 einen Koenig Specials sein Eigen nennen möchte, braucht also nicht nur das entsprechende Ego, sondern auch genügend Kohle!
nten beim Kiesplatzhändler oder wurden teilweise sogar zurückgebaut. Wer im Jahr 2025 einen Koenig Specials sein Eigen nennen möchte, braucht also nicht nur das entsprechende Ego, sondern auch genügend Kohle!
Doch es scheint noch Ausnahmen zu geben, wie dieser von privat inserierte Mercedes 500 SEL mit Koenig-Specials-Komplettpaket zeigt. Zwar sind die aufgerufenen 74.999 Euro alles andere als ein Pappenstiel, aber verglichen mit den wenigen anderen Autos, die aktuell im Angebot sind, ist der W 126 eine ganze Ecke günstiger.
Erst 2024 beispielsweise hatte der niederländische Luxusautohändler "Auto Leitner" einen Mercedes 560 SEC von Koenig Specials für 175.000 Euro im Angebot. Und bereits 2019 wurde ein 560 SEC Cabrio, das die Willy-König-Spezialbehandlung erhielt, für 129.000 Euro verkauft.
Die Geschichte von Koenig Specials
Bevor wir uns jetzt dem 500 SEL widmen, müssen wir aber einen Blick auf Koenig Specials und den König der Breitbauten werfen. Gegründet wurde Koenig Specials 1977 von Willy König. Genau genommen begann König jedoch schon 1974 mit dem Tuning. Der einfache Grund: Sein nagelneuer Ferrari 365 GT4 BB (das erste nach Deutschland ausgelieferte Exemplar) hatte ihm zu wenig Power.
Kurzerhand verbaute König eine Sportabgasanlage, doch als auch die nicht den gewünschten Leistungszuwachs brachte, entschied er sich fürs klassische Motortuning. Schmiedekolben, überarbeitete Zylinderköpfe und neue Vergaser brachten die Leistung auf 450 PS. Und als König schon mal dabei war, entwickelte er auch gleich noch Kotflügelverbreiterungen, einen Heckspoiler und mehr.

Nichts für Fans von Originalität: So einen Koenig-Specials-Komplettumbau muss man mögen, über die Jahre haben sich die Autos allerdings zu echten Sammlerstücken entwickelt.
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Der Grundstein für Koenig Specials war gelegt. In den folgenden zwei Jahrzehnten avancierte das Unternehmen zu einem der berühmtesten Tuner der 80er- und 90er-Jahre. Völlig egal ob BMW, Mercedes, Jaguar oder eben Ferrari – kaum ein hochpreisiges Auto war vor Koenig Specials und den wilden Widebody-Kits sicher.
Der hier gezeigte 500 SEL stammt aus dem Baujahr 1982 und befindet sich mittlerweile in dritter Hand. Laut Verkäufer war der Erstbesitzer passenderweise eine lokale Kiezgröße. Dieser Klaus B. aus St. Pauli bestellte seinen 500 SEL mit werksseitigem AMG-Umbau, eher er anschließend bei Koenig Specials in München weiter veredelt wurde.
Dabei wurden weder Kosten noch Mühen gespart, denn der W 126 erhielt das Komplettprogramm: Der Benz wurde mit dem charakteristischen Breitbau-Bodykit aus Fiberglas mitsamt der Fake-Luftschlitze im Ferrari-Testarossa-Stil auf den hinteren Türen, ausladendem Seitenschweller und der auffälligen Spoilerkante auf dem Heckdeckel modifiziert.
TV mit Videorekorder im Cockpit – und das anno 1982
Damit die XXL-Radhäuser auch entsprechend gefüllt sind, wurden dreiteilige BBS-Kreuzspeichenfelgen in 10x15 Zoll an der Vorder- und 13x15 Zoll an der Hinterachse verbaut. Allein diese Rad-/Reifenkombination ist heute bereits ein kleines Vermögen wert.
Doch das ist noch längst nicht alles, denn damit der Innenraum dem auffälligen Äußeren in nichts nachsteht, wurde auch hier Kahlschlag betrieben. Die gesamte Innenausstattung wurde in dunkelblauem Leder mit passenden hellblauen Kedern ausgestattet. Hinzu kommen elektrisch einstellbare Einzelsitze im Fond, speziell angefertigte Gardinen für Privatsphäre, neue Instrumente und sogar ein kleiner Fernseher mitsamt Videorekorder im Handschuhfach – und das anno 1982.

Blaues Leder, so weit das Auge reicht, dazu eine Extraladung Holz und sogar ein Fernseher – mehr ging nicht im Jahr 1982.
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Beim Antrieb wird es hingegen etwas undurchsichtig, denn im Inseratstext wird erwähnt, dass auch der V8 von AMG modifiziert wurde. Die angegebenen Daten scheinen jedoch nicht zu passen: So wird der Hubraum mit 4939 ccm
beziffert – handelte es sich allerdings um einen gewöhnlichen 500 SEL, so müsste der Hubraum 4973 ccm betragen. Die dazu angegebene Leistung passt auch nicht. Serienmäßig 231 PS leistet der V8 ab Ende 1981, im Inserat ist aber von 252 PS die Rede. Ob es sich hierbei lediglich um einen Tippfehler handelt oder ob mehr dahintersteckt, sollten Interessenten am besten bei einer ausgiebigen Besichtigung vor Ort erfragen.
beziffert – handelte es sich allerdings um einen gewöhnlichen 500 SEL, so müsste der Hubraum 4973 ccm betragen. Die dazu angegebene Leistung passt auch nicht. Serienmäßig 231 PS leistet der V8 ab Ende 1981, im Inserat ist aber von 252 PS die Rede. Ob es sich hierbei lediglich um einen Tippfehler handelt oder ob mehr dahintersteckt, sollten Interessenten am besten bei einer ausgiebigen Besichtigung vor Ort erfragen.
Denn auch wenn das Inserat die Historie des Autos sehr ausführlich beschreibt, muss ein solch seltenes Sammlerstück vor dem Kauf ganz genau unter die Lupe genommen werden. Laut Verkäufer lag der einstige Neupreis für den W 126 im Jahr 1982 bereits bei 120.000 Mark. Der Umbau bei Koenig Specials verschlang weitere 80.000 Mark, sodass wir hier über ein Auto reden, das einst 200.000 Mark gekostet hat.
74.999 Euro soll der 560 SEL kosten
Mittlerweile ist die einstige Luxuslimo 43 Jahre alt, hat 184.500 Kilometer auf dem Buckel und ist seit 15 Jahren abgemeldet. Um Standschäden zu vermeiden, wurde der Benz jedoch regelmäßig mit roter Nummer bewegt, außerdem bekam er im Jahr 2021 eine Vollrestaurierung.
Ein Wertgutachten aus dem Jahr 2017, also noch vor der Restauration, attestiert dem seltenen 500 SEL einen Wiederbeschaffungswert von 100.000 Euro, zudem sollen laut Aussage des Verkäufers von den ehemals 30 gebauten W 126 mit Koenig Specials-Umbau heute nur noch sieben Exemplare existieren. Angesichts der Seltenheit und des Wertgutachtens erscheint der aufgerufene Preis von 74.999 Euro verdächtig günstig.
Fazit
Wer mit einem Koenig Specials-Benz rumfährt, braucht ein entsprechendes Ego. Ich bin froh, dass zumindest ein paar Autos überlebt haben und mittlerweile als Tuning-Kulturgut angesehen werden. Dieses spezielle Exemplar scheint auf den ersten Blick fast zu gut (und günstig), was mich skeptisch werden lässt.
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