Der Abgasskandal 2015 hätte den Diesel fast gekillt. Unter den Nachwirkungen leidet er noch heute, dabei ist er aktuell so gut wie nie zuvor. Kraftvoll, sparsam und auch sauber – der Diesel muss sich wahrlich nicht verstecken.

Zwei kompakte Power-Diesel

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Testsieger
VW Golf GTD
UVP 43.815,00 EUR
2.
Mercedes A 220 d
UVP 43.161,00 EUR
Schon gar nicht, wenn er wie hier in kompakten Diesel-Dynamikern an den Start rollt. Der gerade geliftete Mercedes A 220 d mit 190 PS fordert den 200 PS starken VW Golf GTD heraus. Kann der schwungvolle Schwabe dem potenten Platzhirsch aus Niedersachsen die Endrohre zeigen?
Mercedes A 220d    VW Golf GTD
Starke Diesel in Grau: Die jüngst dezent modellgepflegte A-Klasse tritt als 220 d gegen den bekannt sportlichen Golf GTD an.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD

A-Klasse-Facelift bleibt dezent

Sie fragen sich, wo denn das Facelift bei der A-Klasse steckt? Verstehen wir gut, denn viel zu sehen gibt es da nicht. Statt des bekannten Diamant-Grills erstrahlen im Kühlergrill neuerdings viele kleine Mercedes-Sternchen, Star Pattern genannt. Auf der Motorhaube sollen sogenannte Powerdomes von der darunter lauernden Kraft künden. Und die Leuchtgrafik der optionalen LED-Scheinwerfer wurde ebenso überarbeitet wie das Layout der Rücklichter. Das war's.

AMG-Sportsitze zwicken große Fahrer

Unberührt bleiben so zum einen die flache Nase, die bei steilen Parkhausrampen oder Speed-Bumpern immer noch gern mal aufsetzt. Zum anderen ändert sich beim Raumkonzept nichts. Vorn sitzen wir in beiden Kompakten wunderbar, hinten reisen größere Gäste nicht mehr ganz so entspannt.
Mercedes A 220d
Verzichtbares Extra: Die festen Kopfstützen der AMG-Sportsitze drücken großen Fahrern zwischen den Schulterblättern.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD

Dabei erstaunt, dass Mercedes aus zehn Zentimeter mehr Außenlänge und Radstand nicht mehr herausholt. Und dann steckte in unserem Testwagen auch eine Sportsitzanlage von AMG (im Paket AMG Line Premium für 8848 Euro), auf die wir gern verzichtet hätten. Zwar lässt sich die Oberschenkelauflage vorn so verlängern (bietet der Golf nicht), die integrierten Kopfstützen drücken bei groß gewachsenen Piloten aber zwischen den Schulterblättern und zwingen sie in eine leicht gebeugte Haltung.

Im Golf sitzt man bequemer

Da sitzen wir im Golf mit festem Polster und ebenfalls integrierter Kopfstützen tatsächlich entspannter. Und das gilt dann auch im Fond. Auf der wie im Golf mäßig bequemen Bank hocken wir beim Benz gerade mal 30 Zentimeter über dem Wagenboden (Golf: 36 cm) – eher ungemütlich. Und die auch hier integrierten Kopfstützen haben gleich zwei Nachteile: Zum Umlegen der Fondlehne muss der Vordersitz sehr weit vorgerückt werden. Und beim Schulterblick verringern sie den Durchblick für den Fahrer zusätzlich.
VW Golf GTD
Reihe zwei: Das Platzangebot im Golf (Bild) ist ähnlich wie in der zehn Zentimeter längeren A-Klasse, aber man sitzt deutlich höher.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD

Im Golf mit den traditionell breiten C-Säulen sehen wir jedenfalls mehr. Kleines Plus für den Benz: Die hinteren Scheiben lassen sich komplett versenken, im VW bleiben etwa fünf Zentimeter Glas stehen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo 
Vierzylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Zahnriemen 
Hubraum 
1950 cm³ 
1968 cm³ 
kW (PS) bei 1/min 
140 (190)/3800 
147 (200)/3600 
Nm bei 1/min 
400/1600 
400/1750 
Vmax
235 km/h 
245 km/h 
Getriebe 
Achtgang-Doppelkupplung 
Siebengang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
225/45 R 18 W 
235/35 R 19 Y 
Reifentyp 
Michelin Pilot Sport 4 
Bridgestone Potenza S005 
Radgröße 
7,5 x 18" 
8 x 19" 
Abgas CO2
140 g/km 
138 g/km 
Verbrauch* 
5,3 l 
5,3 l 
Tankinhalt 
51 l 
50 l 
Kraftstoffsorte 
Diesel 
Diesel 
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt 
S/23,8 l 
S/12,0 l 
Vorbeifahrgeräusch 
69 dB(A) 
67 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1600/750 kg 
1600/730 kg 
Stützlast 
80 kg 
80 kg 
Kofferraumvolumen 
345–1185 l 
374–1230 l 
Länge/Breite/Höhe 
4428/1796–1992**/1455 mm 
4287/1789–2073**/1461 mm 
Radstand 
2729 mm 
2626 mm 
Grundpreis
43.161 Euro
43.815 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
53.461 Euro
48.850 Euro

Beim Thema Multimedia geben sich die Kompakten dann kaum eine Blöße. MBUX funktioniert nach wie vor überragend – und auch einen Hauch flüssiger als das mittlerweile wirklich gute System im VW. Und die A-Klasse kann noch mehr: Mit sechs Instrumentenansichten gibt es nicht nur eine mehr als bei VW, das Navi zeigt freie Strecken zudem grün markiert (VW nicht), beim Abbiegen werden Kamerabilder live eingespielt (Augmented Reality, hat VW nicht), Apple CarPlay und Android Auto funktionieren jetzt auch ohne Kabel (wie bei VW).

Mercedes spart das Trackpad weg

Gleichzeitig hat Mercedes aber das Trackpad in der Mittelkonsole weggespart, so eine Bedienoption gestrichen – trotz toller Sprachsteuerung ein Nachteil, zumal der Touchmonitor nicht wirklich in Reichweite liegt. Und dann musste die einst chromfarbene Wippe für den Fahrmodus einem schnöden grauen Plastikschalter weichen. Schade drum. Dazugekommen ist das Lenkrad der neuesten Generation. Sieht schick aus, die kleinen Touch- und Wischelemente auf den schmalen Doppelstegen erleichtern die Bedienung aber nicht unbedingt.

Slider im VW sind nicht optimal

Bevor die Generation Golf jetzt aber jubelt: Auch der Wolfsburger hat so seine Macken, die Einstellung der Lautstärke und der Temperatur über die unbeleuchteten Slider am unteren Monitorrand erfordert durchaus Gewöhnung. Immerhin liegt der Bildschirm selbst dichter am Fahrer als im Benz, wer beim Touchen die Hand aber mal ablegen möchte, verstellt leicht die Klimafunktionen.
Gebrauchtwagensuche: VW Golf GTD
VW Golf 2,0 TDI GTD DSG+Navi+LED+ACC+Alu19´´
38.750
VW Golf 2,0 TDI GTD DSG+Navi+LED+ACC+Alu19´´
9.900 km
147 KW (200 PS)
09/2023
Zum Angebot
Diesel, 5,3 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 140 g/km*
VW Golf GTD +ABT+ 2.0 TDI DSG / Matrix, HarmanKardo
44.599
VW Golf GTD +ABT+ 2.0 TDI DSG / Matrix, HarmanKardo
3.000 km
169 KW (230 PS)
09/2023
Zum Angebot
Diesel, 5,3 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 139 g/km*
VW Golf VIII 2.0 TDI GTD DSG LED Lane Apple CarPlay
35.790
VW Golf VIII 2.0 TDI GTD DSG LED Lane Apple CarPlay
3.000 km
147 KW (200 PS)
08/2023
Zum Angebot
Diesel, 5,2 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 136 g/km*
VW Golf 2.0 TDI DSG GTD AHK DCC Navi
49.980
VW Golf 2.0 TDI DSG GTD AHK DCC Navi
3.000 km
147 KW (200 PS)
08/2023
Zum Angebot
Diesel, 5,2 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 136 g/km*
VW Golf VIII 8 GTD Business+ ALarm MTRX APP ACC
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VW Golf VIII 8 GTD Business+ ALarm MTRX APP ACC
5.000 km
147 KW (200 PS)
07/2023
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Diesel, 5,2 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 136 g/km*
VW Golf VIII Variant Alltrack 4MOTION 2.0 TDI DSG
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VW Golf VIII Variant Alltrack 4MOTION 2.0 TDI DSG
5.000 km
147 KW (200 PS)
06/2023
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Diesel, 5,7 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 151 g/km*
VW Golf 2.0 TDI SCR GTD PANO/NAVI/HARMANKARDON/19''
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VW Golf 2.0 TDI SCR GTD PANO/NAVI/HARMANKARDON/19''
4.000 km
147 KW (200 PS)
06/2023
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Diesel, 5,4 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 141 g/km*
VW Golf VIII GTD 2.0 TDI Pano Matrix Navi HUD H/
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VW Golf VIII GTD 2.0 TDI Pano Matrix Navi HUD H/
9.999 km
147 KW (200 PS)
06/2023
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Diesel, 5,5 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 143 g/km*
VW Golf VIII GTD 2.0 TDI Pano Matrix Navi HUD H/
53.990
VW Golf VIII GTD 2.0 TDI Pano Matrix Navi HUD H/
9.999 km
147 KW (200 PS)
06/2023
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Diesel, 5,5 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 143 g/km*
VW Golf 8 VIII 2.0 GTD AHK IQ Head-up
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VW Golf 8 VIII 2.0 GTD AHK IQ Head-up
5.000 km
147 KW (200 PS)
06/2023
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Diesel, 4,4 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 117 g/km*
Alle VW Golf gebraucht
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Rechtliche Anmerkungen
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.

Schon auf den ersten Metern macht der Golf klar, dass er hier der Sportdirektor ist. Die künstliche Klangkulisse etwas bassiger, das Ansprechen des Zweiliter-Diesels etwas bissiger, die Feder- Dämpfer-Abstimmung einen Hauch bossiger – der GTD weckt ganz bewusst GTI-Gefühle. Bevor wir uns aber missverstehen: Die A-Klasse wirkt keinesfalls schnarchig, zuweilen aber gefühlvoller.

Der Golf verliert den Sprint

Aus den Startblöcken kommt der A 220 d tatsächlich besser, baut beim stehenden Start mehr Traktion auf und passiert die 100-km/h-Marke 0,4 Sekunden vor dem Golf. Danach wendet sich das Blatt, bis Tempo 200 liegt der 10 PS stärkere GTD 1,7 Sekunden vorn und soll mit 245 km/h auch mehr Topspeed schaffen (Mercedes: 235 km/h). Wobei das dann in beiden Fällen ein recht zähes Ringen mit dem Luftwiderstand wird.
Mercedes A 220 d    VW Golf GTD
Sprintduell: Bis Tempo 100 ist der A 220 d 0,4 Sekunden schneller als der GTD. Der wiederum erreicht die 200-km/h-Marke eher.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD

Unauffällig bleiben in beiden Fällen die verbindlichen Lenkungen (im Golf geringfügig präziser) und die Doppelkuppler. Schnell und souverän flippert der Mercedes durch acht Gänge, aufmerksam und flott bespielt der VW seine sieben Gänge.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,8 s 
3,0 s 
0–100 km/h 
7,0 s 
7,4 s 
0–130 km/h 
11,2 s 
11,4 s 
0–160 km/h 
17,3 s 
17,1 s 
0–200 km/h 
33,2 s 
31,5 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,7 s 
3,6 s 
80–120 km/h 
4,7 s 
4,5 s 
Leergewicht/Zuladung 
1556/484 kg 
1437/513 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
62/38 % 
62/38 % 
Wendekreis links/rechts 
11,0/11,0 m 
11,7/11,8 m 
Sitzhöhe 
520 mm 
515 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,5 m 
35,1 m 
aus 100 km/h warm 
33,9 m 
32,8 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A) 
59 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
64 dB(A) 
bei 130 km/h
68 dB(A)
68 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
4,6 l D/100 km 
4,5 l D/100 km 
Testverbrauch 
6,2 l D/100 km 
5,9 l D/100 km 
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) 
(+17 %) 
(+11 %) 
Sportverbrauch 
8,5 l D/100 km 
8,2 l D/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
164 g/km 
157 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
820 km 
845 km 

Minimale Unterschiede zeigen sich dagegen beim Federungskomfort. Sowohl GTD als auch A 220 d treten mit Verstelldämpfern an, bei denen sich die Sporteinstellung als verzichtbar erweist – außer auf Rennstrecken oder topfebenen Serpentinen braucht’s die nicht. Im Komfortmodus spricht der Benz dann etwas feinfühliger auf Querfugen an, muss der VW dem strafferen Grund-Setup und der größeren 19-Zoll-Bereifung (1530 Euro) Tribut zollen.

Der Spaß beginnt bei rund 43.000 Euro

Während A 220 d und Golf GTD im Grundpreis gerade mal 654 Euro trennen (zugunsten des Mercedes!), verlangen die Schwaben mit allen testrelevanten Extras dann doch gut 4500 Euro Zuschlag, rufen zudem jährlich zur Wartung (oder alle 25.000 km) – ganz schön kostspielig, so ein Stern. Auch beim Verbrauch kommt der Benz trotz guter 6,2 Liter teurer, dem Golf reichen 5,9 Liter. Und weil der VW auch in der Eigenschaftswertung schon leicht vorn lag, bleibt GTD der Inbegriff des sparsamen Diesel-Dynamikers.

Fazit

von

AUTO BILD
Beide Power-Diesel glänzen als schnelle, sparsame und durchaus souveräne Kompakt-Limos. Der Golf GTD setzt dabei deutlicher auf einen sportlichen Auftritt, der A 220 d gibt sich dezenter und bleibt dabei auch etwas komfortabler. Mächtig Spaß machen beide – bis man aufs Preisschild schaut.

Von

Berend Sanders