Preise starten vermutlich über 150.000 Euro

Mercedes verstand es mit seiner S-Klasse schon immer, Luxus und Sportlichkeit zu vereinen. Als AMG wurde die Oberklasselimousine zum Sportgerät, dieser Spagat soll jetzt auch beim EQS glücken. Nach dem limitierten SLS AMG Electric Drive kommt dem Mercedes-AMG EQS 53 4matic+ die Rolle als erster, vollelektrischer Großserien-AMG zu. Auch ohne bollernden V8 Sound soll er echtes AMG-Feeling vermitteln. In nackten Zahlen bedeutet das bis zu 761 PS und über 1000 Nm Drehmoment. Doch die Affalterbacher haben den großen Schraubenschlüssel angesetzt und auch den Rest der Technik ordentlich umgekrempelt. 2022 dürfte es zu Preisen ab gut 150.000 Euro losgehen. AUTO BILD hat schon einmal Platz genommen und verrät, was den EQS 53 zum echten AMG macht. (Alle neuen Elektro-Autos bis 2026.)
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Eckdaten des Mercedes-AMG EQS 53 4matic+

● Erster elektrischer Großserien-AMG
● Bis zu 761 PS

● 3,4 s von 0 auf 100 km/h
● 250 km/h Vmax
● Marktstart 2022
● Preise ab ca. 150.000 Euro

Optisch sehr nah am EQS mit AMG-Line

Beginnen wir bei der Optik, wobei das Thema rasch abgehakt ist. Der 53 übernimmt nämlich praktisch unverändert die Karosserie der AMG-Line vom normalen EQS. Grund: Nur sie schafft den Cw-Fabelwert 0,2, an den auch der 53 annähernd heranreichen soll. Vorne beschränken sich die Änderungen auf serienmäßiges Digital Light und vertikale Streben in der Frontmaske, was an AMGs Panamericana-Grills erinnert. Heck-Seitig gibt es eine größere Spoilerlippe für mehr Anpressdruck und – genau hinschauen – zwei zusätzliche Chrom-Streben seitlich in der Schürze. Zweifelsfrei lässt sich der AMG an den entsprechenden Schriftzügen am Heck erkennen. Auf den vorderen Kotflügeln fällt naturgemäß das "Turbo" der Verbrenner-Versionen weg, "4matic+" muss hier reichen. Optional gibt es ein erweitertes Night-Paket mit schwarzen Akzenten und dunklem Chrom-Zierrat wie beim Foto-Fahrzeug.
Mercedes-AMG EQS 53
Mit dem optionalen Night-Paket wirkt der schwarze EQS 53 noch böser. Änderungen am Heck: Spoiler und Chrom-Leisten.


Hyperscreen mit eigenen Anzeigen serienmäßig

Im Cockpit sind die Änderungen schon etwas tiefgreifender. Neben umfangreichen Leder-Bezügen mit speziellen Ziernähten gibt es viel Microfaser, Carbon-Intarsien, AMG-Logos sowie beleuchtete AMG-Schriftzüge in den Türeinstiegsleisten. Das Sportlenkrad besitzt einen anderen Kranz mit rutschfestem Bezug sowie zwei Bediensatelliten zum Einstellen von Fahrmodi und ESP. Letzteres soll sich laut AMG vollständig deaktivieren lassen. Serienmäßig an Bord ist auch der Hyperscreen, der im 53er zwei zusätzliche Anzeigestile fürs Digitalcockpit besitzt. Darüber hinaus soll der Beifahrer-Bildschirm eine eigene Grafik bekommen, was beim Studio-Fahrzeug allerdings noch nicht verfügbar war.
Mercedes-AMG EQS 53
Im AMG ist der Hyperscreen serienmäßig verbaut. Mikrofaser und Carbon bringen sportliches Flair ins Cockpit.

Bis zu 761 PS mit Dynamic+-Paket

Und nun endlich zum Antrieb. Der EQS 53 setzt auf zwei Elektromotoren mit 174 kW an der Vorder- und 310 kW an der Hinterachse. Beide sollen sowohl soft- als auch hardwareseitig modifiziert worden sein und bringen es zusammen auf 484 kW (rund 660 PS). Mit dem optional erhältlichen Dynamic+-Paket steigt der Output auf 560 kW (761 PS) und über 1000 Nm Drehmoment, was wohl nicht ganz zufällig exakt der Overboost-Leistung des Porsche Taycan Turbo S entspricht. Allerdings werden die Werte auch im AMG nur während des Race-Starts (Launch Control) erreicht. Dann sprintet der Allradler in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Für eine gut 2,6 Tonnen schwere Luxus-Limousine ein mehr als respektabler Wert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Ohne Dynamic+ sind es 220 km/h, was immer noch zehn km/h über dem EQS 580 liegt.
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Eigene Soundwelt

Die Power wird von einer 107,8-kWh-Batterie gespeist. Sie wurde modifiziert und soll die Leistung standfest und länger abrufen können. Außerdem wurde die Kühlung verbessert. Reichweiten-Werte gibt es noch nicht, sie dürfte aber etwas unter den gut 600 Kilometer des EQS 580 liegen. Wer sich übrigens um den Sound sorgen macht, sei beruhigt. AMG hat dem EQS 53 eine sogenannte "Authentic-Soundwelt" antrainiert, die je nach Fahrzustand den Klang verändert. Auch der gesetzlich vorgeschriebene AVAS-Sound klingt anders als beim Basis-EQS. Beim Dynamic+-Paket kommt noch eine eigene "Performance-Soundwelt" hinzu, die das Klangerlebnis noch einmal nachschärft. Wie das klingt, konnten wir noch nicht austesten. Aber ganz ohne Geräusche muss man immerhin nicht auskommen. (So gibt es 900 Euro Wallbox-Zuschuss.)
Mercedes-AMG EQS 53
In Anlehnung an die Panamericana-Grills trägt der EQS AMG vertikale Chromstreifen an der Front.
 

Fahrwerk mit Dämpfern vom AMG GT 4-Türer

Feinschliff haben die AMG-Ingenieure auch am Fahrwerk und dessen Peripherie betrieben. Der 53er setzt auf das Luftfahrwerk samt Dämpfereinheit vom gelifteten AMG GT 4-Türer mit separat verstellbarer Zug- und Druckstufe, wobei die Grundhöhe unverändert blieb. Zudem wurden der Hinterachsträger modifiziert und steifere Stabilisatoren montiert. Die Serienmäßige Hinterachslenkung dreht sich nur noch neun statt zehn Grad ein und ist auf Fahrstabilität statt minimale Kurvenradien getrimmt worden. Breitere Felgen (drei Optionen zwischen 21 und 22 Zoll) mit ebensolchen Reifen sorgen für mehr Haftung. Zu guter Letzt gibt es auf Wunsch eine Keramikbremse mit mächtigen 440er Scheiben an der Vorderachse.
Mercedes-AMG EQS 53
Alle für den EQS 53 erhältlichen Felgen wurden aerodynamisch optimiert und fallen breiter aus als in der Basis.

Auch elektrische 63er könnte es geben

Laut Mercedes soll der AMG EQS 53 explizit nicht für die Rennstrecke ausgelegt sein, sondern auf öffentlichen Straßen ein sportliches Fahrerlebnis bieten. Wohl auch deshalb hat man bewusst auf die Zahl "63" verzichtet und wird sie bei den aktuellen EQ-Modellen auch nicht mehr bringen. Sie dürfte aber später zum Einsatz kommen, denn AMG arbeitet bereits an einer eigenen Elektro-Plattform. Spätestens dann darf man wohl die ersten vollelektrischen AMG 63 erwarten, die den Fokus auf die Rennstrecke legen. Bis dahin wollen wir aber erst einmal den AMG EQS 53 testen. Bis er auf den Markt kommt, dauert es noch bis 2022. Preislich sollte man kein Sonderangebot erwarten. Losgehen könnte es erst deutlich jenseits der 150.000 Euro. (Das bringt die Zukunft bei Mercedes-AMG)

Fazit

Einfach nur mehr Leistung aufspielen, das war AMG beim EQS 53 nicht genug. Gut so, denn der erste Großserien-Elektro-AMG soll zeigen, dass das Affalterbach-Feeling nicht bloß vom dicken V8 lebt. Ob die Prozedur geglückt ist, werden wir erst im harten Test checken können. Die Zutaten klingen aber schon einmal vielversprechend. Wir sagen: Her damit, AMG!