• Bis zu 761 PS und 1000 Nm
• 3,4 s von 0 auf 100 km/h
• Preise starten bei
152.546 Euro

Marktstart und Preis: Bei mehr als 150.000 Euro geht's los 

Mercedes verstand es mit seiner S-Klasse schon immer, Luxus und Sportlichkeit zu vereinen. Als AMG wurde die Oberklasselimousine zum Sportgerät, dieser Spagat soll jetzt auch beim EQS glücken. Nach dem limitierten SLS AMG Electric Drive kommt dem Mercedes-AMG EQS 53 4matic+ die Rolle als erster vollelektrischer Großserien-AMG zu. 
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Auch ohne bollernden V8-Sound soll er echtes AMG-Feeling vermitteln. Denn die Affalterbacher haben den großen Schraubenschlüssel angesetzt und auch den Rest der Technik ordentlich umgekrempelt. Die Elektro-Limousine ist zu Preisen ab 152.546 Euro bestellbar, bei den Händlern steht der EQS 53 2022. (Alle neuen Elektro-Autos bis 2026.)

Antrieb und Leistung: Bis zu 761 PS mit Dynamic+-Paket

Der EQS 53 setzt auf zwei Elektromotoren mit 174 kW an der Vorder- und 310 kW an der Hinterachse. Beide sollen sowohl soft- als auch hardwareseitig modifiziert worden sein und bringen es zusammen auf 484 kW (rund 660 PS). Mit dem optional erhältlichen Dynamic+-Paket steigt der Output auf 560 kW (761 PS) und über 1000 Nm Drehmoment, was wohl nicht ganz zufällig exakt der Overboost-Leistung des Porsche Taycan Turbo S entspricht. Allerdings werden die Werte auch im AMG nur während des Race-Starts (Launch Control) erreicht. Dann sprintet der Allradler in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. 
Mercedes EQS 53
Der EQS 53 lädt mit bis zu 200 kW, soll in 19 Minuten Strom für weitere 300 Kilometer getankt haben.
Für eine gut 2,6 Tonnen schwere Luxus-Limousine ein mehr als respektabler Wert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Ohne Dynamic+ sind es 220 km/h, was immer noch zehn km/h über der des EQS 580 liegt. Die Power wird von einer 107,8-kWh-Batterie gespeist. Sie wurde modifiziert und soll die Leistung standfest und länger abrufen können. Außerdem wurde die Kühlung verbessert. Die Reichweite liegt bei bis zu 586 Kilometern nach WLTP.

Eigene Sound-Welt mit dem Dynamic+-Paket

Wer sich übrigens um den Sound sorgen macht, sei beruhigt. AMG hat dem EQS 53 eine sogenannte "Authentic-Soundwelt" antrainiert, die je nach Fahrzustand den Klang verändert. Auch der gesetzlich vorgeschriebene AVAS-Sound klingt anders als beim Basis-EQS. Beim Dynamic+-Paket kommt noch eine eigene "Performance-Soundwelt" hinzu, die das Klangerlebnis noch einmal nachschärft. Wie das klingt, konnten wir noch nicht testen. Aber ganz ohne Geräusche muss man immerhin nicht auskommen.

Fahren: Trotz 2,6 Tonnen leichtfüßig wie eine E-Klasse

Dass der AMG mit 3,4 Sekunden von 0 auf 100 dem Standard-Allradler EQS 580 (523 PS) knapp eine Sekunde abnimmt, ist das eine. Auch seine bis zu 250 Sachen (statt 210 km/h) sind nett, aber nicht kaufentscheidend; zumal man dafür das AMG-Dynamic-Plus-Paket bestellen muss, sonst ist bei Tempo 220 Schluss. Viel beeindruckender ist, wie sich die Optimierungen am Fahrwerk (serienmäßig mit Luftfederung und Hinterradlenkung) bemerkbar machen. 
Mercedes EQS 53
Der Sound ist natürlich nicht mit dem tiefen Blubbern eines V8 vergleichbar, aber trotzdem ziemlich cool.
So erhaben der "normale" EQS auf der Geraden über jeden Zweifel ist, so schwer fallen seine mehr als zweieinhalb Tonnen in der Kurve ins Gewicht und drängen doch mit Wucht zum Rand. Die AMG-Maßnahmen dagegen wirken wie eine Hungerkur. Als hätte der Stromer mehrere Hundert Kilogramm abgespeckt, geht der 53er behände ums Eck, folgt, auch dank der um bis zu neun Grad mitlenkenden Hinterräder, artig der vorgegebenen Linie und fühlt sich leichtfüßig wie eine E-Klasse an. Chapeau vor dieser Ingenieurs-Leistung!

Auf Wunsch federt der AMG butterweich über den Asphalt

Zumal es sich die Affalterbacher nicht leicht gemacht haben, von wegen einfach den Unterbau versteifen. Zwei zusätzliche, außerhalb des Dämpfers angebrachte Druckbegrenzungsventile sorgen, wie beim AMG GT 4-Türer, dafür, dass die Dämpfungskraft der Luftfeder noch präziser an die jeweilige Fahrsituation angepasst werden kann – und zwar Zug- und Druckstufe unabhängig voneinander. Der oft zitierte Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort gelingt dadurch noch besser, auf Wunsch federt auch das AMG-Modell butterweich über den Asphalt. Das gleiche Ziel verfolgte die Neuabstimmung des Fahrwerksteuergeräts, bei der unter anderem der Abstand zwischen minimaler und maximaler Dämpfkraftlinie vergrößert wurde. 
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Zudem hat AMG den Hinterachsträger sowie die Lagerungen von Fahrschemel und Motor komplett neu entwickelt und Quer-Stabilisatoren, Radträger und Lenker überarbeitet. Vier voreingestellte Fahr-Modi stimmen den EQS auf Glätte, komfortables, sportliches oder richtig dynamisches Fahren (Sport+) ein, zusätzlich lassen sich wie üblich die einzelnen Parameter im Indiviudal-Modus ganz nach eigenem Belieben kombinieren. Passend dazu wird auch der Sound justiert, der zwischen leisem Straßenbahn-Säuseln und futuristischer Warp-Antriebs-Akustik variiert und tatsächlich nicht nur richtig gut zum EQS passt, sondern dem Fahrer auch präzise Rückmeldung ins Ohr schickt: Man hört, wie schnell man fährt.

Design: Optisch sehr nah am EQS mit AMG-Line

Der 53 übernimmt praktisch unverändert die Karosserie der AMG-Line vom normalen EQS. Grund: Nur sie schafft den Cw-Fabelwert 0,2, an den auch der 53 annähernd heranreichen soll. Vorne beschränken sich die Änderungen auf serienmäßiges Digital Light und vertikale Streben in der Frontmaske, was an AMGs Panamericana-Grills erinnert. Heckseitig gibt es eine größere Spoilerlippe für mehr Anpressdruck und – genau hinschauen – zwei zusätzliche Chrom-Streben seitlich in der Schürze. Zweifelsfrei lässt sich der AMG an den entsprechenden Schriftzügen am Heck erkennen. Auf den vorderen Kotflügeln fällt naturgemäß das "Turbo" der Verbrenner-Versionen weg, "4matic+" muss hier reichen. Optional gibt es ein erweitertes Night-Paket mit schwarzen Akzenten und dunklem Chrom-Zierrat wie beim Foto-Fahrzeug.
Mercedes-AMG EQS 53
Mit dem optionalen Night-Paket wirkt der schwarze EQS 53 noch böser. Änderungen am Heck: Spoiler und Chrom-Leisten.


Innenraum: Hyperscreen mit eigenen Anzeigen serienmäßig

Im Cockpit sind die Änderungen schon etwas tiefgreifender. Neben umfangreichen Leder-Bezügen mit speziellen Ziernähten gibt es viel Microfaser, Carbon-Intarsien, AMG-Logos sowie beleuchtete AMG-Schriftzüge in den Türeinstiegsleisten. Das Sportlenkrad besitzt einen anderen Kranz mit rutschfestem Bezug sowie zwei Bediensatelliten zum Einstellen von Fahrmodi und ESP. Letzteres soll sich laut AMG vollständig deaktivieren lassen. Serienmäßig an Bord ist auch der Hyperscreen, der im 53er zwei zusätzliche Anzeigestile fürs Digitalcockpit besitzt. Darüber hinaus soll der Beifahrer-Bildschirm eine eigene Grafik bekommen, was beim Studio-Fahrzeug allerdings noch nicht verfügbar war.
Mercedes-AMG EQS 53
Im AMG ist der Hyperscreen serienmäßig verbaut. Mikrofaser und Carbon bringen sportliches Flair ins Cockpit.

Ausstattung: Mit Dämpfern vom AMG GT 4-Türer

Feinschliff haben die AMG-Ingenieure auch am Fahrwerk und dessen Peripherie betrieben. Der 53er setzt auf das Luftfahrwerk samt Dämpfereinheit vom gelifteten AMG GT 4-Türer mit separat verstellbarer Zug- und Druckstufe, wobei die Grundhöhe unverändert blieb. Zudem wurden der Hinterachsträger modifiziert und steifere Stabilisatoren montiert. Die Serienmäßige Hinterachslenkung dreht sich nur noch neun statt zehn Grad ein und ist auf Fahrstabilität statt minimale Kurvenradien getrimmt worden. Breitere Felgen (drei Optionen zwischen 21 und 22 Zoll) mit ebensolchen Reifen sorgen für mehr Haftung. Zu guter Letzt gibt es auf Wunsch eine Keramikbremse mit mächtigen 440er Scheiben an der Vorderachse.

Auch elektrische 63er könnte es geben

Laut Mercedes soll der AMG EQS 53 explizit nicht für die Rennstrecke ausgelegt sein, sondern auf öffentlichen Straßen ein sportliches Fahrerlebnis bieten. Wohl auch deshalb hat man bewusst auf die Zahl "63" verzichtet und wird sie bei den aktuellen EQ-Modellen auch nicht mehr bringen. Sie dürfte aber später zum Einsatz kommen, denn AMG arbeitet bereits an einer eigenen Elektro-Plattform. Spätestens dann darf man wohl die ersten vollelektrischen AMG 63 erwarten, die den Fokus auf die Rennstrecke legen.
Die Reise zur Fahrveranstaltung des Mercedes-AMG EQS 53 wurde unterstützt von Mercedes. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

Fazit

Einfach nur mehr Leistung aufspielen, das war AMG beim EQS 53 nicht genug. Gut so, denn der erste Großserien-Elektro-AMG soll zeigen, dass das Affalterbach-Feeling nicht bloß vom dicken V8 lebt. Und das funktioniert, wie die erste Fahrt zeigt. Weiter so!

Von

Michael Gebhardt