Mercedes-AMG bringt mit dem AMG GT C Roadster einen indirekten Nachfolger des SLS Roadster. AUTO BILD hat den offenen GT getestet!
Georg Kacher
Bahn frei für den neuen Liebling der Selfie-vor-Auto-Poser, der Lichtschutzfaktor-Ignoranten und der Kurvenausgangs-Drifter: Der neue AMG GT C Roadster ist ein vielseitig talentierter Sportwagen mit Kopfverdreher-Garantie und Achtzylinder-Versuchung. Doch wer ihn besitzen möchte, sollte sich beizeiten mit der Erbtante gut stellen.
Den sogenannten Panamericana-Kühlergrill kennen wir bereits vom 585 PS starken Topmodell AMG GT R.
Bild: Daimler AG
Man könnte den neuen Flachmann mit dem LED-Lidstrich glatt mit dem noch breiteren und böseren SLS Roadster verwechseln, der gebraucht längst teurer ist als ein neuer AMG GT C mit Verwöhnausstattung. Vor allem die Seitenansicht verdeutlicht den genetischen Brückenschlag von alt zu neu: selbstbewusster Vorderwagen, knuffiges Kurzheck, Riesenräder, Bikini-Top, stramm nach hinten gefönte Windschutzscheibe. Ein Druck auf den Startknopf beendet wie ein Schuss in der Nacht die Siesta des Taubenpärchens auf dem Dachfirst. Schon im Leerlauf bollert, wabert und grollt der Basstenor, als hätte ihm Anton Bruckner höchstpersönlich die Partitur auf den Alu-Leib geschrieben.
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Neue Mercedes-AMG (2021)
Nur 28 PS weniger als ein AMG GT R
Im GT C leistet der Vierliter Biturbo-V8 bemerkenswerte 557 PS – 47 PS mehr als im 2016er Coupé, nur 28 PS weniger als im auf Kante genähten GT R. Der nach oben offene Zweisitzer ist wie gemacht für entspannte Sportwagen-Fundis. Man sitzt gut, man sieht gut, man wird rundum beheizt, gekühlt oder bespielt mit Musik. Besonders intensiv klingt das doppelt aufgeladene Performance-Oktett. Die Lautstärke wird per Gasfuß geregelt, die Tonlage wechselt im Hooligan-Modus von brumm zu brüll.
Der GT C Roadster ist kein Sportwagen im klassischen Sinn
Die Kommandozentrale des Roadsters ist praktisch unverändert. Die Schalterbatterie am Dach ist in die Mittelkonsole gewandert.
Bild: Werk
Der Drehmomentbagger fördert schon bei 1900 Touren 680 Nm Schwungmasse zutage. Erst bei 5750 U/min lässt der Punch ganz langsam nach und schafft Raum für die hörenswerte Leistungsspitze, die zwischen 5750 und 6750 U/min ihren Höhepunkt erreicht. Keine Frage – der AMG GT C verdient das große Cruiser-Abzeichen in Gold. Aber ein Sportwagen im klassischen Sinn ist er genauso wenig wie der SLS – Schuld daran haben in erster Linie die Breite von 1,94 Meter plus Spiegel und das Gewicht von 1660 Kilo. Auf der Autobahn liegt der Luftikus wie ein Brett, folgt der Spur wie ein Trüffelhund und geht wie die Seuche. Auf Bundesstraßen zweiter und dritter Ordnung muss sich der Fahrer erst an das Fahrzeug gewöhnen. Nicht weil es dem GT C an Talent fehlt, sondern weil links und rechts wenig Platz ist für beiläufige Unaufmerksamkeiten, weil Gewicht und Masse eine gewisse Eigendynamik entwickeln, und weil man erst lernen muss, maximalen Schub und volle Verzögerung in Relation zu setzen.
Hinterradlenkung ist deutlich spürbar
Der AMG GT C Roadster hat größere Räder und eine stärkere Bremsanlage.
Bild: Werk
Die Straßenlage weckt Assoziationen an weiches Lakritz, die Saugnäpfe einer vierarmigen Krake und ein circa neun Quadratmeter großes Magnetfeld. Die Lenkung reagiert verzugsfrei und ohne nachzufragen, das leichte Untersteuern lässt sich mit dem Gaspedal problemlos neutralisieren, schon in ESP Sport plus neigt das Heck unter Last zu kleinen Fluchten. Die von Sechs-Kolben-Sätteln in die Zange genommenen Carbon-Keramik-Scheiben arbeiten mit der Endlichkeit eines Fallbeils. Die Hinterradlenkung bringt einen erfahrbaren Zugewinn an Wendigkeit, Stabilität und Gelassenheit im Grenzbereich. Weniger toll ist der Federungskomfort. Die Breitreifen in den Formaten 265/35 R19 vorne und 305/30 R20 hinten kickboxen uns mit viel Elan durch den Tag, das Ride Control-Sportfahrwerk arbeitet selbst im Comfort-Modus dicht an der Tolereranzgrenze.
Der GT C Roadster ist eine Fahrmaschine
Während andere Hersteller die Verdeck-Entblätterung bei 50 km/h stoppen, darf der GT C sich bis 60 km/h öffnen und schließen. Besonders intensiv erlebt man den Roadster im Sportprogramm. Selbst bei geschlossenem Dach schickt jetzt jeder Gasstoß eine dumpfe Basssalve durchs Cockpit, wechseln lautes Ansaugschlürfen und prolliges Teillast-Knallen einander ab, vibriert der Dachhimmel im Takt der Antriebsenergie, mutiert der Kokon zum emotionalen Epizentrum der schnellen Fortbewegung. Auch mit zurückgeklappter Kapuze ist der GT C kein verspielter Scheitelzieher, sondern ein lautes und luftiges Fahrgerät, in dem Sitzheizung und Nackenwärmer nur eine Alibi-Funktion einnehmen. Anders als der SL 63 AMG, der Traumwagen reicher Rentner und deren Witwen, ist diese AMG-Kreation im Hauptberuf puristische Fahrmaschine und erst im Nebenjob Beau des Boulevards.
Topspeed: 316 km/h; Preis: 160.650 Euro
Der SLS Roadster gilt als indirekter Vorgänger des offenen AMG GT, ist aber noch breiter und bulliger!
Bild: Toni Bader
Wem der Bräunungsgrad wichtiger ist als die Ankunftszeit, den könnte schon das Basismodell um 129.180 Euro glücklich machen. Der Einstandspreis der deutlich ambitionierteren C-Variante beträgt 160.650 Euro. Deren Ausstattung orientiert sich am GT R und schließt breite Backen über den gelenkten Hinterrädern ebenso ein wie ein elektronisches Sperrdifferenzial, Verstelldämpfer, größere Räder und besagten Klappenauspuff. Das Ausnutzen der Fahrleistungen könnte eine Kernschmelze des Führerscheins zur Folge haben: 0 bis 100 km/h in 3,7 Sekunden, Spitze 316 km/h, noch Fragen? Nur bei der Verbrauchsangabe von 11,4 Liter dürfte ein Rechenfehler vorliegen, denn rund um Affalterbach waren laut Bordcomputer knapp 19 Liter Superbenzin der Auslöser für die erste Erkältung der noch jungen Saison. Was den GT C Roadster optisch vom Coupé unterscheidet und mit dem Topmodell GT R verbindet, zeigt AUTO BILD in der Vorstellung.
Fazit
von Georg Kacher
Zum Preis eines offenen AMG GT C bekommt man zwei AMG C43 Cabrios, ein S500 Cabrio mit AMG-Kit oder sieben Zehntel eines gebrauchten SLS Roadster. Sie brauchen Bedenkzeit? Wir nicht, denn nur der GT C ist zu gleichen Teilen Fahrmaschine mit Zufriedenheitsgarantie und Hingucker mit Sex-Appeal.
Neue Mercedes-AMG (2021)
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AUTO BILD zeigt alle Mercedes-AMG-Neuheiten bis 2021! Mercedes-AMG GT Black Series; Preis: 335.240 Euro; Marktstart: Anfang 2021. Im Mercedes-AMG GT Black Series arbeitet der bislang stärkste AMG-V8-Serienmotor. Der Vierliter leistet 730 PS und 800 Nm. Das reicht für einen Sprint von 0 auf 100 in nur 3,2 Sekunden, 200 km/h liegen nach weniger ...
Bild: Daimler AG
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... als 9,0 Sekunden an. Der GT Black Series ist nicht auf eine bestimmte Stückzahl begrenzt, stattdessen ist der Bauzeitraum für lediglich ein Jahr festgelegt. Wie viele GT Black Series gebaut werden, hängt also von den Bestellungen und den Kapazitäten ab. Der Preis steht dagegen schon fest: 335.240 Euro wird der GT Black Series kosten.
Bild: Daimler AG
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Mercedes-AMG GT 73 e; Preis: über 200.000 Euro; Marktstart: 2021. Mercedes-AMG könnte das 73er-Kürzel zurückbringen! Offenbar arbeiten die Affalterbacher an einer elektrifizierten Version des GT 4-Türer, die ...
Bild: S. Baldauf/SB-Medien
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... auf den Namen GT 73 hören könnte. Voraussichtlich elektrifiziert AMG den im GT 4-Türer bisher maximal 639 PS starken Vierliter-V8-Biturbo, sodass dank eines zusätzlichen Elektromotors auf der Hinterachse 800 PS Gesamtleistung bereitstehen könnten.
Bild: S. Baldauf/SB-Medien
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Mercedes-AMG One; Preis: 2,7 Millionen Euro; Marktstart: 2021. Nur 275 Stück AMG One werden gebaut. Der 1,6-Liter-Turbo aus dem Formel-1-Weltmeisterauto von 2016 soll im One 759 PS bei 11.000 U/min leisten. Unterstützt wird der Turbo-Sechszylinder von ...
Bild: Daimler AG
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... vier Elektromotoren mit insgesamt 413 PS. Unterm Strich sollen 1035 PS Systemleistung zur Verfügung stehen. Das Gewicht könnte unter 1300 Kilogramm betragen, die Fahrleistungen dürften auf Augenhöhe mit Koenigsegg und Co liegen.
Bild: Daimler AG
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Mercedes-AMG S 63 4Matic+; Marktstart: zweite Jahreshälfte 2021. Erst kürzlich hat Mercedes seine neue S-Klasse präsentiert, die AMG-Version wird wohl als V8-Hybrid an den Start gehen. Die 612 Verbrenner-PS werden wohl bleiben, dazu kommt Gerüchten zufolge ein bis zu 150 kW (204 PS) starker Elektromotor.
Bild: Bernhard Reichel
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Mercedes-AMG SL 63; Marktstart: Ende 2021. Der neue SL wird sich die technische Plattform mit kommenden AMG GT teilen. Auch im Luxus-Roadster kommt der Vierliter-V8-Biturbo zum Einsatz. Vermutlich stehen verschiedene Leistungsstufen bereit. Neu ist die Verdeck-Konstruktion: Um den luxuriösen Charakter des SL zu unterstreichen, gibt es für den Roadster künftig wieder ein edles Stoffdach.