Andere in diesem Alter bekommen den Gnadenschuss. Oder, wahrscheinlicher, sie werden in den Nahen Osten entführt, nach Beirut zum Beispiel, wo sie als Taxi schuften müssen. Bis sie irgendwann zusammenbrechen – klassisches Mercedes-Schicksal. So gesehen hat es unsere C-Klasse ja wirklich gut: Wir schätzen sie, und wir kümmern uns um sie, schließlich gehört sie nach fast zehn Jahren zu den Urgesteinen im AUTO BILD-Team. Und dafür revanchiert sie sich: Sie fährt und fährt. Erst mit "WL" im Kennzeichen, jetzt als echte Hamburgerin. Inzwischen sind es 400.000 Kilometer. Dabei lehrt sie uns unentwegt, wie wenig es braucht, um glücklich zu sein – da assistiert keiner, da gibt es kein Multimediagedöns, da sitzt du auf stoffbezogenen Basissitzen und fährst auf 16-Zoll-Rädern aus Stahl. Und? Schmälert der Verzicht das Fahrvergnügen? Nicht die Bohne, schwören fast alle Benz-Benutzer.
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Die Liste der Mängel und Reparaturen ist sehr übersichtlich

Mercedes C-Klasse C 180 Kompressor Classic
Schon die 300.000-Kilometer-Marke erreichte der Benz ohne größere Probleme. Der Weg zur 400.000 war fast schon langweilig.
Bild: Roland Sassen
Dabei muss man wissen, dass es sich um ein extrem rares Exemplar des Typs W 204 handelt: ein C 180 Kompressor, aber ohne Extras. Einzige Ausnahme ist das kleine Navi Audio 50 APS. Und das hätten wir uns schenken können. Eine Ameise mit Tinte an den Füßen ist zielführender. Was geschah seit dem Etappenziel bei Kilometer 300.000, das die C-Klasse (abgesehen vom kostspieligen Tausch des Katalysators) ohne besondere Vorkommnisse erreichte? Nicht viel, zumindest nichts Gravierendes. Die Liste der Mängel und Reparaturen ist so aufregend wie das Mittagsprogramm im TV. Höhepunkte, auch bei den Kosten, waren die dringend notwendige Erneuerung der Steuerkette inklusive Nockenwellenversteller sowie ein neuer Anlasser. Ansonsten ein paar Leuchtbirnen, frische Bremsen, eine neue Frontscheibe (Steinschlag). Und dann ein Missgeschick, für das unser Benz gar nichts konnte: Beim Rückwärtsfahren mit geöffneter Fahrertür übersah ein Kollege nach einem aufreibenden Arbeitstag eine Betonsäule im Parkhaus – die Tür knallt mit voller Wucht dagegen, bohrt sich in Richtung Kotflügel. Die Reparatur bedeutet beinahe den wirtschaftlichen Totalschaden. Doch AUTO BILD gibt den Benz nicht auf.
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Der C 180 geht rüstig ins zehnte Jahr

Mercedes C-Klasse C 180 Kompressor
Schau genau: Auch unter den Verkleidungen lauern keine bösen Überraschungen.
Bild: Bernd Hanselmann
Aber eine kleine Frischzellenkur, das lässt sich nicht verheimlichen, ist nun angebracht. Wir gönnen dem Oldie neue Stoßdämpfer, zum ersten Mal in seinem langen Leben, lassen den leicht durchgesessenen Fahrersitz aufpolstern, tauschen die Fahrertür und geben ihn zum Aufbereiter, der soll ihn herausputzen. Das hat sich unsere C-Klasse verdient. Zumal sie während der letzten 200.000 Kilometer im Schnitt mit nur 50 Euro/1000 km für Reparaturen auskam. Wird unsere C-Klasse die halbe Million knacken? Ja, da sind wir sehr zuversichtlich. Und freuen uns schon mal drauf.
In welchem Zustand sich der Mercedes bei der Inspektion nach 400.000 Kilometern präsentierte, sehen Sie in der Bildergalerie.

Bildergalerie

Mercedes C 180 Kompressor Classic
Mercedes C 180 Kompressor Classic
Mercedes C 180 Kompressor Classic
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Mercedes C-Klasse im 400.000-Kilometer-Dauertest

Fazit

Unser C 180 ist mehr als ein gewöhnlicher Dauertestwagen. Er ist ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft. Er zeigt, wie lange ein Auto selbst unter harten Testbedingungen halten kann – bei regelmäßiger Wartung. Vertragswerkstätten der Hersteller sind zu teuer, holen Sie sich Angebote freier Werkstätten, die qualitativ oft vergleichbar, aber erheblich günstiger sind. Wir melden uns wieder – bei 500.000 Kilometern.