Marktstart des Mercedes EQE erst Mitte 2022

Bis 2030 soll die Hälfte aller verkauften Mercedes-Neuwagen einen Elektroantrieb haben. Mitte 2022 wird der EQE (interner Code: V 296) an den Start gehen – als kleiner Bruder des ab sofort bestellbaren Topmodells EQS. Der Elektro-Benz ist praktisch genauso lang wie eine E-Klasse mit Verbrenner; die Innenmaße entsprechen sogar denen der aktuell nur in China erhältlichen Langversion. Die Weltpremiere der "elektrischen E-Klasse" findet im Rahmen der IAA in München statt (7. bis 12. September 2021), der Marktstart dann wohl erst Mitte 2022. AUTO BILD hat vorab schon mal Platz genommen! (Diese neuen Elektroautos kommen bis 2026.)
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Mercedes EQE bekommt das "One Bow Design" des EQS

Wenig überraschend übernimmt der EQE die bogenförmige Silhouette des EQS. Mercedes nennt das Ganze "One Bow Design" – die Linie soll zu einem besseren Platzangebot beitragen. Dazu später mehr. Zusammen mit seinen 3,12 Meter Radstand streckt sich das Auto so auch enorm in die Länge. Die Kotflügel des EQE sind etwas stärker ausgestellt als beim EQS, was zu einer sportlicheren Optik führt. Die Limousine soll nämlich "dynamisches Fahrverhalten mit entspanntem Reisen" verbinden, was sich in einem stämmigeren Auftritt widerspiegelt.

HEPA-Filter soll Viren und Bakterien fernhalten

Das zeigt auch die Front mit dem Mercedes-typischen EQ-Design. Statt eines durchgezogenen Leuchtenbands gibt es grimmig blickende Scheinwerfer, deren Grafik an zusammengekniffene Augen erinnert. Gegen Aufpreis verbaut Mercedes hier sein Digital Light. Die geschlossene schwarze Maske ist optional mit kleinen Mercedes-Sternen zu haben. Wer möchte, der bekommt auch ein AMG-Paket. Mit sportlicheren Schürzen erreicht der EQE dann auch fast den cw-Fabelwert des EQS (0,2). Unter der nicht zu öffnenden Fronthaube sitzt ein großer HEPA-Filter, der Viren und Bakterien aus dem Cockpit fernhalten soll.
Mercedes EQE
Mehr als diese Klappe fürs Wischwasser lässt sich vorne nicht öffnen. HEPA-Filter statt Frunk unter der Fronthaube.

Das Heck wirkt gefälliger als beim EQS

Das Heck ist rundlich, wirkt aber etwas gefälliger als beim ziemlich hoch bauenden EQS. Ein durchgezogenes Leuchtenband prägt das Heck und läuft seitlich in Windungen aus, die an die Wicklungen der Kupferdrähte in den Elektromotoren erinnern sollen. Die Leuchtengrafik verfügt dabei pro Seite über eine vertikale Lamelle weniger, um den Klassenunterschied anzuzeigen. Ähnlich hält es Mercedes auch bei der Anzahl an LED-Punkten in den Leuchteinheiten von C-, E- und S-Klasse.
Mercedes EQE
Durch die ausgestellten Kotflügel steht der EQE etwas stämmiger da als der größere EQS. Das Heck wirkt gefälliger.

Riesiger Hyperscreen als Option beim Mercedes EQE

Die Fahrerkanzel ist praktisch eins zu eins aus dem EQS übernommen. Neben den beiden Basis-Konfigurationen mit je zwei separaten Bildschirmen in verschiedenen Größen wartet ganz oben in der Preisliste der Hyperscreen. Das 141 Zentimeter breite Glaspanel mit 2432 Quadratzentimeter Fläche beherbergt drei Bildschirme. Der dritte ist für den Beifahrer-Platz gedacht und nur dann aktiv, wenn dort jemand sitzt.
Mercedes EQE
Gegen Aufpreis verbaut Mercedes im EQE den riesigen Hyperscreen. Der Beifahrer-Bildschirm kann Videos abspielen.
Der Clou: Erstmals können dort Filme abgespielt werden. Der Bildschirm deaktiviert sich jedoch sofort, sobald der Fahrer darauf blickt. Überwacht wird das mittels Eyetracking-Sensoren im Digitalcockpit; das Feature ist ab sofort auch für den EQS verfügbar. Im EQE kommt das MBUX-Infotainment der neuesten Generation zum Einsatz. Es ist lernfähig und mit einer ziemlich fähigen Sprachsteuerung ausgestattet.
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Das Platzangebot im Cockpit ist großzügig, die Bewegungsfreiheit mehr als ordentlich. Enger wird es lediglich über dem Scheitel. Der kratzt zwar auch bei groß gewachsenen Menschen nicht am Dach; durch die Batterie im Fahrzeugboden sind die Sitze jedoch höher montiert als in einer Mercedes E-Klasse, was sich wiederum auf die Sitzposition und das Raumgefühl auswirkt.

Kofferraumvolumen zwischen 430 und 770 Liter

Umstieg in den Fond. Das Platzangebot in der zweiten Reihe ist überaus fürstlich, Mercedes verspricht rund acht Zentimeter mehr Beinfreiheit als in der E-Klasse. Das ist durchaus zu spüren und bringt in Verbindung mit dem nahezu flachen Fahrzeugboden ein angenehmes Raumgefühl.
Mercedes EQE
Im Fond des EQE sitzt es sich sehr angenehm. Nur die Dachholme sind größer gewachsenen Menschen etwas im Weg.
Und die Kopffreiheit? Um die Dachlinie Coupé-artig abfallen lassen zu können, hat sich Mercedes einen Trick ausgedacht. Das Panoramadach wurde weiter nach hinten gezogen, sodass man hinten direkt unter Glas sitzt und mehr Kopffreiheit haben soll. Das klappt allerdings nur bedingt, denn die Dachholme sind nach wie vor im Weg. Außerdem bedeutet das große Glasdach, dass der Kofferraumdeckel nicht mehr oberhalb, sondern unterhalb der Heckscheibe angeschlagen ist. 430 bis 770 Liter Stauvolumen sind beachtlich, nur der Zugang wird dadurch etwas beeinträchtigt.

EQE soll deutlich über 600 km Reichweite schaffen

Wie sein großer Bruder nutzt auch der EQE die EV2-Plattform. Vorerst wird es nur eine Batterie mit 90,6 kWh Nettokapazität geben. Die soll für deutlich über 600 Kilometer Reichweite gut sein. Dank 400-Volt-Technik kann der EQE mit maximal 200 kW geladen werden, Ladezeiten gibt Mercedes noch nicht bekannt. Sie dürften aber auf dem Niveau des EQS liegen, der in rund 15 Minuten Strom für bis zu 300 Kilometer nachladen kann. (So kommen Sie an die eigene Wallbox!)

Zwei Motoren zum Marktstart

Zum Marktstart wird es zwei Motorvarianten geben. Nummer eins ist der EQE 350 mit 210 kW (286 PS) und einem Motor auf der Hinterachse. Zu Nummer zwei gibt es noch keine Angaben. Die Plattform bietet jedoch Platz für einen zweiten Motor auf der Vorderachse – wir tippen daher auf eine Variante mit Allradantrieb und mehr Leistung. Optional gibt es für den EQE eine Luftfederung. Ebenfalls Aufpreis kostet die Hinterachslenkung. Hier sind zwei Optionen mit 4,5 und zehn Grad erhältlich. Gerüchteweise soll der EQE autonomes Fahren auf Level 3 beherrschen, doch zu diesem Thema ließ sich Mercedes auf Nachfrage noch keine Informationen entlocken.
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Preis vermutlich zwischen 70.000 und 75.000 Euro

Marktstart für den Mercedes EQE ist voraussichtlich erst Mitte 2022. Die Preise sind aktuell noch nicht bekannt. Schätzungsweise startet der EQE zwischen 70.000 und 75.000 Euro. Zum Marktstart wird es eine limitierte "Edition 1" mit umfangreicher Serienausstattung geben.

Fazit

Der Einstieg in Daimlers elektrische Limousinen-Welt wird mit dem Mercedes EQE ein Stück bezahlbarer. Klar, viele seiner Features kosten Aufpreis. Doch im Grunde kann er fast alles bieten, was es im großen EQS auch gibt. Dem haben wir im Test ein revolutionär großartiges Fahrerlebnis zugestanden, Note 1-. Jetzt sind wir gespannt, ob der EQE das genauso gut hinkriegen wird.

Von

Georg Kacher
Michael Gebhardt