Messe-Highlights von der Auto China 2026
Peking Autoshow: Was Europas Hersteller jetzt unter Druck setzt

Es ist etwas seriöser geworden auf der Auto China. Doch nach wie vor ist die Motorshow in Peking das schrillste und sehenswerteste Spektakel, das die PS‑Branche zu bieten hat. Keine Zeit für eine Stippvisite? Macht nichts: Dieser Messerundgang schlaut auch am Schreibtisch auf.
Bild: Thomas Geiger
Die Straßen drum herum ersticken im Stau, und drinnen kann man kaum einen Fuß vor den andern setzen. Die Hallen des neuen International Exhibition Center platzen aus allen Nähten. Denn in Peking ist Autoshow – und China zeigt einmal mehr eindrucksvoll, warum die Volksrepublik längst das wichtigste Autoland der Welt ist. Nirgends werden mehr Autos gebaut und verkauft, nirgends gibt es mehr neue Marken und Modelle als hier.
Den Heimvorteil spielen die Gastgeber inzwischen so konsequent aus, dass für Importmarken kaum noch Platz bleibt. Statt Kuriositäten und dreister Kopien zeigen sie immer mehr erstaunlich seriöse Autos – nicht immer nach europäischem Geschmack, aber stimmig, schlüssig und eigenständig.

Futuristische Gran‑Turismo‑Studie mit klarer Tech‑DNA – Xiaomi zeigt mit dem Vision GT, wie ernst es der Konzern mit Performance und Design meint.
Bild: Thomas Geiger
Zwar gibt es noch immer abgedrehte Studien wie den gefühlt sieben Meter langen Glasdach‑Granturismo von Avatr, und manche Modelle erinnern mehr oder minder frech an bekannte Vorbilder. Doch die Mehrheit der Hersteller hat längst einen eigenen Stil gefunden. Selbst Hongqi, Chinas Antwort auf Rolls‑Royce und Bentley, kopiert nicht mehr hemmungslos.
Draußen dominiert die Gleichförmigkeit
So bunt die Messe wirkt, so uniform ist das Bild draußen auf der Straße: ein Meer windkanalglatter Karossen mit durchgehenden Leuchtenbändern. Abgesehen von Kleinwagen gibt es dort fast nur noch vier Typen – strömungsgünstige Limousinen, coupéartige SUVs, Vans sowie extrem kantige Geländewagen, neben denen selbst G‑Klasse oder Defender brav wirken. In diese Liga will auch Land Rover mit dem wiederbelebten Namen Freelander vorstoßen – als neue Marke mit Chery.

Über 2000 PS Leistung – der Staubsauger‑Hersteller denkt mit dem Dreame Komera einen Supersportwagen neu.
Bild: Thomas Geiger
Auffällig ist zudem, wie stark die Chinesen in Segmente vordringen, in denen sich Importmarken lange sicher fühlten. Immer mehr lokale Hersteller rütteln am Porsche‑Thron. Besonders spektakulär: Dreame, bislang bekannt für Roboterstaubsauger, plant Sportwagen und SUVs mit über 2000 PS.
Luxus neu gedacht und radikal anders interpretiert
Auch Maybach & Co bekommen Gegenwind. Der mit Huawei‑Technik bestückte Maextro S800 verkauft sich besser als alle deutschen Oberklasse‑Limousinen zusammen. Während deutsche Hersteller ihre Luxus‑Vans noch ankündigen, stehen hier längst Raumkreuzer mit mehr Leder, Lack und Screens als in der First Class der Lufthansa. Dagegen wirkt selbst ein Maybach GLS fast schon bescheiden.
Technisch dominieren vier Themen: Roboter und digitale Haustiere gehören eher zur Show, doch Flugautos werden erstaunlich seriös entwickelt. XPENG will noch in diesem Jahr abheben. Beim Elektroantrieb geht es rasant voran: CATL verspricht 1500 Kilometer Reichweite, BYD lädt im Rekordtempo. Von zehn auf 70 Prozent in fünf Minuten, fast voll in neun – selbst bei minus 30 Grad kaum langsamer.
Autonomes Fahren ist hier längst Realität
Beim hoch automatisierten Fahren reklamieren die Chinesen ebenfalls die Vorherrschaft. Was bei uns noch verboten ist, ist hier Alltag. Türkise Leuchten signalisieren: Die Elektronik fährt. Auch Robo‑Taxis gehören längst zum Straßenbild, auf der Messe ebenso wie in der Stadt.
Überraschend schließlich: Selbst beim Verbrenner geben die Chinesen den Ton an. Horse Powertrain, ein Geely‑Ableger, entwickelt nicht nur Motoren für Hersteller weltweit, sondern bietet mit 2,2 Litern Normverbrauch womöglich den sparsamsten Verbrenner der Welt.

Mercedes-Benz GLC mit langem Radstand: für China gestreckt – mehr Platz im Fond bleibt hier ein Muss.
Bild: Thomas Geiger
So dominant China auftritt, zeigt die Messe dennoch: Die Ausländer sind aus ihrer Schockstarre erwacht. In Reden herrscht Optimismus, auf den Ständen dagegen oft noch Zurückhaltung. Ja, gestreckte Modelle wie GLC, Q5L oder die neue BMW‑Klasse sind wichtig – echte Innovationen sind sie nicht. Facelifts und Modellpflege wirken eher defensiv.
Volkswagen setzt konsequent auf China‑Eigenständigkeit
Bewegung kommt vor allem aus Wolfsburg. „Aus China für China“ greift. VW zeigt mit ID.Unyx 08 und ID.Era 9X gleich zwei eigenständige SUVs, dazu Limousinen und selbstbewusste Joint‑Venture‑Modelle. Sogar Jetta wird sexy – und vor allem extrem günstig.
Auch andere Hersteller legen nach. Peugeot setzt auf chinesisches Design, Hyundai auf den Ioniq V, Mazda und Nissan auf China‑Know‑how mit möglichem Europa‑Transfer. Der Westen gibt sich nicht kampflos geschlagen.

Denza Z9 GT Cabrio: Das einzige neue Cabrio der Messe – elegant und überraschend.
Bild: Thomas Geiger
Doch am Ende stehlen die Chinesen den Erfindern des Autos dennoch die Show: Der sparsamste Benziner kommt von Geely, die erfolgreichste Luxuslimousine fährt Huawei‑Technik, die spektakulärsten Studien stehen bei Avatr und Dreame, das einzige neue Cabrio ist ein Denza – und selbst den smart Fortwo bringen die Chinesen als #2 zurück. Ausgerechnet dort, wo es besonders weh tut.
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