MG 5S EV: erste Fahrt im China-SUV
Auffällig unauffälliges China-SUV unter 40.000 Euro
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Nein, es ist weder BYD noch Nio und erst recht nicht Xpeng. Zwar machen die drei Marken auf ihrem Weg in den Westen unter allen Chinesen gerade den meisten Wind, doch die meisten Autos verkauft ein anderer: Mit knapp 5000 Zulassungen und einem Marktanteil von knapp einem Prozent im ersten Quartal hat sich einmal mehr MG die Spitze der Importstatistik gesichert – und die Tochter des Staatskonzerns SAIC denkt nicht im Traum daran, die Führung aufzugeben.
Still und leise haben die Chinesen deshalb ihre Modellpalette ergänzt und erneuert und rollen jetzt mit dem MG S5 ein elektrisches SUV für die Kompaktklasse an den Start, das genauso unauffällig ist wie der Auftritt der Marke – und gerade deshalb gute Erfolgsaussichten hat. Denn statt zu protzen oder zu polarisieren schwimmt der Nachfolger des elektrischen ZS ganz dezent mit auf jener Welle, die von Modellen wie Kia EV3, Skoda Elroq oder dem elektrischen Hyundai Kona getragen wird. Geschmeidig gezeichnet und schick anzuschauen – aber kaum aus den Augen, ist er auch schon wieder aus dem Sinn.

Mit dem neuen 5S EV dürften die Verkaufszahlen von MG weiter nach oben gehen.
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War der Vorgänger noch eine sogenannte Conversion und musste deshalb mit einer Verbrenner-Architektur auskommen, teilt sich der 5S die Skateboard-Plattform mit dem MG4 und baut neuerdings auf einer besonders flachen Batterie auf. Weil er zudem ein wenig aus dem Leim geht, bietet er bei 4,48 Meter Länge und 2,73 Meter Radstand jetzt vor allem den Hinterbänklern etwas mehr Platz und einen größeren Kofferraum: Der fasst künftig 453 bis 1441 Liter. Nur für einen Frunk hat es leider wieder nicht gereicht.
Genau wie außen ist der chinesische Fünfer auch innen auffällig unauffällig, leistet sich einen soliden Materialmix an der Nahtstelle zwischen preiswert und premium und eine Bedienung, die geschickt alte und neue Techniken kombiniert. Mit Touchscreen und Tastern rund um die digitalen Instrumente bringt er die Generation Smartphone nicht gleich zum Gähnen, nimmt aber auch all jene mit, die noch mit dem Wählscheibentelefon groß geworden sind. Wenn nur die vielen Assistenzsysteme nicht währen, die – da sind sich Brüssel und Beijing näher, als unseren Nerven lieb ist – längst zu leidigen Besserwissern aufgestiegen sind und bimmeln und blinken, was die Chips hergeben.
MG 5S EV: bis zu 480 km Normreichweite
Es gibt drei Ausstattungsvarianten und zwei Akkus mit 49 oder 64 kWh für bis zu 480 Kilometer Normreichweite. Den Antrieb übernimmt ein Magnetläufer an der Vorderachse, der wahlweise 170 oder 231 PS leistet. Mit bis zu 350 Nm Drehmoment geht er erfreulich flott zu Werke. Wie alle E-Motoren von der spontanen Sorte beschleunigt er den 1,8 Tonner in 6,3 Sekunden auf Tempo 100 und vermiest einem auch auf der Autobahn nicht den Spaß. Selbst wenn es Gift ist für die Reichweite, zieht MG erst bei 190 Sachen den Stecker.

453 bis 1441 Liter passen in den Kofferraum des MG 5S.
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Doch darf man sich von solchen Zahlen nicht auf die falsche Fährte führen lassen: Der 5S ist kein Heißsporn und auch keine elektrische Alternative zum GTI. Sondern das SUV ist eine kreuzbrave Familienkutsche, die eher gutmütig abgestimmt ist und trotz bissfester Bremsen und präziser Lenkung eher aufs Ankommen ausgelegt ist als auf den Spaß davor. Als klassischer Pampersbomber nimmt er den Verdauungsfrieden der Hinterbänkler wichtiger als das Vergnügen des Fahrers.
Natürlich reicht es dem MG 5S mit diesem Paket nicht zum Technologieträger, und seine Ladeleistung ist mit 11 kW am Wechselstrom und 120 kW am Gleichstrom für den kleinen bzw. 139 kW für den großen Akku nicht mal gehobener Durchschnitt. Doch die Rolle des Innovationsführers überlässt die SAIC-Tochter gerne den heimischen Konkurrenten und bietet dafür lieber solide Technik zu souveränen Preisen. Nicht umsonst beginnt er mit kleinem Akku bei 37.990 Euro und mit großer Batterie bei 42.990 Euro und kostet damit kaum mehr als bei manchem Konkurrenten der Verbrenner. Ein VW Tiguan zum Beispiel startet bei 38.250 Euro.

Auch im Innenraum geht es unaufgeregt souverän zu.
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So erfolgreich MG mit seinen auffällig unauffälligen Modellen auch durch Europa fahren mag: Die Chinesen wollen natürlich nicht auf ewig unter dem Radar bleiben. Im Gegenteil: Mit dem Cyberster als erstem elektrischen Roadster nach Tesla haben sie 2024 viel Aufmerksamkeit errungen und daran offenbar viel Gefallen gefunden. Deshalb kommt der Zweisitzer 2025 gleich auch noch als elegantes Coupé.
Fazit
Er ist außen gefällig und innen unauffällig, fährt unaufgeregt und bietet viel Batterie für vergleichsweise wenig Geld. Zwar verdreht der MG 5S den Passanten nicht den Kopf und dem treibt dem Fahrer nicht den Puls in die Höhe. Doch er bringt die Familie souverän und entspannt ans Ziel. Und, mal ganz ehrlich: So richtige Aufreger sind die Elektroautos aus Wolfsburg, Köln oder Rüsselsheim schließlich auch nicht.
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