MG IM5 und IM6: neue E-Autos aus China
Chinas Antwort auf Model 3 und Model Y

Bild: MG
Kein Monat ohne neues Modell aus China, und kein Quartal ohne neue Marke: Jetzt fällt mal wieder beides zusammen – und MG bringt einen Luxus-Ableger IM an den Start.
Zunächst zwar nur in England, der Schweiz und in Norwegen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Chinesen ihre Aufstiegsträume auch in Deutschland verwirklichen – selbst wenn der Markenname bei einem Drittel der Bevölkerung eher verdächtige Erinnerungen weckt.
Dabei steht der doch für "Intelligence in Motion" und damit für den Hightech-Anspruch, den MG an den neuen Ableger geknüpft hat. Während die Muttermarke vor allem solide, aber vergleichsweise schlichte Massenware zu bürgerlichen Preisen baut und so die E-Autos liefert, die wir von VW erwartet hätten, gibt's bei IM smarte Assistenten, riesige Akkus mit rasend schneller Ladung und Fahrleistungen wie im Supersportwagen.
MG startet Luxus-Offensive mit neuer Marke IM
Vor gerade mal vier Jahren zusammen mit dem Tech-Giganten Alibaba gestartet, gibt IM die Hightech-Marke im Mutterkonzern SAIC und zielt vor allem auf Tesla und die deutsche Elite. Kein Wunder also, dass die Limousine IM5 verdächtig nach Model 3 aussieht und der IM6 auch als Klon des Model Y durchgehen würde.

Der große Akku des IM5 fasst 100 kWh und lässt sich laut Hersteller mit bis zu 396 kW in nur 17 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden – vorausgesetzt, die passende Infrastruktur ist vorhanden.
Bild: Joseph Harding
Beide Modelle sind knapp fünf Meter lang, für einen niedrigen cw-Wert aalglatt und schnörkellos gezeichnet und bieten bei 2,95 Metern Radstand genügend Platz auf allen Plätzen. Wobei das SUV natürlich das großzügigere, luftigere und obendrein praktischere Fahrzeug ist: Der Fahrer sieht nicht nur besser, sondern ist auch noch etwas mehr von der Straße entkoppelt, aber das Fahren wird ein wenig emotionsloser.
Doch dafür gibt's hinten zur üppigen Kniefreiheit jetzt auch noch reichlich Kopffreiheit, und der Kofferraum fasst 665 statt 457 Liter. Nur der Frunk ist da wie dort mit 18 und 32 Litern eine Lachnummer. Aber andererseits: Fürs Ladekabel reicht's allemal, und bei Konkurrenten wie dem Mercedes EQE, VW ID7 oder ID5 gibt's vorne unter der Haube gar keinen Stauraum.
Reichweite und Ladeleistung setzen neue Maßstäbe
Aber wichtiger ist ohnehin, was im doppelten Boden der neuen Plattform steckt, die sie eigens für IM entwickelt haben: Ein 800-Volt-Akku mit 100 kWh, der nicht nur bis zu 710 Kilometer Reichweite ermöglichen soll, sondern vor allem mit bis zu 396 kW geladen werden kann. Wer tatsächlich einen Charger mit so viel Power findet, schafft laut Hersteller 10 auf 80 Prozent in 17 Minuten und gewöhnt sich besser an Espresso statt Cappuccino bei der Kaffeepause.

Der IM5 setzt auf ein minimalistisches Cockpit mit zwei zentralen Bildschirmen und nahezu vollständiger Touchbedienung.
Bild: Joseph Harding
Wie gut diese Werte sind, zeigt nicht nur ein Blick auf die Konkurrenz: ID.7 und EQE laden mit maximal 200 kW. Sondern man muss nur aufs Einstiegsmodell schauen, um den Fortschritt zu erfassen: Das hat nämlich statt NMC-Technik noch LFP-Zellen, soll mit 75 kWh nur 490 Kilometer weit kommen, ist mit 400 Volt verdrahtet und schafft deshalb nur maximal 153 kW am Lader. Trotz geringerer Kapazität soll es deshalb 26 Minuten dauern bis die 80 Prozent erreicht sind, und es klappt doch wieder mit dem Cappuccino.
Bis zu 751 PS im Performance-Modell
Während es den kleinen Akku nur in Kombination mit einer 295 PS starken E-Maschine an der Hinterachse gibt, bauen die Chinesen beim großen Akku hinten schon einen 407-PS-Motor ein. Und im Perfomance-Modell steigt die Leistung mit zwei Motoren auf irrsinnige 751 PS, und das maximale Drehmoment liegt bei 802 Nm. Da schlackern dann selbst Porsche-Fahrer mit den Ohren.
Zu Recht: Denn bei einem Sprintwert von 3,2 Sekunden haben sogar die meisten Elfer das Nachsehen, und für ein E-Auto sind 268 km/h Spitze auch nicht schlecht. Und keine Sorge, selbst wenn diese Herstellerwerte nur für die Top-Version gelten, sind auch die anderen Derivate keine Langweiler. Das Basismodell schafft immerhin 200 Sachen, und selbst beim SUV sind bis zu 239 km/h drin.

Trotz seiner Größe bleibt der IM6 dank serienmäßiger Hinterachslenkung wendig und lässt sich auch im Stadtverkehr gut manövrieren.
Bild: Joseph Harding
Aber nicht nur beim Antrieb wird geklotzt, auch bei Assistenz und Ausstattung gehen die Chinesen in die Vollen. Das Cockpit ist zwar noch karger als bei Tesla, und außer zwei Knubbeln im Lenkrad, den Fensterhebern und den Türöffnern läuft die gesamte Bedienung über den stolze 26,3 Zoll großen Bildschirm auf dem Armaturenbrett und dem 10,5-Zoll-Touchscreen darunter.
Doch in den Menüs finden sich Features wie ein Park-Roboter, der auch 100 Meter aus der Erinnerung rückwärts fährt oder das Auto im Krebsgang ganz nah an den Bordstein bugsiert. Und es findet sich darin das "Proactive Vision Supplement System", das dem Fahrer die Augen öffnet, weil es die Kamerabilder von draußen im Innenraum sichtbar macht. Dann ist es auch nicht mehr ganz so schlimm, dass man durch den Spiegel nach hinten quasi nichts sehen kann, weil die Heckscheibe nicht viel breiter ist als ein Briefkastenschlitz.

Im IM6 sorgt das durchgehende Panoramadach für ein luftiges Raumgefühl, ergänzt durch serienmäßige Komfortsitze mit Massagefunktion.
Bild: Joseph Harding
Da stört es schon mehr, dass bei der Tech-Offensive irgendwo das Head-up-Display vergessen wurde. Dafür allerdings gibt's immer und in jedem Modell eine Allradlenkung, die aus den Fünf-Meter-Kolossen vergleichsweise handliche Autos macht, klimatisierte Sitze mit Massage-Funktion und ein Panoramadach über die gesamte Länge der Kabine.
Preise mit Kampfansage an die Konkurrenz
Bleibt zum Schluss noch der Blick auf den Preis, der zumindest für England schon steht und wie so oft bei den Chinesen fast lächerlich ist. Denn obwohl alle technischen Features Standard sind und nur die Luftfederung allein der Lounge Edition vorbehalten ist, geht es für die Limousine bei 39.450 Pfund oder umgerechnet gut 45.000 Euro los – ganz knapp unter dem Modell 3.
Zwar kostet der IM5 mit dem großen Akku und den 751 PS dann schon 48.495 Pfund oder 56.000 Euro, kann aber deutlich mehr als ein Mercedes EQS und ist nur etwa halb so teuer.
Und beim SUV sieht es nicht anders aus: Nur mit dem großen Akku erhältlich und dann rund 3000 Pfund teuer als der Fünfer steht der IM6 ab umgerechnet 55.000 Euro in der Liste.
Fazit
Sie sind technisch ein eindrucksvolles Statement, sind prall ausgestattet, fahren schnell, laden flott und sehen obendrein gut aus: Mit den IM-Modellen macht MG einen gewaltigen Sprung. Doch während die Chinesen mit ihren eher konservativen Kompakten zum Schnäppchenpreis eine einzigartige Positionierung haben und deshalb bei uns mehr Autos verkaufen als BYD & Co, geraten sie mit IM5 und IM6 in ein vornehmes Fahrwasser, in dem sich alle Importeure in Deutschland arg schwertun – egal ob aus China, Korea oder Japan. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb sie sich mit dem Start bei uns noch Zeit lassen wollen.
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