Wie viel Platz braucht man eigentlich, um alleine von A nach B zu kommen? Ist ein Kompakter, ein Kombi oder gar ein SUV überhaupt nötig? Für die meisten Alltagsstrecken wohl nicht, wenn wir ehrlich sind. Im Prinzip reichen zwei Sitze und etwas Stauraum meistens aus. Und genau hier soll der Microlino ansetzen. Mit dem kleinen Elektro-Gefährt will die Schweizer Firma Micro gegen den Trend immer größer werdender Autos schwimmen und zeigen, was Mobilität auch sein kann. Ob das was ist? AUTO BILD hat es ausprobiert! (Alle Infos zur Umweltprämie für Elektroautos.)
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Kabinenroller der 1950er als Vorbild

Ortstermin in Zürich. Micro sitzt im Obergeschoss eines großen Einfamilienhauses, im Erdgeschoss eine Karosseriespenglerei. Und davor: lauter bunte Kugeln namens Microlino. Schon beim Anschauen musst du grinsen. "Wir wollten ein zeitloses Design, angelehnt an die Kabinenroller der 1950er", erklärt Merlin Ouboter, CMO von Micro. Mit der vorne angeschlagenen Tür werden natürlich vor allem Erinnerungen an die BMW Isetta wach. Ein Abklatsch ist der Microlino aber nicht. Durchgehende Leuchtenbänder vorne und hinten und in die Außenspiegel integrierte LED-Scheinwerfer lassen ihn modern wirken.
Microlino
Im Gegensatz zu den ersten Prototypen setzt der Serien-Microlino auf selbsttragende Karosserie statt Gitterrohrrahmen.

Unser Testfahrzeug ist matt-grau und noch ein Prototyp. Tür auf, reinsetzen. Lenkrad und Lenksäule stehen fest, Platz nehmen wir auf einer durchgehenden Sitzbank. Typisch Prototyp fehlt noch etwas Verkleidung, weshalb wir vom Cockpit noch keine Fotos machen dürfen. Hinter dem Lenkrad sitzt ein Digitalcockpit, ein weiteres kleines Display in einer Halterstange in der Tür. Sogar Heizung, Bluetooth-Musikbox, Smartphone-Halterung und Sitzheizung gibt es. Annehmlichkeiten sind also schon einmal vorhanden, selbst wenn der Microlino im Fahrzeugausweis als Motorrad eingestuft ist.

Der Microlino macht auch mit 20 PS richtig Laune

Microlino
Das matte Grau macht den Microlino noch auffälliger. Kommentar einer Passantin: "Sieht aus wie ein kleiner Panzer."


Jetzt aber Handbremse lösen, Gangwahlrad auf "D" und ab dafür. Schnell wird klar: Der 15-kW-Elektromotor (20 PS) hat mit den rund 450 kg Leergewicht leichtes Spiel. Selbst mit zwei Personen an Bord sind 50 km/h bergauf kein Problem. Maximal sind 90 km/h drin, was sich in dieser Kugel aber massiv schneller anfühlt. Kurven? Spaßig! Dank relativ breiter hinterer Spur und Einzelradaufhängung lässt sich der Microlino ganz passabel ums Eck schmeißen, die Lenkung ist servolos und schön direkt. Im von uns gefahrenen Prototyp ist es mangels Dämmung noch recht laut. Das wird zur Serie aber noch genauso verbessert wie die zu hohe Sitzposition.
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Reichweite von maximal 200 Kilometer

Hervorragend schon jetzt ist dagegen der enorme Sympathie-Faktor. Die Leute recken die Hälse, zücken ihre Smartphones, schauen hinterher. Auffälliger waren wir mit 2,4 Metern Länge selten unterwegs. Apropos Größe: Neben zwei Personen findet im Microlino auch Gepäck Platz. Zwei Getränkekisten sollten für den Kofferraum kein Problem sein. Wir müssen den Rückweg zur Homebase antreten, im Akku wäre aber noch Saft für mehr. Maximal 125 Kilometer Reichweite gibt Micro für den 8-kWh-Akku an, 200 Kilometer bei 14,4 kWh. Geladen ist das Gefährt in rund vier Stunden an der Haushaltsteckdose. (Alle Infos zu Zuschüssen für die Wallbox.)

Preis ab etwa 12.500 Euro

Microlino
Mit Schiebefenstern und manuellem Faltdach findet der Microlino zurück zur Einfachheit. Mehr brauchtes hier nicht.

Noch befindet sich der Microlino in der Homologierungs-Phase. Mit der Produktion der Serienversion will Micro dann im Herbst 2021 starten, damit die ersten Exemplare noch Ende 2021 ausgeliefert werden können. Die Preise werden bei etwa 12.500 Euro starten. Rund 22.000 Interessenten gebe es schon, sagt der Hersteller. Als Alternative zu einer First Edition bekommen die ersten 500 Käufer einen Tretroller geschenkt, der in den Kofferraum des Microlino passt. (Diese E-Autos kommen bis 2021.)

Fazit

Ein vollwertiges Auto kann und soll der Microlino nicht sein, und noch ist bis zum Serien-Produkt etwas zu tun. Doch schon der Prototyp wirkt vielversprechend und fährt spaßig. Umso mehr sind wir gespannt auf die Serienversion, denn als Zweitwagenersatz für Kurzstrecken und den Weg zur Arbeit kann das Konzept aufgehen.