Mini Aceman E: Test
Ab durch die Mitte: Mini Aceman fährt zwischen Cooper und Countryman

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Alles nicht so einfach bei Mini. Den dreitürigen Cooper und den Countryman gibt es sowohl elektrisch als auch mit Verbrenner. Nicht aber den fünftürigen Cooper, der kommt ausschließlich als Benziner. Und den – ebenfalls fünftürigen – Kombi Clubman haben sie vor einem Jahr ja sowieso gestrichen.
So, und jetzt kommt der Aceman. Der, wenn wir das richtig verstehen, spielt vor allem die Rolle eines elektrischen fünftürigen Cooper. Ein bisschen aber auch die des Clubman-Nachfolgers. Wie klappt das so?
Aceman kommt weniger rund daher
Von den Maßen her passt es jedenfalls. Der Aceman ist 4,08 Meter lang, 1,75 Meter breit und 1,51 Meter hoch. Der Cooper Fünftürer kommt auf 4,04 Meter Länge, der Clubman war 3,96 Meter lang.

Nachgeschärft: Der Aceman ist weniger rund als seine Markenbrüder, er wirkt kantiger und damit auch bulliger.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Aceman-Design ist etwas kantiger ausgelegt als bei den sonst ja grundsätzlich eher rundlichen Mini. Insgesamt wirkt das wuchtiger und, ja, etwas bulliger. Die Scheinwerfer laufen spitz zu – sind eben nicht mehr rund wie bei den anderen Mini. Blickt der Alfa Mito nicht so ähnlich?
Fahrzeugdaten
Modell | Mini Aceman E |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 135 kW (184 PS) |
Dauerleistung | 55 kW (75 PS) |
maximales Drehmoment | 290 Nm |
Vmax | 160 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/40 R 19 V |
Reifentyp | Goodyear Ass. ComfortTred |
Radgröße | 7,5 x 19" |
Reichweite* | 301 km |
Verbrauch* | 14,7 kWh |
Batteriekapazität (brutto/netto) | 42,5/38,5 kWh |
Ladeleistung | 11/70 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 28 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts |
Fach unter Frontklappe | – |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 300–1005 l |
Länge/Breite/Höhe | 4079/1754–1991**/1514 mm |
Radstand | 2606 mm |
Grundpreis | 30.650 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 35.540 Euro |
An der Flanke fallen die eckig ausgeformten Kunststoff-Verkleidungen um die Radhäuser auf, dazu gibt es Schweller in mattem Schwarz und versenkte Türgriffe. Am Heck trägt der Aceman eine eingezogene Heckscheibe, aufrecht stehende Rückleuchten und einen lang gezogenen Dachspoiler.
In Reihe zwei ist der Mini eher mini
Die Platzverhältnisse vorn sind erstaunlich großzügig, angenehm, zum Beispiel mit viel Kopffreiheit. Die Sitze sind eher zierlich geschnitten, die Auflage ist für Großgewachsene zu kurz und lässt sich nicht verlängern, der Seitenhalt geht in Ordnung.

Nomen es omen: Während der Mini Aceman vorne noch erstaunlich groß ist, wird es hinten ziemlich schnell eng – außer über dem Kopf.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Fond wird es dann naturgemäß etwas enger. Schon der Einstieg etwa für Leute mit großen Schuhgrößen gestaltet sich nicht ganz einfach – der Türausschnitt ist klein und der Schweller hoch. Und viel Platz für lange Beine stand dann wohl auch nicht im Lastenheft. Dafür gibt es aber, genau wie vorn, ausreichend Luft überm Scheitel, sogar für größere Passagiere. Schade nur, dass die auf ziemlich dünnen Polstern recht flach über dem Boden sitzen.
Interieur mit Stil und Charme
Eingerichtet ist der Aceman, das kann man ruhig sagen, mit Stil und Charme, die Formgestalter hatten sichtlich Spaß bei der Arbeit. Insgesamt reduziert – bis auf das auffällige, tellergroße OLED-Display mit einem Durchmesser von 24 Zentimetern in der Mitte. Und sogar die typische Kippschalterleiste haben sie uns gelassen, na ja, ein paar Reste jedenfalls. Sehr schön, sieht alles gut aus, funktioniert gut.

Arbeitsplatz im Aceman: Das Cockpit ist klar und reduziert, auffälligstes Element ist natürlich der tellergroße Bildschirm.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Mini Operating System 9 arbeitet zügig und gründlich, die Menüs sind umfangreich, aber gut organisiert. Grafik und Optik sind farbenfroh, fröhlich, verspielt, einfach nur klasse, und die Sprachsteuerung reagiert schnell und schlau.
Der Kofferraum schluckt 300 Liter, mit umgelegter Rückbank sind es maximal 1005 Liter, das ist guter Durchschnitt in dieser Klasse. Die Zuladung liegt mit recht stattlichen 505 Kilogramm allerdings darüber.
Antriebssystem zeigt sich ausgereift
Der Aceman steht auf einer Plattform, die BMW/Mini gemeinsam mit dem chinesischen Konzern Great Wall (z. B. Ora) entwickelt hat, Fahrwerk, Batterie und Motor sind aber eigenständig. Der hier getestete Aceman E wird angetrieben von einem E-Motor mit 184 PS und einem Drehmoment von 290 Nm. Im Test sprintete der Aceman in 7,8 Sekunden von null auf 100 km/h, schafft maximal Tempo 160.

Ausgereifter Antrieb: Auch dem Aceman merkt man die Erfahrung an, die BMW mittlerweile in Sachen E-Mobilität hat.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dem E-System merkt man dann auch in diesem Test die große Erfahrung und Routine an, die BMW/Mini auf diesem Gebiet hat. Das Ganze arbeitet ausgereift und souverän. Der Aceman reagiert schnell und sensibel auf Befehle des Fahrpedals, beschleunigt zügig und lebhaft.
Messwerte
Modell | Mini Aceman E |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,2 s |
0–80 km/h | 5,6 s |
0–100 km/h | 7,8 s |
0–120 km/h | 10,7 s |
0–130 km/h | 12,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,9 s |
80–120 km/h | 5,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 1665/505 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 57/43 % |
Wendekreis links/rechts | 11,0/11,1 m |
Sitzhöhe | 595 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,6 m |
aus 100 km/h warm | 35,1 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 14,4 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 20,5 kWh/100 km (+39 %) |
Sportverbrauch | 24,1 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 212 km |
Die Rekuperation lässt sich in vier Stufen verstellen – das geschieht im Menü, Paddle oder Ähnliches gibt es nicht. Sie arbeitet je nach Modus sanft bis kräftig und auch bis zum Stand. Besonders bequem etwa in der Stadt. Und immer eine Empfehlung ist der zuverlässige, vorausschauende Adaptiv-Modus.
Fahrwerk ist markenstypisch straff
Der Akku ist 38,5 kWh groß (netto, brutto 42,5 kWh), kann mit 11 kW Wechselstrom und maximal 70 kW an der Gleichstromsäule geladen werden – von 10 auf 80 Prozent Batterieladung dauert das dann im besten Fall 28 Minuten. Im Test schaffte der Aceman eine Reichweite von 212 Kilometern – bei einer Außentemperatur von 0 Grad.

Mini hat den Aceman knackig abgestimmt, ohne ihn übertrieben hart zu machen. Die Lenkung spricht direkt und fest an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Abgestimmt hat Mini den 1,7 Tonnen schweren Aceman markentypisch stramm und mit straffen Dämpfern, er fährt sich flott, handlich und lebendig. Gullydeckel und Querfugen nimmt er durchaus steif, zu übertriebener Härte neigt er aber wirklich nicht. Die Lenkung spricht direkt und fest an, wirkt leicht künstlich, insgesamt aber kein schlechtes Gefühl.
Wertung Mini Aceman E
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Vorn angenehm Platz, Fond eng. Schönes Interieur. Kofferraum Durchschnitt, Zuladung hoch. | 3,5 / 5 |
Antrieb | E-Motor gut dosierbar, Rekuperation verstellbar. Reichweite bescheiden, Ladeleistung 70 kW. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Fährt sich flott und lebhaft. Direkte Lenkung passt zum Auto. Ordentliche Bremsen. | 4 / 5 |
Connected Car | Das volle Programm: Riesen-Display mit toller Optik, sehr viele Apps, schlaue Sprachsteuerung. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Kompakte Außenmaße, für diese Größe hohes Gewicht (1,7 Tonnen). Lokal emissionsfrei. | 3,5 / 5 |
Komfort | Bequeme Sitze vorn, stramme Fahrwerksabstimmung, fährt sehr leise. Ausstattung komplett. | 3,5 / 5 |
Kosten | Im Umfeld wirklich nicht günstig. Drei Jahre Gewährleistung, Wartungsintervall zwei Jahre. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,1 |
Was auch für die Bremsen gilt. Im Test stand der Aceman beim Stopp aus 100 km/h mit warmen Bremsen nach 35,1 Metern, solide Leistung. Und es bleibt, typisch EAuto, insgesamt sehr leise an Bord, bei Tempo 130 km/h etwa haben wir 68 dB(A) gemessen, ein sehr guter Wert – gerade für ein, nun ja, kleines Auto.
Preisniveau ist hoch
Der Mini Aceman E mit 42,5-kWh-Akku (brutto) und 184 PS steht ab 30.650 Euro im Konfigurator, in der bewerteten Testwagen-Version – unter anderem mit dem Classic Trim – sind es 35.540 Euro. Zum Classic Trim gehören unter anderem das wirklich sehr schicke Strickgewebe an Armaturenbrett und Türen sowie die Sportsitze mit Polstern aus Stoff und veganem Kunstleder (Vescin), auch sehr ansehnlich.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Aufpreis kosten aber etwa noch Sitzheizung und Head-up-Display (im Paket für 1200 Euro). Im Leasing gab es den Aceman E bei BMW zum Redaktionsschluss ab 299 Euro monatlich. Wie üblich gibt es bei BMW/ Mini drei Jahre Gewährleistung, bei den Versicherungseinstufun gen (z. B. VollkaskoKlasse 21) liegt der Aceman leicht über dem Durchschnitt dieser Klasse. Das passt doch alles ganz gut, so in der Mitte bei Mini.
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