Mini Countryman Electric trotzt Islands härtester Piste
Wie weit kommt der kleine Brite im großen Island?
Abenteuer Island! Mit dem elektrischen Mini Countryman geht es über Schotter, Lava und Klippen – bis an die Grenze des Machbaren. Auf der berüchtigten F622 zeigt der Brite mit Goldhelm, was in ihm steckt.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Aufgebockte Wohnmobile, hochbeinige Geländewagen, rustikale Offroad-Camper – wer im Mini Countryman ganz im Osten Islands von der MS Norönna rollt, der fühlt sich wie im falschen Film und kommt sich ungeheuer klein und verletzlich vor. Denn auf der Insel im Nordatlantik trennt sich die Spreu vom SUV-Weizen, und mit einem modischen Stadtgeländewagen wie unserem Goldhelmchen nimmt hier einen keiner wirklich ernst.
Aber genau deshalb sind wir ja da: Sollen sie ruhig lachen in ihren Land Rovern, Pössls und Pajeros – hier im hohen Norden, auf der dünn besiedelten Vulkaninsel im Atlantik, will der Mini beweisen, dass er nicht nur für den Boulevard gemacht ist, sondern auch für die Buckelpiste.

Aus dem City-SUV wird ein echter Geländewagen.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Das geht auf Island noch immer leichter als anderswo. Zwar ist die Insel mittlerweile eine In-Destination für die Jack-Wolfskin-Fraktion, und die Infrastruktur wird von Jahr zu Jahr besser. Doch selbst die 1300 Kilometer lange Ringstraße ist erst seit Sommer 2019 durchgehend asphaltiert, und wenn man die einzige, nun ja, Fernstraße der Insel verlässt, um einen der vielen Fjorde oder das von Vulkanen, Wüsten und Gletschern geprägte Hochland zu erkunden, steht man schneller auf Schotter, als man Namen wie Eyjafjallajökull, Þingvellir, Eyjafjörður oder Ódáðahraun über die Lippen bekommt.
Im Mini Countryman auf dem Weg zur F622
Aber das ist alles Kinderkram – hier fahren auch die allgegenwärtigen weißen Dacia Duster herum, die mal mit und mal ohne Dachzelt die riesige Leihwagenflotte für Inseltouristen dominieren. Weil wir es ernst meinen, mit der Probe aufs Exempel und die Einsamkeit suchen, die Island noch vor ein paar Jahren ausgemacht hat, geht es vom Fähranleger in Seyðisfjörður über 800 Kilometer in die Westfjorde, wo selbst die Hauptstraßen kaum Asphalt kennen. Dort wechseln die Locals gerne auf ihre Big Foots mit Portalachsen und Ballonreifen – und dort verläuft die sagenumwobene F622.

Die Ausblicke sind grandios für den Sozius. Der Fahrer schaut besser auf die Piste.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Die Straße, auch Svalvogur genannt, gilt in vielen Foren als die gefährlichste Piste der Insel. Nicht, weil sie besonders schwieriges Terrain bietet – durch Lavasand, Schwefelschlamm oder tiefe Gletscherfurten muss man hier nicht. Eigentlich ist es nur ein Feldweg mit grobem Gestein, doch die Streckenführung hat es in sich: links Felsüberhang, rechts Hunderte Meter freier Fall ins Meer. Zwischendurch geht es über rutschige Kiesfelder und zuletzt an der Wasserlinie durchs Geröll – nur bei Ebbe und nur, wenn ein Einheimischer die Sturmschäden beseitigt hat.
Das Internet ist voll mit Videos gescheiterter Abenteurer. Das Wrack eines weißen Mietwagens, das dort einst von der Flut verschlungen wurde, ist zur mahnenden Legende geworden. Mut macht das nicht unbedingt, sorgt aber für Einsamkeit. Gut so, denn ausweichen ist auf der engen Piste hoch über dem Meer ohnehin schwierig – und umdrehen fast unmöglich.
Mutprobe im elektrischen Mini
Und das will unser Lord Helmchen mit seinem goldenen Dach wirklich probieren? Klar, schließlich sind bei Mini Anspruch und Mut traditionell umgekehrt proportional zur Größe. Nur weil er neben den Big Foots aussieht wie ein Zwerg, ist er schließlich der bislang größte Mini aller Zeiten – und gut vorbereitet noch dazu. Auf den Felgen stecken rustikale AT-Reifen, auf dem Dachträger liegt ein vollwertiges Ersatzrad, und im Kofferraum warten Sandbleche und Seil.

Der Mini gibt einem Geborgenheit in der Wildnis.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Dass der Countryman elektrisch fährt, ist kein Nachteil – im Gegenteil. Das spontane Drehmoment von fast 500 Newtonmetern hilft, Steigungen im Schotter zu nehmen oder sich aus dem Kies zu wühlen. Die Batterie ist gut geschützt, am Unterboden kann weniger kaputtgehen als bei einem Benziner. Selbst wenn die Reichweite des 64-kWh-Akkus unter isländischen Bedingungen auf unter 200 Kilometer sinkt, reicht das für das Abenteuer.
Island ist einer der E-Auto-Vorreiter Europas, über 50 Prozent der Neuzulassungen sind vollelektrisch. Selbst in den einsamen Westfjorden gibt es inzwischen Ladesäulen – auch wenn dort oft schon 40 kW als "Schnellladen" gelten. Dem Mini kommt das entgegen, denn mehr als 130 kW zieht er ohnehin nicht.
Rückzug mit Würde
Doch kurz vor dem Ziel blockiert ein Felssturz die Piste. Die Brocken sind zu groß, um sie aus dem Weg zu räumen, und die Erkenntnis reift: Stark ist nur, wer seine Schwächen kennt. Also rangieren wir rückwärts, wenden in einem Dutzend Zügen und rollen zurück nach Þingeyri – nur um es von der anderen Seite noch einmal zu versuchen.

Mit den großen Hunden … Ihr wisst schon: Selbst neben den Bigfoots muss sich der Countryman nicht verstecken.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Auch dort endet die Route abrupt: Die Natur hat den Weg verschluckt, riesige Wackersteine liegen, wo einst die Piste verlief. Ohne Bagger oder Bergepanzer geht hier nichts mehr. Doch der Countryman hat sich wacker geschlagen – und gezeigt, dass Größe nicht in Zentimetern gemessen wird.
Wenn die F622 eines Tages wieder befahrbar ist, kommen wir zurück. Mit Waffeln aus dem Simbahöllin als Belohnung – und einem Mini, der gelernt hat, dass wahre Größe von innen kommt.
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