Mitsubishi Colt 1.0 Turbo: Test
Renault Clio im Japan-Trimm im Test: Schießt der Colt den Vogel ab?

Ohne Renault hätte sich Mitsubishi wohl vom deutschen Markt zurückgezogen. Der neue Colt ist also ein alter Bekannter – aber auch ein gutes Auto?
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Wir Europäer sind schon ein spezielles Völkchen – und Modelle für unseren Geschmack zu entwickeln, braucht Ressourcen. Mit den niedrigen Verkaufszahlen im Corona-Jahr 2020 passte das für Mitsubishi schlecht zusammen. Damals beschloss man, sich erst einmal wieder auf den südostasiatischen Markt zu konzentrieren. Neue Modelle sollte es für Europa nicht geben.
Unterm Mitsubishi-Label steckt ein Clio
Nicht zuletzt der neue Chef der Renault-Gruppe, Luca de Meo, dürfte sich letztlich dafür stark gemacht haben, bekannte Renault-Modelle für Mitsubishi in Europa umzulabeln.

Erkennen Sie den Unterschied? Der neue Mitsubishi Colt ist ein umgelabelter Renault Clio mit anderen Logos und Schriftzügen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Nach dem ASX, der auf dem Renault Captur aufbaut, ist der neue Colt auf Clio-Basis nun das zweite Produkt dieser Vermarktungsidee. Äußerlich fällt auf, dass sie es bei Mitsubishi mit den "Differenzierungen, die die Marken-DNA von Mitsubishi widerspiegeln" nun nicht allzu ernst genommen haben.
Fahrzeugdaten
Modell | Mitsubishi Colt 1.0 Turbo |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 999 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 67 (91)/4500 |
Nm bei 1/min | 160/2000 |
Vmax | 174 km/h |
Getriebe | Sechsgang manuell |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 205/45 R 17 H |
Reifentyp | Continental EcoContact 6 |
Radgröße | 7 x 17” |
Abgas CO2 | 153 g/km |
Verbrauch* | 6,5 l/ 100 km |
Tankinhalt | 42 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Partikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 900/595 kg |
Stützlast | 63 kg |
Kofferraumvolumen | 391-1069 l |
Länge/Breite/Höhe | 4053/1798–1988**/1439 mm |
Radstand | 2583 mm |
Grundpreis | 20.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 23.990 Euro |
Bis auf den Frontgrill und den Schriftzug am Heck hat sich eigentlich nichts geändert. Sogar die "MySense" getauften Fahrmodi stecken noch drin im Colt, alles Renault-Sprech. Wer weniger autoenthusiastisch an die Sache rangeht, stellt aber auch fest: Den durchschnittlichen Mitsubishi-Käufer dürfte herzlich wenig interessieren, woher sein Auto ursprünglich kommt. Schon viel eher, was es denn kann.
Displays mit guter Qualität
Kommen wir also zu den harten Fakten: Im Colt sitzt es sich vernünftig, die Abstände vom Fahrersitz zu Pedalen und Lenkrad passen gut zueinander, die Länge der Beinauflagen geht in Ordnung. Hinten wird es kleinwagentypisch schnell eng, aber wer klagt, der hätte ja auch noch den größeren ASX zur Wahl.

Die breiten Bildschirme bietet erst der Top-Trimm. Darunter fallen beide Screens etwas kleiner aus. Die Darstellung im Cockpit ist top.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Positiv fällt im Großen und Ganzen auch das Infotainment auf. Auflösung und Farbdarstellung des mittigen 9-Zoll-Screens gehen als okay, die des digitalen Kombiinstruments sogar als richtig gut durch.
Messwerte
Modell | Mitsubishi Colt 1.0 Turbo |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 4,0 s |
0–100 km/h | 12,1 s |
0–130 km/h | 21,1 s |
0–160 km/h | 39,3 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 8,6/12,8 s (4./5. Gang) |
80–120 km/h | 13,3/20,5 s (5./6. Gang) |
Leergewicht/Zuladung | 1145/455 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 62/38 % |
Wendekreis links/rechts | 10,7/10,8 m |
Sitzhöhe | 540 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,3 m |
aus 100 km/h warm | 35,1 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 5,4 l /100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,5 l S/100 km (+/- 0 %) |
Sportverbrauch | 8,2 l /100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 153 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 650 km |
Dazu fährt das System zügig hoch und koppelt sich schon nach ungefähr 10 Sekunden kabellos per CarPlay mit dem Smartphone. Der etwas höher montierte Schaltknauf des Sechsganggetriebes sitzt nah am Fahrer. Kleinigkeiten, die im Alltag aber durchaus ins Gewicht fallen.
Der kleine Motor passt zum Colt
Wer die ebenfalls Renault-typische Schlüsselkarte bei sich trägt und den Startknopf drückt, erweckt den Einliter-Turbobenziner mit 91 PS zum Leben. 160 Newtonmeter und 12,1 Sekunden auf 100 km/h hauen niemanden vom Hocker – im mit 1145 Kilogramm recht leichten Colt fühlt man sich aber durchaus passend motorisiert und dank sechstem Gang auf der Autobahn (3000 Touren bei Tempo 130) auch nicht übermäßig gestresst.

Mit dem 91 PS starken Dreizylinder reißt der Colt keine Bäume aus, dank leichten 1145 Kilo Leergewicht ist er aber nicht untermotorisiert.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Lenkung reagiert leichtgängig, eher gefühllos, solider zeigen sich dagegen die Bremswerte, die – ob warm oder kalt – bei gut 35 Metern verharren. 6,5 Liter Verbrauch sind gemessen an wenig Gewicht und wenig Leistung dann aber auch ein eher mittelmäßiger Wert. Wen das stört, der kann den Colt für empfindliche 5000 Euro mehr auch als Vollhybrid erwerben.
Den Kleinen bis zum Gehtnichtmehr hochzurüsten, ergibt aus unserer Sicht auch eher wenig Sinn. Letzen Endes rangiert er preislich ungefähr zwischen der günstigen Konkurrenz von Konzern-Schwestermarke Dacia und den teureren deutschen Fabrikaten, die zum Beispiel in puncto Geräuschdämmung oder Spritspartechnik aber auch noch mehr zu bieten haben.
Höchste Ausstattung muss nicht sein
Stattet man den Colt wie den Testwagen großzügig aus, schmilzt dieser Preisvorteil zusehends dahin. Der Testwagen im höchsten "Top"-Trimm mit ACC, Totwinkelwarner, automatisch abblendbarem Innenspiegel und 360-Grad-Kameras kostet immerhin schon 23.990 Euro.

Unser Tipp: Greifen Sie zur Ausstattungslinie "Plus". Die hat schon viel Nützliches an Bord und bleibt mit 20.990 Euro auch noch im Rahmen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Wer sich beim Colt mit geringfügig weniger Luxus begnügt und zum "Plus" greift, hat auch schon Sitz- und Lenkradheizung, Parkpiepser rundum, Tempomat, Klimaautomatik und Rückfahrkamera dabei. Und bezahlt inklusive Mitsubishi-üblichen fünf Jahren Herstellergarantie gerade mal 20.990 Euro. Eigentlich der deutlich interessantere Deal.
Wertung
Modell | Mitsubishi Colt 1.0 Turbo |
|---|---|
Karosserie | Relativ großer Kofferraum bei aufrechter Bank, im Fond klassentypisch eher was für die Kurzstrecke. |
3,5/5 Punkten | |
Antrieb | Im Kaltstart ruckelig und nicht besonders sparsam, aber flott genug und immerhin mit sechs Gängen. |
3/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Federt etwas störrisch an, gibt sich aber durchaus agil und wirkt auch bei höherem Tempo sicher. |
3,5/5 Punkten | |
Connected Car | Sprachsteuerung starr, versteht aber gut. Kabelloses CarPlay und Android Auto sind Serie. |
3/5 Punkten | |
Umwelt | Es gibt einen Eco-Modus, aber keinen Mildhybrid. Mit gemessenen 6,5 Litern nicht sehr sparsam. |
2,5/5 Punkten | |
Komfort | Sitz- und Lenkradheizung Serie schon ab "Plus", im "Top"-Trimm sind sogar 360-Grad-Kameras Serie. |
3,5/5 Punkten | |
Kosten | Die Preise sind angemessen, aber den Colt kennt halt keiner. Darunter leidet der Wiederverkaufswert. |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3 |
Was die Zukunft der Marke angeht, hat Mitsubishi übrigens kommuniziert, die neuen Modelle würden von den Kunden gut ange-nommen. Der bereits 2021 auf anderen Märkten eingeführte, wirklich von Mitsubishi entwickelte Outlander soll als Plug-in-Hybrid nun im Herbst auch nach Deutschland kommen.
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