Autonome Fahrsysteme soll es künftig auch zum Nachrüsten geben. Die israelische Intel-Tochter Mobileye hat einen neuen Komponentenbaukasten vorgestellt, der es Mobilitätsfirmen erlauben soll, ihre Fahrzeuge in Zukunft nachzurüsten. Die Gesamtlösung wird unter dem Namen Mobileye Drive vertrieben und ist ab sofort verfügbar. Das Unternehmen ist unter anderem auch für seine nachrüstbaren Assistenzsysteme bekannt.
Ob selbstfahrende Taxis, Busse oder sogar Pkw – geht es nach Mobileye, sollen künftig die unterschiedlichsten Bereiche der Mobilität Zugang zu autonomen Fahrsystemen erhalten. Damit auch eine Level-4-Automation im realen Straßenverkehr möglich ist, setzt das Unternehmen auf zwei voneinander unabhängige Systeme.

Das eine setzt auf 13 Kameras , das andere auf neun Lidar - und sechs Radar-Sensoren. Beide Systeme können das jeweils andere ersetzen und bieten somit Ausfallsicherheit. Daten aus umliegenden Fahrzeugen sollen in der Cloud zu Karten zusammengebaut werden und so eine präzise Navigation in Städten überall auf der Welt erlauben. Mobileye beschreibt das System außerdem als sicher für seine Umwelt. Das System soll zuverlässig Entscheidungen treffen können und somit Unfällen vorbeugen.

Auch der Autopilot für private Pkw ist ein Thema

Mobileye Transdev Lohr Kooperation
Das i-Cristal Shuttle der Lohr Gruppe soll ab 2023 mit Mobileye Drive in Europa unterwegs sein.
In erster Linie zielt Mobileye mit seinem Level-4-Baukasten vor allem auf Nahverkehrs-Anbieter und Betreiber ab, die ihre Flotte und Shuttles in Zukunft automatisieren wollen. Gleichzeitig wird in der Produktankündigung auch von einer Autopilot-Funktion für private Pkw gesprochen. Neben der Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern und der Anwendung ab Werk soll das System auch nachträglich verbaut werden können. Dazu müssen die Nachrüst-Kandidiaten aber über eine geeignete Plattform, doppelt ausgelegte Sicherheitsmechanismen und eine hohe Verfügbarkeit der Lenk- und Bremssysteme verfügen, so Mobileye. Nicht jedes Fahrzeug kann also in Zukunft hochautonom auf der Straße unterwegs sein.

Autonomes Fahren nach Level 4 in Deutschland noch nicht erlaubt

Autonome Fahrsysteme sind in fünf unterschiedliche Level aufgeteilt. Level 4 stellt die zweithöchste Ausbaustufe solcher Systeme dar. Hier übernimmt das Fahrzeug im Grunde alle Aufgaben selbst. Eine Person muss das System allerdings überwachen und im Notfall eingreifen können. Innerhalb definierter Bereiche ist das Fahrzeug allerdings nicht auf einen Fahrer angewiesen. Hier liegt der große Unterschied zur Level-5-Autonomie, bei der der Mensch keinen Einfluss mehr nehmen kann und das jeweilieg Auto in jeder Lage selbst agiert. Heutige Fahrerassistenzsysteme wie Stauassistenten oder ähnliches arbeiten mit Level 2, im Herbst 2021 ist die neue Mercedes S-Klasse als erstes Fahrzeug in Deutschland mit einem Level-3-Assistenten erhältlich.
Hier kann der Fahrer sich im automatischen Modus anderen Dingen widmen, muss aber mit einigen Sekunden Vorlauf imstande sein, das Fahrzeug zu übernehmen. Obwohl Mobileye das System schon jetzt auf den Markt bringt, wird es in Deutschland wohl noch eine Weile dauern, bis es zugelassen ist. Der Gesetzgeber ist nämlich in Sachen autonomes Fahren hierzulande noch ziemlich vorsichtig.