Intuitiver und reduzierter soll das neue BMW iDrive in Zukunft werden. 20 Jahre nach der Einführung des Bediensystems verändern die Münchner ihre Bedienlogik grundlegend. Dabei geht der Fokus weg von der reinen Bedienung des Fahrzeugs hin zur Interaktion. Den Grundstein für das neue System legen bereits aktuelle BMW-Modelle mit dem BMW Operating-System 7.0. Die neue Version 8.0 denkt die bekannten Ansätze aber neu und wird erstmals im BMW iX und später im BMW i4 zu sehen sein.
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Gebrauchte BMW im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt

Curved-Display als feste Größe beim neuen iDrive

Das neue iDrive besteht aus drei Bestandteilen: dem großen Curved-Display, dem iDrive-Controller und der Sprachsteuerung. Letztere spielt neben der Touch-Bedienung in Zukunft die zentrale Rolle bei BMW, denn die Anzahl der Tasten wurde um knapp die Hälfte verringert. Der "Intelligent Personal Assistent" soll beim neuen Infotainment situationsabhängige Antworten geben können und dient zeitgleich als interaktives Handbuch des Fahrzeugs. Visualisiert wird der Assistent mit sich bewegenden Kugeln im Zentralbildschirm. Wie sehr sich der Funktionsumfang zum heutigen Stand des Systems unterscheiden wird, verrät BMW aktuell noch nicht. Hier wird nur ein Praxistest erste Erkenntnisse liefern können.
BMW neues iDrive
Der seit 20 Jahren bewährte Dreh-Drücksteller überlebt die digitale Transformation.


BMW verschiebt die Klimabedienung in das Display

Die Klimabedienung findet ausschließlich auf dem 14,9-Zoll Zentraldisplay statt. Aufgrund von ausgewerteten Daten der letzten Jahre hat BMW die Klimaautomatik angepasst und steuert die Luftzufuhr mit dem neuen iDrive automatisch. Die Insassen wählen nur noch die gewünschte Temperatur für ihre Klimazone, den Rest macht das System im Normalfall selbstständig.

Neue Optik für BMWs iDrive

Grundlegend neu gestaltet ist die Optik des gesamten Systems. Die Farbgebung ist in gedeckten Farben gehalten und folgt trotz unterschiedlicher Ansichten einer gemeinsamen Ästhetik. Markante Formen und Display-übergreifende Animationen geben hier den Ton an. Im 12,3 Zoll großen Kombiinstrument und dem Zentralmonitor lassen sich drei unterschiedliche Ansichten (Personal, Sport, Efficient) auswählen, die jeweils andere Informationen in den Fokus rücken. Die Tachoeinheit erhält ebenfalls eigene Ansichten. Je nach Modus werden bis zu zehn Stellhebel am Fahrzeug verändert. Die neuen "My Modes" ersetzten die bisherigen klassischen Fahrmodi und verändern neben Parametern wie der Lenkcharakteristik oder der Dämpfereinstellung auch das Ambientelicht und den eingespielten Motorklang bei E-Autos.
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Vertikale Kacheln strukturieren den Zentralbildschirm. Mit dem neuen iDrive soll eine Erlebniswelt geschaffen werden.

BMW setzt in Zukunft auf 5G

Rund 2,5 Millionen bestehende Fahrzeuge sind durch das BMW Operating System miteinander vernetzt. Sie alle liefern Daten in die Cloud von denen jeder BMW-Nutzer profitiert. Das Konzept der vernetzten Flotte ist grundlegend nicht neu, mit dem neun iDrive nutzen die Münchner allerdings erstmals den 5G-Mobilfunk-Standard für den Datenaustausch. Damit macht sich BMW fit für das kommende Jahrzehnt und ermöglicht blitzschnellen Datenabgleich mit den BMW-Servern. Dank fünf starker Rechner im Auto sollen dabei nur wirklich notwendige Informationen ausgetauscht werden, während ein Großteil der Daten direkt im Fahrzeug verarbeitet wird. Over-the-Air-Updates mit einer Größe von einem Gigabyte sollen in nur 20 Minuten verarbeitet sein, damit sollen alle anderen Konkurrenten in den Schatten gestellt werden. Wer bereits einen BMW besitzt, wird allerdings wohl nicht auf das neue System updaten können, allerdings könnte sich das Erscheinungsbild auf Wunsch vielleicht ändern.

BMW gewährt Zugang für Drittanbieter-Apps

Anders als viele andere Hersteller, setzt BMW mit seinem neuen System auf die Einbindung von Drittanbieter-Applikationen. Apple CarPlay und Android Auto sollen in Zukunft noch besser in BMW integriert sein und einen einfachen Wechsel zwischen Smartphone-Inhalten und BMW iDrive-Ansichten ermöglichen. Weitere Integrationen sollen noch folgen, in China setzen die Münchner sogar auf eine Alibaba- und Tencent-Integration.
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Reduzierte Anzeigen geben dem Fahrer einen Überblick. Drei unterschiedliche Ansichten gibt es.

Was bedeutet das für BMW-Kunden?

Das iDrive wirkt im Vergleich zu den Vorgängerversionen deutlich schlanker. Die Bedienung soll mit dem Operating System 8.0 noch intuitiver werden und setzt in Zukunft noch mehr auf Spracheingaben. Der klassische iDrive-Controller bleibt BMW-Fans jedoch erhalten. Auch 20 Jahre nach seiner Einführung bleibt der Dreh-Drücksteller fester Bestandteil von BMW-Modellen. Mit seinem neuen Infotainment will BMW seine Kunden in Zukunft emotional mit dem Fahrzeug verbinden und eine eigene Erlebniswelt schaffen. Das alles bereitet die Insassen auf autonome Fahrfunktionen vor, bei denen früher oder später das Fahren des Fahrzeugs in den Hintergrund rückt, während die Zeit im Auto der Erholung dienen kann. Leider verzichtet das System zu Beginn auf Augmented Reality-Funktionen oder den Einsatz von Gesten zur Auswahl von Inhalten. Ob solche Funktionen später nachgereicht werden, bleibt abzuwarten.

Fazit

BMW überführt sein bekanntes Bedienkonzept in die Neuzeit. Dabei überarbeiten die Münchner ihr System auf den ersten Blick konservativer als gedacht. Gewohnte Bedienelemente bleiben, während sich der Bedienfokus verschiebt. Wie sehr die Sprachsteuerung im Alltag dazu lernt, muss allerdings der Test zeigen. Dass BMW aber einem völlig anderen Ansatz nachgeht als beispielsweise Mercedes, bleibt aber außer Frage. Kein Betriebssystem im Auto bietet derzeit mehr Lounge-Charakter.