Nissan Qashqai (2014): Fahrbericht

Nissan Qashqai (2014): Fahrbericht

So fÀhrt der neue Qashqai

Der neue Nissan Qashqai will die Welt der kompakten Familienkutschen aufmischen. Was ist von dem japanischen Crossover zu erwarten? Wir sind den Trendsetter schon gefahren.
Golfspielen mag ein elitĂ€res VergnĂŒgen sein. Aber Golf fahren tut jeder. Und weil sich auch sonst alle in der Kompaktklasse tummeln, hat Nissan vor sieben Jahren einen neuen Weg gewĂ€hlt. Als einer der ersten haben die Japaner damals mit dem Qashqai auf einen Crossover gesetzt, das Beste von Kombi, GelĂ€ndewagen und normalem SchrĂ€gheck vereint und nach dem Motto "Anders, nicht artig" ordentlich abgerĂ€umt: Statt der geplanten 100.000 Autos haben sie im Jahr bis zu 250.000 Autos verkauft und damit viele andere Importeure ganz schön alt aussehen lassen.
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Doch mittlerweile ist die Konkurrenz groß und das Angebot schier unĂŒberschaubar. Deshalb hat Nissan beim Generationswechsel ordentlich nachgelegt: Ein sportlicheres Design, ein höherwertiger Innenraum mit mehr Platz auf allen PlĂ€tzen, sparsamere Motoren und mehr Assistenzsysteme sollen den FĂŒhrungsanspruch des GrenzgĂ€ngers untermauern. Und falls das nicht ĂŒberzeugend genug ist, haben die Japaner auch noch am Preis gefeilt. Es sind zwar nur 50 Euro Unterschied. doch wenn Mitte Februar fĂŒr 19.940 Euro die Auslieferung beginnt, gibt es mehr Auto fĂŒr weniger Geld.

Nissan Qashqai (2014): Preise

Im Zuge des Generationswechsels geht auch der Großstadtabenteurer wieder ein bisschen aus dem Leim: Er wird fĂŒnf Zentimeter lĂ€nger und einen Hauch breiter, duckt sich dafĂŒr aber etwas flacher auf die Straße. Zusammen mit dem stĂ€rker konturierten Design, dem neuen Gesicht und der bis ĂŒber die KotflĂŒgel umlaufenden Motorhaube sieht der Qashqai damit etwas sportlicher und schnittiger aus. Außerdem bietet er ein bisschen mehr Platz: Dank neuer Sitze wachsen Kopf- und Kniefreiheit und mit der LĂ€nge der Kofferraum, der um 20 auf 439 Liter zulegt. Außerdem gibt es einen praktischen Ladeboden, der auch als Raumteiler genutzt werden kann. Was es allerdings nicht gibt, ist eine sonderlich variable RĂŒckbank: Die Lehne ist nur zwei-, statt dreigeteilt, verschieben lĂ€sst sich das Sofa der HinterbĂ€nkler auch nicht, und der Qashqai+2 mit verlĂ€ngertem Radstand und dritter Sitzreihe wird gestrichen. An seine Stelle tritt im Sommer die Neuauflage des X-Trail.
Der Nissan Qashqai II auf der Tokyo Motor Show 2013

Pfiffiges Infotainment-System mit vielen Apps

Die Materialanmutung im Innenraum wurde verbessert, auch bei Technik und Ausstattung legten die Japaner beim neuen Qashqai nach.

Außen sportlich, innen edel – das zumindest war die Absicht der Designer, die das Innenleben ordentlich aufgemöbelt haben. Die bunte Ambientebeleuchtung, die aus der Einfassung des SchaltknĂŒppels herausstrahlt, mag ein wenig albern sein. Aber das Cockpit sieht klasse aus, die Bildschirme sind brillant und die Materialanmutung ist um lĂ€ngen besser als frĂŒher. Außerdem gibt es ein pfiffiges neues Infotainment-System, das online gehen und eine Reihe von Apps einspielen kann.

360-Grad-Panorama und Lenkroboter

Weil man mit Ambiente allein in dieser Klasse nicht punkten kann, legen die Japaner auch bei Ausstattung und Technik nach. Deshalb gibt es nicht nur zum ersten Mal bei Nissan LED-Scheinwerfer, sondern vor allem ein krĂ€ftig aufgerĂŒstetes Heer von Assistenzsystemen: Eine Kamera liest Verkehrszeichen und regelt das Fernlicht, der Abstandswarner leitet im Ernstfall eine automatische Notbremsung ein, die Elektronik ĂŒberwacht die Aufmerksamkeit des Fahrers und Parken wird dank 360-Grad-Panorama und Lenkroboter zum Kinderspiel.

Optische Sportlichkeit tÀuscht ein wenig

Mit Birdview-Überwachung und einer betont leichtgĂ€ngigen, in zwei Stufen verstellbaren Lenkung wirkt der Qashqai in der Stadt damit so handlich und wendig, als sei er nach unten aus der Kompaktklasse herausgefallen. Über Land allerdings wĂŒrde man sich den Wagen ein wenig bestimmter wĂŒnschen. Das neue, viel komfortablere Fahrwerk ist zwar freundlich zum RĂŒcken und die MĂ€gen der HinterbĂ€nkler. Aber so sportlich wie der Qashqai aussieht, fĂ€hrt er dann halt doch nicht.

Unter der Haube wurde abgerĂŒstet

Aber das war auch gar nicht das Ansinnen der Entwickler. Sie wollen vor allem den SUV-Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Deshalb haben sie unter der Haube ein wenig abgerĂŒstet, den Verbrauch auch mit bis zu 40 Kilo Gewichtsreduktion und die schnittigere Form um bestenfalls ein Drittel gedrĂŒckt. Daher kommt der Qashqai jetzt auf Werte, die sich von normalen Kompakten wie dem VW Golf oder dem Renault MĂ©gane kaum mehr unterscheiden: 3,8 Liter fĂŒr den sparsamsten Diesel und 5,0 Liter fĂŒr den besten Benziner sind jedenfalls eine ordentliche Ansage.

Kaufberatung kompakte SUV

Video: Nissan Qashqai (2014)

Der Qashqai ist gewachsen

Allerdings ist die Motorauswahl eher bescheiden. Denn starten wird der Qashqai in der Benzin-Fraktion mit einem neuen 1,2-Liter-Turbo, der 115 PS leistet und von einem 1,6-Liter flankiert wird. Auch der kommt als Turbo-Direkteinspritzer und kommt deshalb auf 150 PS. Ebenfalls zwei Alternativen gibt es zunĂ€chst bei den Dieseln: Einen 1,5-Liter mit 110 und einen 1,6-Liter mit 130 PS. Zwar sind vier verschiedene Antriebe nicht schlecht, sowohl der kleine Benziner als auch der große Diesel machen bei der ersten Testfahrt einen ganz munteren Eindruck, das optionale CVT-Getriebe fĂŒr den 1,6-Liter ist nicht mehr ganz so nervig und wahrscheinlich sind 190 km/h Spitze fĂŒr den 130-PS-Motor allemal genug fĂŒr eine Familienkutsche. Doch die Spreizung der Motorpalette ist viel zu gering, die Unterschiede sind kaum messbar. Und dass es den Allradantrieb fĂŒr 2000 Euro Aufpreis nur fĂŒr den stĂ€rkeren Diesel gibt, ist vielleicht auch nicht die beste Entscheidung.

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Schnittiger und sparsamer, intelligenter und hochwertiger und obendrein noch ein bisschen gerĂ€umiger – eigentlich hat der neue Qashqai damit alles, um seine Rolle als Trendsetter unter den Crossovern zu verteidigen. Aber so ganz traut Nissan dem Braten offenbar nicht. Denn fĂŒr all jene, denen so ein GrenzgĂ€nger doch ein bisschen zu modisch und markant ist, bereiten die Japaner fĂŒr den Herbst 2014 einen konventionellen Kompakten vor, der direkt gegen Golf & Co positioniert werden soll.

Autor: Thomas Geiger

Stichworte:

SUV Kompakt-SUV

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