Hybride gibt es unter den Familien-SUV viele. Und fast jeder Hersteller verspricht weniger Verbrauch, mehr Effizienz oder hohe elektrische Reichweiten. Der Nissan X-Trail hält sich aus diesem Wettrüsten raus. Statt überhaupt einen Plug-in-Hybrid anzubieten, verfolgen die Japaner beim X-Trail ihren eigenen Ansatz: Er ist ein serieller Vollhybrid – und damit recht außergewöhnlich.
Denn das SUV fährt sich nicht wie ein typischer Parallel-Hybrid, bei dem sowohl Verbrennungs- als auch E-Motor die Räder antreiben. Das wird schon nach wenigen Kilometern rund um Barcelona klar. Vielmehr verhält er sich wie ein Elektroauto, das jedoch einen Tank hat. Beim Anfahren gibt es kein Zögern, danach keine Schaltvorgänge und keine Zugkraftunterbrechung. Stattdessen schiebt das SUV mit 330 Newtonmetern Drehmoment vorn und 195 Newtonmetern hinten direkt und nachdrücklich an. Wer nicht weiß, wie der Antrieb arbeitet, würde den Verbrennungsmotor hinter der ruhigen Kraftentfaltung kaum vermuten.

Nissan X-Trail N-Trek e-4ORCE: Der Dreizylinder bleibt im Hintergrund

Der Grund dafür ist einfach. Der 1,5-Liter-Dreizylinder treibt niemals die Räder an. Seine einzige Aufgabe besteht darin, als Antrieb eines Generators Strom zu erzeugen. Den Vortrieb übernehmen ausschließlich die Elektromotoren. Im e-4ORCE arbeiten davon gleich zwei – einer vorne, der zweite hinten. Zusammen leisten sie 213 PS und sorgen für den elektrischen Allradantrieb.
Nissan X-Trail N-Trek e-4ORCE
Zwei Elektromotoren mit zusammen 213 PS treiben den X-Trail e-4ORCE an.
Bild: Nissan
Beeindruckender als die Fakten ist allerdings die Abstimmung. Während viele Parallel-Hybride unter plötzlicher Last laut werden und den Verbrenner unabhängig von der Geschwindigkeit hochdrehen, bleibt der X-Trail gelassen. Selbst beim Überholen oder kräftigen Beschleunigen hält sich der Dreizylinder akustisch angenehm zurück. Auf unserer Testfahrt war das kräftig arbeitende Gebläse der Klimaanlage bei hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad häufiger zu hören als der Motor selbst.
Auch der Verbrauch passt. Nach einer abwechslungsreichen Runde durch Stadtverkehr, Landstraßen und Schnellstraßen zeigte der Bordcomputer 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Das dürfte nicht immer reproduzierbar sein, verdeutlicht aber, wo sich das Konzept am wohlsten fühlt: in der Stadt und im Überlandverkehr. Der kombinierte WLTP-Verbrauch liegt bei 6,2 bis 6,6 Litern auf 100 Kilometer. Woraus sich eine rechnerische Reichweite von etwa 833 bis 887 Kilometern.

Google zieht endlich ein

Die eigentliche Modellpflege fällt dagegen dezent aus. Nissan hat Front und Heck leicht nachgeschärft, den Kühlergrill verbreitert und die LED-Leuchten modernisiert. Wer den Vorgänger kennt, muss allerdings zweimal hinschauen, um die Unterschiede zu erkennen.
Nissan X-Trail N-Trek e-4ORCE
Die Modellpflege fällt optisch zurückhaltend aus. Die größten Neuerungen finden sich im Cockpit.
Bild: Nissan
Deutlich sichtbarer sind die Änderungen im Innenraum. Das neue Nissan-Connect-System mit 12,3-Zoll-Touchscreen integriert Google Maps, den Google Assistant und den Play Store direkt ins Fahrzeug. Das funktioniert im Alltag überzeugend. Ziele werden schnell gefunden, Sprachbefehle zuverlässig umgesetzt und Updates kommen künftig kabellos ins Auto. Genau diese digitale Modernisierung hatte dem X-Trail bislang gefehlt.
Die getestete N-Trek-Version setzt zusätzlich auf robuste Alltagstauglichkeit statt bloßer Offroad-Optik. Wasserabweisende Sitzbezüge, Gummi-Fußmatten und eine beidseitig nutzbare Kofferraumwanne mögen unspektakulär wirken – im Familienleben gehören sie aber zu den Ausstattungsdetails, über die sich vor allem Eltern von Kleinkindern freuen. Das Panorama-Glasdach sorgt gleichzeitig dafür, dass der Innenraum trotz des robusten Auftritts angenehm hell bleibt.

Die linke Spur ist nicht seine Stärke

Dass der X-Trail seit Jahren zu den beliebtesten Familien-SUV zählt, überrascht auch beim Facelift nicht. Die verschiebbare Rückbank, bis zu 575 Liter Kofferraumvolumen und die optionale dritte Sitzreihe machen ihn zu einem der variabelsten Modelle seiner Klasse. Hier wurde nichts verschlimmbessert – und das ist durchaus als Kompliment gemeint.
Nissan X-Trail N-Trek e-4ORCE
Mit elektrischer Kraftentfaltung und Allradantrieb bietet der X-Trail ein ungewöhnliches Fahrerlebnis für ein Familien-SUV.
Bild: Nissan
Perfekt ist das Antriebskonzept allerdings nicht. Auf langen Autobahnetappen mit hohem Tempo stoßen serielle Hybride an physikalische Grenzen. Weil der Benziner den Strom zunächst erzeugen muss, bevor ihn die Elektromotoren wieder in Vortrieb umsetzen, arbeitet das System bei Dauer-Vollgas weniger effizient als klassische Hybridantriebe. Nissan begrenzt die Höchstgeschwindigkeit deshalb auf 180 km/h. Für die meisten Käufer dürfte das allerdings eher ein theoretischer Nachteil bleiben. Wer überwiegend pendelt, durch die Stadt fährt oder am Wochenende mit der Familie unterwegs ist, wird die Stärken des Konzepts deutlich häufiger erleben als seine Schwächen.
Nissan hat am X-Trail genau dort nachgelegt, wo es nötig war. Das modernere Infotainment bringt das Familien-SUV digital auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Die Besonderheit bleibt jedoch der e-Power-Antrieb. Er vermittelt ein Fahrgefühl, das näher am Elektroauto liegt als an einem klassischen Hybrid, arbeitet angenehm harmonisch und überzeugt gerade im Alltagsverkehr mit niedrigem Verbrauch. Wer regelmäßig mit Höchsttempo über die Autobahn jagt, findet jedoch passendere Konzepte.