Fahr nach Amerika, haben sie gesagt, da ist das Wetter besser als hier in Deutschland. Fahr in die Staaten, da gibt es noch richtig, Pardon, geile Autos, haben sie gesagt. Okay, also im Januar die Sachen gepackt und mit Kind und Kegel einmal rübergejettet. Quasi Urlaub und Job miteinander verbunden, so ganz ohne Autos geht es für einen Benzinjunkie wie mich dann doch nie. Zumal wenn man in ein Land fährt, in dem man die sportlichen Autos noch richtig feiert und ihnen keine Maulkörbe in Form von Ottopartikelfiltern oder Ähnlichem verpasst.
Als es also klar war, es geht in die USA, brauchte ich nicht lange zu recherchieren. Chef Robin Hornig schwärmte letztens noch vom neuen Nissan Z, den er vergangenes Jahr gefahren hatte. Und die Japaner hatten in den Staaten vor Kurzem die Sportvariante Z Nismo vorgestellt. Damit war also der erste Kandidat klar. Und als ich dann noch meinen Ex-Kollegen Frank Wiesmann, einen der begnadetsten Petrolfreaks, anrief, war die Wunschliste nur noch Formsache.
Nissan Z Nismo
In einer Welt, in der E-Autos und SUV die Straße beherrschen, tut so ein toll gezeichnetes Sportcoupé wie der Z einfach gut. Der würde auch gut nach Deutschland passen.
Bild: Jonathan Hargrove
Er schwärmte von so vielen tollen Japanern, ich solle vor allem mal den Type S von Acura probieren. Damit war dann auch Auto Nummer zwei fix, womit ich diese schöne Zweier-Story im Kasten hatte. Es hätten noch mehr werden sollen, Subaru WRX, Nissan GT-R und einer dieser Blackwing-Caddies standen noch auf dem Zettel.
Doch irgendwann streikte die Familie, es wurde dann noch ein Auto aus Frank Wiesmanns Job als Porsche-USA-Pressemann, eine Fahrt im Cayenne Turbo GT ohne Hybrid.
Wie gesagt, Nissan Z Nismo und Acura Integra Type S waren angefragt und standen auch pünktlich am Flughafen in Atlanta für eine Probefahrt bereit. In Deutschland hätten wir daraus sicher einen Vergleichstest gemacht, obwohl, so richtig passen sie nicht zusammen.
Der Nissan mit Hinterradantrieb und 420 PS aus einem V6-Biturbo, der Acura deutlich schwachbrüstiger, mit einem Zweiliter-Vierzylinder-Turbo und 320 PS. Acura? Ja, so heißt der Premiumableger des japanischen Autobauers Honda in Asien und Amerika. Integra?
Nissan Z Nismo
Der doppelt aufgeladene Sechszylinder leistet in der Nismo-Variante 420 PS.
Bild: Jonathan Hargrove
Ist das nicht dieses drehzahlwütige Coupé, das es auch bei uns in Deutschland ab 1998 für drei Jahre zu kaufen gab? Stimmt, die Japaner haben den legendären Namen wiederbelebt und die Civic-ähnliche Baureihe von Acura so benannt.

Type S, das Schwesternauto des Honda Civic Type R FL5

Fotograf Jonathan Hargrove ist noch fleißig an den Details der beiden Autos, Zeit für einen kurzen Technik-Überflug. Der Acura Integra Type S ist quasi das Schwestermodell des Honda Civic Type R FL5. Die beiden Modelle teilen sich nicht nur die gleiche Plattform, auch in Sachen Performance sind sie mehr oder weniger identisch. Vom Aero-Paket einmal abgesehen.
Acura Integra Type S
Sieht viel ziviler aus als der Civic Type R, fährt auch deutlich handzahmer als der Honda.
Bild: Jonathan Hargrove
Man könnte sagen, der Integra ist die elegantere und luxuriösere Variante des Civic Type R. Breite Backen und XXL-Lufteinlässe hat er trotzdem, am Heck thronen die bekannten drei Endrohre, im Vergleich zum Honda sind aber alle gleich dimensioniert. Motor, mechanisches Diff und manuelles Getriebe sind genauso eins zu eins vom Civic übernommen wie das Interieur. Einzig bei der Abstimmung von Motorcharakteristik und adaptivem Fahrwerk geht man andere, weichere Wege. Erfahren wir gleich.
Das Z der Nissan-Baureihe ist in Deutschland nicht unbekannt. Bis vor drei Jahren (370Z) waren die sportlichen Coupés hierzulande gern genommene Exoten. In Sachen Performance waren die "Zettis" nie vorn dabei, dafür feierte man sie in sämtlichen "Fast & Furious"-Streifen hoch und runter.

Technische Daten und Preis: Nissan Z Nismo & Acura Integra Type S

Technische Daten und Preis: Nissan Z Nismo & Acura Integra Type S
Motor
R4, Turbo, vorn quer
V6, Biturbo, vorn längs
Hubraum
1998 cm3
2997 cm3
Leistung
235 kW (320 PS) bei 6500/min
308 kW (420 PS) bei 6400/min
Max. Drehmoment
420 Nm bei 2600–4000/min
384 Nm bei 2000–5200/min
Antrieb
Vorderrad, Sechsgang manuell
Hinterrad, Neunstufenautomatik
L/B/H
4724/1900/1407 mm
4399/1869/1316 mm
Leergewicht
1460 kg (DIN)
1680 kg (DIN)
0-100 km/h
5,5 s
ca. 4,6s
Spitze
270 km/h
250 km/h
Preis
51.800 Dollar
64.990 Dollar
Aufgrund der strengeren europäischen Abgasnormen entschieden sich die Japaner, den 370Z-Nachfolger nur nach Asien und Amerika zu bringen. Und der heißt einfach Z.
Pünktlich zu meinem USA-Besuch hatte man die Nismo-Version vorgestellt. Unter der Haube bleibt es beim 3,0-Liter-V6-Biturbo, für den Nismo aber mit mehr Ladedruck und besserem Kühlsystem für 20 zusätzliche PS und 46 Nm mehr Drehmoment gegenüber dem Standard-Z. Konkret 425 PS und 521 Nm. Die Leistung wird über eine Neunstufenautomatik mit Nismo-spezifischer Abstimmung übertragen, Handschaltung gibt es nicht. Hinzu kommen leichtere Rays-19-Zoll-Räder und als Reifen Dunlop SP Sport Maxx GT600.
Acura Integra Type S
Kaum Unterschiede zum Civic Type R. Der Schalthebel fasst sich etwas besser an.
Bild: Jonathan Hargrove
Optisch? Im Vergleich zum Serien-Z eine geänderte Frontschürze, deren rechteckige Kühlöffnung nun trapezförmig ausfällt und weiter nach vorn reicht, ähnlich wie beim alten Fairlady 240ZG. Dazu dezenter, dreiteiliger Heckspoiler und vom GT-R inspirierte Heckschürze. Fahrwerk? Viel steifer, geänderte Stabis, neu abgestimmte Dämpfer und straffere Federn. Und der Z Nismo hat einen Sport+-Modus. Bedeutet? Schnellere Schaltzeiten. Die Fotos sind im Kasten, ab auf den Highway!
Zuerst mit dem Honda, Pardon, Acura. Schon beim Einsteigen wird klar, das ist etwas weichgespülter als im mir bekannten Civic Type R. Keine seitenhaltigen Sportsitze, dafür bequemes Sofagestühl. Der Rest passt, der Schaltknuffel ist genial. Schon nach den ersten Meilen breites Grinsen. Die Schaltung lässt sich auf extrem kurzen Wegen durchreißen, hochpräzise Führung und extrem lockere Rastung, der Motor röhrt zur Drehzahlgrenze ein bisschen präsenter als die OPF-Civic hierzulande. Schnorcheln, zwitschern kann er auch.

Mehr sportives Feeling im Nissan Z Nismo

Im Kurvigen spürt man dagegen, dass das Fahrwerk doch mehr für den Alltag als für die Rennstrecke ausgelegt ist. Wer im zweiten Gang aus einer Spitzkehre herausfetzt, muss mit scharrenden Vorderrädern und teils wüstem Zerren in der Lenkung rechnen. Und das trotz derselben Michelins im 265er-Format wie beim Civic Type R. Spätestens zum dritten Gang hat der Acura seine Power jedoch wieder im Griff. Insgesamt wirkt die Inszenierung ein wenig verschroben. Auf der einen Seite der weichgespülte Type-S-Kitsch mit fehlendem Geflügel und Großserien-Plüsch. Auf der anderen Seite das ganze Performance-Aufgebot, das das Fahrgefühl gut nachröstet.
Mal sehen, ob das der Nissan Z Nismo besser macht. Und schon beim Umstieg in das Coupé kommt deutlich mehr sportives Feeling auf. Die tief positionierten Recaro-Schalen passen perfekt, Lenkrad und Schaltwippen liegen gut in der Hand, wenn man den Sechszylinder startet, sogar ein leichter Anflug von Gänsehaut. Wir beginnen im Comfort-Mode und rollen ein bisschen durch die Gegend. Herrlich entspannt, die Automatik schaltet unmerklich, dazu Countrymusik aus dem Radio.
Nissan Z Nismo
Tiefe, sportiv gestylte Sportsitze im Nissan Z Nismo.
Bild: Jonathan Hargrove
Was will man mehr? Doch wir wollen mehr, ab in den Sport+-Mode, Getriebe auf manuell. Und auf einmal ist der Z ein ganz anderer. Schon knapp über Standgas verbeißt sich der Biturbo-V6 in der rechten Sohle, reißt an, dreht hoch, knurrt, orgelt und hechelt auch dem kleinsten Gasstupser fast schon übermütig hinterher.
Doch unten- und obenherum ist das dann doch nicht so quirlig wie bei manch europäischem Konkurrenten. Auch bei flotter Kurvenfahrt fehlt es an Biss. Die Dunlops kleben nicht gut genug, die Lenkung sitzt zu locker, die Sperre arbeitet nicht immer hilfreich, einzig der Motorbeat macht beim Stürmen Freude. Alles in allem viel zu zivil im Vergleich zu seinem Namen und der Optik.

Fazit

Mit diesen beiden Boliden kommt wieder dieses „Fast & Furious“-Feeling auf. Genau, was uns in Deutschland immer mehr abgeht. Beide Autos sehen toll aus, „amazing“, wie die Amis sagen. Damit fällt man selbst in den Staaten auf. Fahrdynamisch werden sie aber ihrer Optik nicht ganz gerecht. Der Nismo könnte es nie mit M2 oder Cayman aufnehmen, der Acura ist weit weg vom Hardcore-Civic Type R.