Corona ändert unser Fahrverhalten, ob wir’s wollen oder nicht. Umfragen wie die jüngste von Yougov deuten darauf hin: Danach ist derzeit 70 Prozent der Befragten das eigene Auto das liebste Beförderungsmittel. Und ich vermute, die Liebe zum Auto wird eher zu- als abnehmen.
Warum wir weiter gern im eigenen Wagen fahren? Klar: Trotz Impfung und Lockdown wird sich Corona nicht so einfach verflüchtigen. Schuld daran sind Impfmuffel und Maskenverweigerer, aber auch das anpassungsfähige Virus selbst und der sich auf Dauer abschwächende Impfstoff im Blut.

Flaues Bauchgefühl in den Öffis

Deshalb wird auch das flaue Bauchgefühl, mit dem ich in öffentliche Verkehrsmittel steige, wohl sobald nicht verschwinden. Weiß ich doch nicht, ob mein Sitznachbar genauso vorsichtig ist wie ich. Wie ist es mit Bahnfahren im Großraumwaggon? Lieber nicht. Fliegen in einer engen Aluröhre? Nur, wenn es sein muss, und gerade muss es nicht sein. Fahre oder reise ich mit gutem Gefühl in öffentlichen Verkehrsmitteln, ob Bus oder Bahn, nehme ich gern meine minderjährigen Kinder mit? Nur mit mulmigem Gefühl, fest sitzender Maske – und viel Abstand.

Folgen für die Mobilität

Für die Mobilität hat Corona viele Folgen, kurz- wie langfristige, für die Menschen wie für die Unternehmen. Zunächst der Blick zum Himmel: Billigfliegen lohnt sich für Fluglinien nur in vollen Jets, und für echte 29 Euro fliegt sowieso niemand irgendwohin. Doch wir werden künftig wohl seltener fliegen; das Klima freut sich über diesen Wandel. Nun der Blick auf die Kommunen: Muss der öffentliche Personennahverkehr wie in vielen Großstädten eigentlich die Nächte hindurchfahren, oft fast leer? Oder sollte der Bahnfahrplan in Städten und zwischen Städten nicht eher bedarfsorientiert gesteuert werden? Wo sind die Apps, die berechnen, wie viele Menschen gerade am Bahnsteig stehen? Künstliche Intelligenz kann da sicher helfen. Spart auch Energie im Bahnverkehr.

Das Homeoffice erspart viele Pendelfahrten

Und vielleicht könnten sich die Fahrpläne an der neuen Lust am Homeoffice orientieren? Denn schon jetzt ist klar: Auch nach Corona werden nicht mehr so viele Pendler die Züge und die Straßen füllen. Die gute Nachricht: weniger Staus! Für den Moment und die voraussehbare Zeit bleibt für viele wohl das Auto die sicherste Wahl. Oder, bei kurzen Strecken, das Rad. Ob wir’s mögen oder nicht.