Sie können das Wort SUV nicht mehr hören? Das Gerede vom ach so sportlichen, ach so allradigen Alleskönner? Hier kommen die Autos, die fast jedes SUV schlagen – zumindest aus der Sicht von Familien, die Platz zum bezahlbaren Preis jedem Showeffekt vorziehen: kompakte Kombis. Wer jetzt an langweilige Pampersbomber denkt, hat den neuen Mégane Grandtour noch nicht gesehen. Renault hat seinem Lastesel alles Kantige aus dem Blech getrieben, allein das gestreckte Heck besitzt mehr Sportgeist als jedes SUV.

Als Lademeister empfiehlt sich vor allem der Peugeot

Peugeot 308 SW
Französischer Verpackungskünstler: Der Peugeot 308 SW schluckt bis zu 27 Getränkekisten.
Damit befindet der Franzose sich in modischer Gesellschaft, auch Opel Astra Sports Tourer und Peugeot 308 SW tun alles, um dem Image vom rollenden Werkzeugkoffer Adieu zu sagen. Wie bitte, AUTO BILD will solche Langweiler ans Herz legen? Ja, unbedingt, am besten mit den beliebten Dieselmotoren der 130-PS-Liga. Wenn das allgemeine Autowachstum einen praktischen Vorteil bringt, dann bei diesen Kombis. Mit 4,70 Metern streckt sich der Astra so lang wie vor Jahren ein 5er-BMW, selbst der Peugeot ragt mit seinen 4,59 Metern noch satt bis in die Mittelklasse hinein. Erstaunlich, dass der 308 SW als Kürzester den größten Laderaum vorfährt. Eine endlose Höhle, diese 610 Liter bei stehender Rückbank, da kommt nur noch der Skoda Octavia als Klassenbester mit. Als wir die Rückbank flach legen, passen 27 Wasserkisten hinter die hoch aufschwingende Hecktür (maximal 1660 Liter). Der Astra schluckt zwei Kisten weniger, der Renault drei. Kombis können sie bauen bei Peugeot, schon seit den Zeiten des alten 504.
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Praktische Lösungen verstecken sich hinter Fantasienamen

Renault Mégane Grandtour   Peugeot 308 SW   Opel Astra Sports Tourer
Marketing-Kauderwelsch: Wissen Sie auf Anhieb, was "Magic Flat", "Flex Fold" oder "Easy Break" bedeutet?
Dessen rustikale Handwerker-Mentalität ist längst passé, heute haben die Kompakten einige Finessen aus der Oberklasse demokratisiert. So fallen die Lehnen bei allen drei Kandidaten auch per Zugtasten vom Kofferraum aus, was Peugeot "Magic Flat" nennt. Im Astra öffnet die Heckklappe gegen 750 Euro Aufpreis auch elektrisch, die "Flex Fold"-Rücksitzlehne ist dreifach geteilt. Und wenn im Renault sogar die Beifahrersitzlehne einen Knicks macht, verdanken wir's "Easy Break". Muss so viel Begriffs-Geschwurbel wirklich sein? Besser wäre mehr Platz auf den Rückbänken, wo man spürt, dass Kompakte halt kürzere Radstände haben. Im Peugeot steht die Rücklehne steil wie eine Kirchenbank, im Astra muss man die Füße förmlich einfädeln, obwohl er unterm Strich am meisten Platz bietet. Gegen die miese Rundumsicht – bei diesen Schönlingen fast zu erwarten – helfen serienmäßige Parkpieper nur teilweise. Die Dachpfosten verdecken ganze Radfahrer.
Der Opel punktet mit dem größten Strauß an Fahrassistenten. Im Cockpit trennt ein tiefer Graben das Feld: hier die verspielten Franzosen mit großem Touchscreen und weniger Knöpfen, dort die kleinen Icons im Opel mit den Schnellwahltasten darunter. Was besser ist? AUTO BILD wertet deutsch, Frankophile wollen sich lieber ans Schöne gewöhnen.

Voll beladen funktioniert die Astra-Federung am besten

Opel Astra Sports Tourer
Licht und Schatten: Der Astra ist eher hart abgestimmt, hat voll beladen aber die größten Reserven.
Beim Antrieb verläuft der Graben anders: die beiden Diät-Diesel von Renault und Opel (je 1,6 Liter Hubraum) gegen den Vollwert-Peugeot, der mit satten zwei Litern ruhiger läuft und souveräner klingt, ohne dem Astra wegzufahren – auch weil der Testwagen als Einziger mit einer ausgereiften Sechsstufenautomatik antritt. Sie könnte den 308 zum sanften Gleiter verfeinern, würden die 18-Zoll-Räder der sportlichen GT-Line auf schlechten Straßen nicht so unkomfortabel poltern. Auf glattem Asphalt passt es wieder. Eher die straffe Linie wählt auch der Astra, der ohne Beladung seine Stöße bis in die (elektrisch verstellbaren) AGR-Sitze schickt, deren Polsterung im Vergleich zu früheren Baujahren nachgelassen hat. Dafür besitzt der Opel mehr Reserven, wenn er bis unters Dach vollgeladen wird.
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Der Renault Mégane verträgt nicht allzu viel Gewicht

Renault Mégane Grandtour
Flauschig: Der Mégane gibt den sanften Gleiter im Feld, sollte aber nicht allzu stark beladen werden.
Dann stößt der grundsätzlich sanftere Mégane an seine Grenzen. Im Normalbetrieb ein flauschiger Verwöhner, dessen Lenkung sich anfühlt wie ein Griff ins Kopfkissen, schlägt die Federung bei vollem Kofferraum und bösen Stößen bis zum Anschlag durch. Entsprechend früh greift das ESP beim Ausweichen zu, auch die beste Bremse im Test (35,5 Meter) hält den Franzosen sicher im Zaum. Und die Preise? Alle drei standen nur in einer Topversion zur Verfügung, die nur einen Vorteil hat – zu zeigen, wie viel Luxus für rund 30.000 Euro zu haben ist, wenn der Kombi nicht aus dem VW-Konzern stammt: Klimaautomatik, Tempomat und Fahrlicht-Automatik sind Serie, im Renault sogar Sitzheizung und schlüsselloses Öffnen. Unsere Empfehlung: Statt der teuren "Bose Edition" spart "Intens" 2200 Euro ohne großen Verzicht. Lobenswert sind fünf Jahre Garantie beim Mégane und die Sparerfolge der Diät-Diesel: Renault und Opel verbrauchen bis zu einem Liter weniger als der Peugeot (okay, mit Automatik). Doch auch seine 6,3 Liter Testschnitt sind ein Wert, von dem SUVs nur träumen können.
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Fazit

von

Joachim Staat
Die Kompakten haben optisch gewonnen, ohne an Kombi-Können zu verlieren. Der Opel liegt bei den Assistenten nennenswert vorn, die Franzosen spielen wieder die schicke Alternative: Kompetent und komfortabel verlangen sie nur ein paar Kompromisse bei der Bedienung.

Von

Joachim Staat