Die moderne Optik des Astra erfreut nicht nur Opel-Anhänger – und lässt den Golf fast als Biedermann erscheinen. Mit dem aktuellen Facelift wird die Front noch ein bisschen prägnanter, beleuchteter Blitz und leichte LED-Schminke verleihen dem kompakten Rüsselsheimer (wird tatsächlich dort gebaut) einen starken Auftritt.
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Astra Plug-In-Hybrid

Weit mehr interessiert uns hier und heute allerdings, was unterm Blech steckt. Was hat sich bei Bedienung und Assistenz getan, und was hat der schon seit letztem Jahr auf 196 PS erstarkte Plug-in-Antrieb zu bieten?

Zahlreiche Tasten erleichtern die Bedienung

Das Platzangebot des 4,39 Meter langen Astra bleibt unverändert – also okay. Vorn kommen auch große Fahrer gut zurecht, auch weil weiterhin toll unterstützende AGR-Sitze zum Einsatz kommen. Hinten geht es immer noch okay zu, auf Klassenprimus Golf fehlen in allen Richtungen aber ein paar Zentimeter. Zum Trost gibt’s mit 310 bis 1236 Litern aber mehr Raum fürs Gepäck (Golf eHybrid: 273-1129 l).
Opel Astra Plug-in-Hybrid
Das Cockpit fasst zwei 10-Zoll-Monitore zusammen (Pure Panel) – ab "GS" hinter Glas (Pure Panel Pro). Das wirkt clean, fast edel.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Was die Bedienung anbelangt, fallen neben dem obligatorischen Touchscreen und der zuweilen leicht zögerlichen Sprachbedienung vor allem zahlreiche echte Tasten positiv auf. Unter dem 10-Zoll-Berührbildschirm gibt es Direktwahltasten mit eindeutiger Beschriftung, dazu einen Drehregler für die Lautstärke sowie eine zweite Bedienleiste für die Klimatisierung. Gefällt uns.
Und ginge doch noch besser. Etwa mit einem zweiten Drehknopf für den Kartenzoom. Oder wenn die (lobenswerte) Kartenansicht im 10-Zoll-Fahrerdisplay detailreicher und zoombar wäre.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Einbaulage
vorn quer
Hubraum
1598 cm³
Leistung Verbrennungsmotor
110 kW (150 PS)
Leistung Elektromotor
92 kW (125 PS)
Systemleistung
144 kW (196 PS)
Systemdrehmoment
360 Nm
Vmax
225 km/h
Getriebe
Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/40 ZR 18 Y
Reifentyp
Michelin Pilot Sport 4 S
Radgröße
7,5 x 18"
Abgas CO2
49 g/km
Verbrauch*
2,2 l/100 km
Tankinhalt
40 l
Batteriekapazität netto
14 kWh
max. Ladeleistung (AC)
7,5 kW
Ladezeit (0-100 %)
2:05 Std.
Vorbeifahrgeräusch
65 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1380/750 kg
Stützlast
70 kg
Kofferraumvolumen
310-1236 l
Länge/Breite/Höhe
4391/1860-2062**/1465 mm
Grundpreis
38.460 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
44.630 Euro
Ordentlich arbeitende Assistenzsysteme gibt es reichlich – einige bleiben aber den höheren Ausstattungen vorbehalten. So ist das Tech-Paket mit adaptiven Matrix-LED-Scheinwerfern, Querverkehrswarner und mehr in der Basis gar nicht verfügbar (GS 1500 Euro, Ultimate Serie). Eine streckenbasierte Anpassung der Geschwindigkeit oder die Übernahme von Tempolimits erfolgt leider nicht automatisch.

Mit 196 PS der stärkste Astra

Einen stärkeren Astra als den Plug-in mit 196 PS Systemleistung gibt es derzeit nicht. Das Duo aus 1,6-Liter-Vierzylinder mit 150 PS und 125 PS starker E-Maschine stellt bis zu 360 Newtonmeter Drehmoment bereit. Das reicht für durchaus ansprechende und lebhafte Fahrleistungen.
Opel Astra Plug-in-Hybrid
Geht ganz ordentlich: Der Astra Plug-in-Hybrid ist in 7,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht maximal 225 km/h.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach 7,2 Sekunden erreicht der PHEV Landstraßentempo, maximal schafft er 225 (elektrisch 135) km/h – der Vorgänger mit 180 PS war bei gleicher Höchstgeschwindigkeit eine halbe Sekunde langsamer, auch ein Golf eHybrid mit 204 PS kann nicht ganz mithalten (7,3 s/220 km/h).

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,9 s
0–100 km/h
7,2 s
0–130 km/h
11,5 s
0–160 km/h
17,5 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,7 s
80–120 km/h
4,7 s
Leergewicht/Zuladung
1655/465 kg
Gewichtsverteilung v./h.
1,32558139534884 %
Wendekreis links/rechts
10,9/10,9 m
Sitzhöhe
545 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,4 m
aus 100 km/h warm
35,3 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A)
bei 100 km/h
65 dB(A)
bei 130 km/h
69 dB(A)
Verbrauch
Stromverbrauch
20,7 kWh/100 km
Testverbrauch (60 % Hybrid-; 40 % E-Anteil)
3,7 l S + 8,3 kWh/100 km
Verbrauch mit entladener Batterie
6,1 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
145 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
655 km + 76 km elektrisch
Das Zusammenspiel der beiden Motoren klappt allerdings nicht immer völlig unbemerkt und geräuschlos. Obwohl Zwischenspurt und auch Beschleunigung bis 160 km/h gegenüber dem 180-PS-PHEV verbessert wurden, fährt der Astra dem Golf eHybrid obenrum immer noch leicht hinterher. Am elektrifizierten Siebengang-Doppelkuppler (statt Achtstufenautomatik) dürfte das kaum liegen, das Direktschaltgetriebe weiß sich durchaus zu benehmen.

Elektrische Reichweite ist gestiegen

Weiterer Fortschritt gegenüber dem Astra Plug-in des Vorjahres: Der Akku fasst 17/14 statt 12,4/10,5 kWh (brutto/netto). Damit steigt die rein elektrische Reichweite im Test von 53 auf immerhin 76 Kilometer – und auch wer den Stromvorrat aufgebraucht hat, ist mit 6,1 l/100 km noch angenehm sparsam unterwegs. Und kann schneller nachladen. Der 7,4-kW-Bordlader ist jetzt Serie, kostete zuvor noch 500 Euro extra (Serie: 3,7 kW).
Opel Astra Plug-in-Hybrid
Dank des größeren Akkus schaffte der Astra im Test 73 Kilometer rein elektrisch. Und auch mit leerem Stromspeicher ist der Opel sparsam.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auf allen Wegen bleibt der Rüsselsheimer stets brav und berechenbar, untersteuert im Zweifelsfall deutlich und lässt dank umsichtiger ESP-Eingriffe nichts anbrennen. Auch die Bremsen machen einen (noch) guten Job, aus Tempo 100 steht der Plug-in nach 35,4 Metern, zeigt dabei kein Fading. Nicht ganz so tadellos präsentieren sich Federung und Dämpfung.

Wertung Opel Astra Plug-in-Hybrid

Wertung Opel Astra Plug-in-Hybrid
Karosserie
Klassengerechtes Raumangebot, Kofferraum und Zuladung nicht üppig, Qualität okay.
3 / 5
Antrieb
Gute Fahrleistungen, effizienter Plug-in-Hybrid, Zusammenspiel der Motoren nicht perfekt.
4 / 5
Fahrdynamik
Sicheres Fahrverhalten, ordentliche Bremsen, Lenkung und Agilität eher durchschnittlich.
4 / 5
Connected Car
Smartphone-Integration kabellos, Sprachbedienung teils verzögert. Navi durchschnittlich.
3,5 / 5
Umwelt
Kompakt, aber nicht ganz leicht, Verbrauch recht niedrig, elektrische Reichweite okay.
3 / 5
Komfort
Sitze und Sitzposition über Klassenniveau, Bedienung gut, Federung spricht teils herb an.
3,5 / 5
Kosten
Fairer Grundpreis, Wertverlust eher hoch, nur zwei Jahre Garantie, jährlicher Werkstatttermin.
3 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,1
Das nicht verstellbare Fahrwerk mit einfacher Verbundlenkerachse hinten kann lange Wellen und leichte Straßenschäden gut ausgleichen, surft gemütlich darüber hinweg. Bei krassen Kanten oder Kratern federt der kompakte Opel allerdings etwas störrisch an und bringt eine gewisse Unruhe in die Kabine – damit lässt sich leben, es gibt in der Golfklasse aber geschmeidigere Lösungen.

Günstiger als sein ewiger Konkurrent

Mit 38.460 Euro Grundpreis liegt der Astra Plug-in-Hybrid tatsächlich klar unter dem 204 PS starken VW Golf 1.5 eHybrid (ab 45.955 Euro) – der Wolfsburger besitzt allerdings einen 20-kWh-Akku und soll elektrisch mehr als 100 Kilometer schaffen.
Opel Astra Plug-in-Hybrid
Opel verlangt für den Astra Plug-in-Hybrid einen Grundpreis von 38.460 Euro. Ein vergleichbarer VW Golf eHybrid ist rund 7500 Euro teurer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Jährlicher Ölwechsel, wie VW nur zwei Jahre Garantie und schlechter Wiederverkauf trüben die Kostenbilanz allerdings. Leasing? Eher nicht. Opel ruft bei 3500 Euro Anzahlung, 48 Monaten Laufzeit und 10.000 km/Jahr eine Monatsrate von 369 Euro auf – das wird auch durch die modernisierte Optik nicht schön.

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Fazit

von AUTO BILD
Das Facelift bringt wenig, ein deutlicher Gewinn ist aber der erstarkte Plug-in mit mehr elektrischer Reichweite. Wenn die in den Alltag passt, bietet der Astra eine ordentliche Alternative zum teureren Golf eHybrid. AUTO BILD-Testnote: 2,1