Opel Frontera A (1992-1998)

Der deutsche Patient

Eigentlich ist der Frontera A ein englischer Patient, denn er wurde in England gebaut und hat zahlreiche Krankheiten. Doch da er bei uns als Opel verkauft wurde, gilt er hierzulande als deutsches Auto. Das ├Ąndert aber nichts an seinen Problemen.

Nichts als Leckagen

"Der Herr sch├╝tze uns vor Schnee und Wind - und Autos, die aus England sind." Dieser von deutschen Mechanikern h├Ąmisch grinsend vorgetragene Spruch h├Ąlt sich seit Jahrzehnten. Ob berechtigt oder nicht, Tatsache ist, dass der Opel Frontera trotz seines urdeutschen Markennamens im britischen Luton nahe London gebaut wird. Unbestreitbar ist auch, dass diesen ersten Gel├Ąndewagen von Opel Defekte heimsuchen, die zumindest in den vergangenen Jahrzehnten typisch f├╝r englische Autos waren.

Schwerwiegende mechanische Sch├Ąden sind selten, daf├╝r ver├Ąrgert der von 1992 bis 1998 produzierte Frontera A seine Besitzer ├╝ber die Ma├čen h├Ąufig mit ├Âlleckenden Aggregaten und wassertriefenden K├╝hlern sowie Kurzschl├╝ssen in der Elektrik und Regenwasser im Innenraum. Insbesondere die ├ľlleckagen sind erstaunlich, denn die Briten produzieren die Motoren ja nicht selbst. Opel lieferte aus Deutschland den 2.0i, den 2.4i und den 2.3-Turbodiesel; der sp├Ątere 2.8-TDI-Diesel kam von Isuzu aus Japan, den zuletzt eingebauten 2.5-TDS-Diesel schickte der italienische Motorenhersteller VM aus Italien nach England.

Das Erstaunliche: Werden die gleichen Motoren anderswo auf der Welt eingebaut, sind Fl├╝ssigkeitsverluste wesentlich seltener. Trotzdem gibt es ├Âldichte Frontera, auch wenn satte 42 Prozent der an dieser Fragenbogenaktion teilnehmenden Leser ├ľlverluste an allen Aggregaten monierten. Deshalb gilt es beim Gebrauchtkauf eines Frontera, den Stellplatz des Vorbesitzers genau auf verr├Ąterische ├ľlflecke zu untersuchen.

Die K├╝hlwasserverluste (26 Prozent) betreffen s├Ąmtliche Versionen. Nach ausgiebiger Probefahrt pr├╝fe man deshalb, ob gr├╝nlich schimmernde K├╝hlfl├╝ssigkeit an K├╝hler oder Wasserpumpe austritt. Zu allem ├ťberfluss k├Ąmpfen die Frontera-Besitzer h├Ąufig auch noch mit eindringendem Regenwasser. An Scheibendichtungen und Heckt├╝re vorbei gelangt die Feuchtigkeit ins Innere. Auch die Dichtungen der Glasd├Ącher lassen Wasser durch.

Motor und Karosserie

Es gibt aber auch Positives ├╝ber den Frontera A zu berichten: Wichtige und teure Aggregate wie Motor, Getriebe, Allradantrieb und Achsen halten meist problemlos ├╝ber 200.000 Kilometer. Bei den Motoren gilt dies allerdings nur f├╝r die Benziner, deren einziges Problem die recht kurzlebige Lambdasonde ist. Deshalb sollte man beim Gebrauchtkauf auf eine frische AU-Plakette bestehen.

Die Turbodiesel halten - wie heutzutage fast schon ├╝blich - deutlich weniger lang und sind ├╝berdies wesentlich empfindlicher gegen├╝ber schneller Autobahnfahrt. Der bis 1995 verwendete 2,3-Liter-Turbodiesel, dessen Grundkonstruktion noch auf den seligen Opel Rekord D zur├╝ckgeht, braucht meist nach rund 120.000 Kilometer eine aufw├Ąndige Zylinderkopf├╝berholung. Weniger berechenbar ist der von Isuzu stammende 2,8-Liter-Turbodiesel mit Direkteinspritzung: Er h├Ąlt mal 250.000, mal nicht einmal 100.000 Kilometer, weitgehend unabh├Ąngig von Fahrweise und Wartungsgewohnheiten. Auch der zuletzt verwendete 2,5-Liter-Turbodiesel mit elektronischer Wirbelkammereinspritzung bietet keinen Ausweg aus der Dieselmisere: Der Italo-Motor reagiert vor allem auf flottes Autobahntempo zuweilen mit teuren Zylinderkopfsch├Ąden, die h├Ąufig zwischen 80.000 und 120.000 Kilometer auftreten. Dar├╝ber hinaus gibt auch der Turbolader gern im Rahmen dieser Laufleistung seinen Geist auf.

Unzufrieden sind die Frontera-A-Besitzer mit der Rostvorsorge. Unglaubliche 89 Prozent haben bereits Roststellen an T├╝ren, Hauben, Kotfl├╝geln, Radl├Ąufen oder Bodenblechen entdecken m├╝ssen; oft bereits bei gerade einmal f├╝nf Jahre alten Exemplaren. Noch schneller rostet nur noch das minderwertig lackierte Original-Opel-Zubeh├Âr, etwa der von 81 Prozent der Teilnehmer gekaufte Frontschutzb├╝gel. Hier klagen praktisch s├Ąmtliche Besitzer ├╝ber erhebliche Rostaufbr├╝che, teilweise sogar ├╝ber Risse. Da passt es gut ins Bild, dass auch die Auspuffanlage nur eine geringe Lebensdauer hat. Nicht nur Korrosion setzt ihr zu, auch Vibrationsrisse kommen immer wieder vor. Gut, dass die Abgasanlage so billig ist.

Technik und Qualit├Ąt

Zu den Baugruppen, die selbst beim Frontera A unproblematisch und langlebig sind, geh├Âren bei allen Versionen die Differenziale und die Lenkung. Dagegen sollte man Lichtmaschinen und Wasserpumpen mit mehr als 100.000 Kilometer Laufleistung misstrauen. Die verst├Ąrkten Anlasser der Dieselmodelle halten l├Ąnger als die der Benziner, die meist nach 100.000 Kilometer ├╝berholungsreif sind.

F├╝r 79 Prozent der Fragebogeneinsender ist der Frontera A der erste Gel├Ąndewagen. 32 Prozent sind treue Opel-Kunden und fuhren zuvor schon einen Opel-Pkw, meist einen Omega, seltener einen Astra. Auch unter den Zweitwagen finden sich ├╝berdurchschnittlich viele Autos mit dem Blitz: 49 Prozent der Frontera-Fahrer besitzen noch ein zweites Auto, davon stammt ├╝ber ein Viertel aus dem Hause Opel, meist Corsa und Astra. Gute Noten erhalten die Opel-Werkst├Ątten von den Frontera-Besitzern. 70 Prozent sind zufrieden mit deren Arbeitsleistung. Der Preis f├╝r eine gro├če Inspektion liegt nach Leserangaben durchschnittlich bei 380 Euro. Das muss man heutzutage als g├╝nstig einstufen.

Die Kritik am Frontera selbst h├Ąlt sich in Grenzen. Bei s├Ąmtlichen Versionen wird die etwas z├Ąhe Leistungsentfaltung der Motoren (16 Prozent) moniert. Im Mittelpunkt der Kritik stehen jedoch mit deutlichem Vorsprung die Probleme mit der Zuverl├Ąssigkeit (34 Prozent) und die mangelhafte Rostvorsorge (41 Prozent). Im Ergebnis ├╝berrascht die schlechte Wiederkaufsquote des Frontera A nicht. Lediglich 28 Prozent der Einsender k├Ânnen sich vorstellen, noch einmal diesen Typ zu nehmen. Immerhin 41 Prozent hoffen jedoch auf den Fortschritt beim Nachfolger Frontera B und wollen diesen w├Ąhlen. So bleiben satte 31 Prozent, die der Marke Opel verloren gehen. Unter ihnen ist kein eindeutig bevorzugter Fahrzeugtyp auszumachen. Das Interesse verteilt sich einigerma├čen gleich auf Mercedes M-Klasse, Jeep Grand Cherokee, Hyundai Terracan, Toyota LandCruiser 90 und Nissan X-Trail.

Historie, Schw├Ąchen, Kosten

Modellgeschichte 1992 Modelleinf├╝hrung des Frontera als Zweit├╝rer (L├Ąnge 4,19 m) mit 2,0-Liter-Benziner (115 PS) und als Viert├╝rer (L├Ąnge 4,69 m) mit 2.4-Benziner (125 PS) oder 2.3-Turbodiesel (100 PS); alles 4-Zylinder 1995 2.2-Benziner (136 PS) statt 2.4i, 2.8-Turbodiesel mit Direkteinspr. (113 PS) statt 2.3 TD, ABS-Bremsen, Schraubenfedern an der Hinterachse statt Blattfedern, 16- statt 15-Zoll-Felgen, neue Heckt├╝r (Viert├╝rer) mit links angeschlagenem Unterteil (statt unten) 1996 Neuer Innenraum mit zwei Airbags, 2.5 TDS mit Wirbelkammereinspritzung (115 PS) statt 2.8 TDI 1998 Abl├Âsung durch den Frontera B

Schwachstellen ÔÇó Die innen bel├╝fteten vorderen Bremsscheiben halten beim Frontera je nach Fahrweise zwischen 80.000 und 120.000 km, sind aber sehr teuer ÔÇó vor Rost ist der Frontera m├Ą├čig gesch├╝tzt. 89 Prozent der Leser beklagen leichte Rostspuren, neun Prozent erhebliche. Der Auspuff korrodiert oft schon nach 3 Jahren ÔÇó undichte Wasserk├╝hler und Wasserpumpen ÔÇó ausgefallene Lambdasonden (Benziner) ÔÇó streikende Vorgl├╝heinrichtungen (Diesel) und Lichtmaschinen ÔÇó verendete Turbolader (2.5 TDS) ÔÇó Undichtigkeiten sind sehr h├Ąufig; 42 Prozent der Leser beklagen ├ľlverluste an den Aggregaten, 26 Prozent K├╝hlmittelverluste; dazu 23 Prozent Wassereinbr├╝che ÔÇó die Zuverl├Ąssigkeit des Frontera l├Ąsst zu w├╝nschen ├╝brig. Die Benziner haben seltener Startprobleme (f├╝nf Prozent), aber mehr Pannen (24 Prozent), die Turbodiesel streiken h├Ąufiger beim Start (19 Prozent), daf├╝r seltener unterwegs (13 Prozent).

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Opel Frontera Sport 2.0i, Baujahr 1996. Karosserieteile und mechanische Austauschteile sind g├╝nstig, teuer sind das von Isuzu stammende Getriebe und die vorderen Bremsscheiben.

Fazit und Technik

Fazit Wirklich empfehlenswert ist der bis 1998 gebaute Frontera A nicht, obwohl die g├╝nstigen Gebrauchtpreise locken. Aber die Pannenquote ist einfach viel zu hoch. Dazu kommt der ├ärger mit h├Ąufigen ├ľl- und Wasserverlusten, die aufw├Ąndige Reparaturen erfordern. Schade, denn die sonstigen Unterhaltskosten bewegen sich auf akzeptablem Niveau.

Technik ÔÇó Allradantrieb: zuschaltbarer Allradantrieb (manuelle oder automatische Freilaufnaben); Gel├Ąndeuntersetzung ÔÇó Aufbau: Leiterrahmen, aufgeschraubte Karosserie aus Stahlblech ÔÇó Verbrauch: 2.0i und 2.2 16V: 12 l Super/100 km; 2.4: 13 l Super/100 km; 2.3 TD und 2.8 TDI: 10,5 l Diesel/100 km; 2.5 TDS: 11 l Diesel/100 km ÔÇó H├Âchstgeschwindigkeit: Benziner: 157 km/h; 2.3 TD+2.8 TDI/2.5 TDS: 147/154 km/h
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