Feuerfester Anzug, Helm und Handschuhe, Gurte so fest, dass dir kaum Luft zum Atmen bleibt – eine Kaffeefahrt hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Aber da habe ich mich vom Opel Mokka wohl auf die falsche Fährte führen lassen. Von wegen draußen nur Kännchen und Teilnahme an der Verkaufsveranstaltung freigestellt. So wie der giftgelbe Testwagen kein normales City-SUV ist, geht es hier und heute auch nicht um eine Heizdecke. Sondern ums Einheizen.

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Kennzeichnung für einen externen LinkOpel Mokka Electric
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Opel Mokka Electric

statt 47.800 EUR

43.493 EUR

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Schließlich ist das einer von knapp zwei Dutzend Mokka GSE, den die Hessen für den ADAC Opel GSE Rally Cup umgebaut haben. Nach fünf Saisons mit dem elektrischen Corsa machen sie in Rüsselsheim damit jetzt den nächsten Entwicklungsschritt und bieten dem Motorsport-Nachwuchs ein Auto, das mehr als doppelt so stark ist, sowie eine Infrastruktur, die den elektrischen Dreckschleudern mittlerweile bei den meisten Veranstaltungen die volle Renndistanz ermöglicht. Nicht umsonst stehen zwischen den Wertungsprüfungen eigens umgebaute, natürlich vollelektrische Trucks, die jede Waldlichtung mit 16 HV-Anschlüssen zur Ladeinsel machen.
Der Opel Mokka GSE Rally sieht fast seriennah aus. Unter dem Blech steckt jedoch ein kompromissloser Rennwagen für den ADAC Opel GSE Rally Cup.
Bild: Opel
Für den Cup haben die Hessen eine seriöse Rennversion des Mokka GSE entwickelt und dabei vor allem das Sicherheitskonzept weiter verfeinert, mit dem sie auch innerhalb der FIA zum Wegbereiter und Vorreiter für die neue Klasse aufgestiegen sind. Wer statt 47.300 Euro für das Serienauto glatte 70.000 Euro zahlt und noch einmal rund 10.000 Euro pro Rennwochenende investiert, bekommt einen Mokka GSE, der außen – bis auf die Lufthutze auf dem Dach, die Schnellverschlüsse an den Hauben und den bunten Lack – noch halbwegs unauffällig aussieht.

Rallye-Cockpit statt Komfort

Drinnen allerdings sitzen die beiden Insassen in einer Höhle aus blankem Blech, in die das Motorsport-Team zwei enge Schalensitze und einen Überrollkäfig geschweißt hat. Die Füße des Fahrers fliegen über rutschfeste Pedale, das Lenkrad ist kleiner und griffiger als in der Serie, das Cockpit besteht nur noch aus einer Plastikblende. Und alle Informationen flimmern nüchtern über ein Display auf der Lenksäule, das kaum größer ist als ein Handy.
Dort, wo früher einmal die Mittelkonsole war, gibt's jetzt eine Schalttafel mit den wichtigsten Tastern. Davor ragt fast einen Meter hoch der Hebel der Fly-off-Handbremse in den Raum. Sie rastet nicht ein und reißt den Rallye-Renner nach ein bisschen Übung herum, als würde ein Hase auf der Flucht seine Haken schlagen – schneller kann man einen Kleinwagen kaum um die Ecke bringen.
Im Cockpit herrscht Rennsport pur. Statt Komfort gibt es Schalensitze, Überrollkäfig und eine Fly-off-Handbremse.
Bild: Opel
Nur unter dem mit schlagfestem Aluminium von unten verstärkten Blech bleibt alles beim Alten: Auch der Rallye-Mokka fährt mit dem Standardantrieb, den Opel im Straßen-GSE verbaut. An den Vorderrädern zerrt deshalb eine E-Maschine mit 281 PS und 345 Nm, der hier allerdings ein etwas energischeres Sperrdifferenzial Einhalt gebietet, und im Boden steckt eine Batterie mit 54 kWh.

Weniger Tempo, mehr Adrenalin

Die Fahrleistungen sind sogar etwas schlechter. Ja, weil er ein paar Zentner weniger wiegt und die Elektronik ihm beim Anfahren mehr Bums spendiert, dürfte er den Sprint von 0 auf 100 vielleicht in weniger als den 5,9 Sekunden der Serienversion schaffen. Aber mit Rücksicht auf die Reichweite haben sie das Tempo auf 175 statt 200 km/h limitiert.
Auf Asphalt zeigt der Mokka GSE Rally sein Talent mit präzisem Einlenken und enormem Grip.
Bild: Opel
Auf der Autobahn mag das ein limitierender Faktor sein. Doch im Rallye-Einsatz fühlt sich der Fahrer davon nur selten ausgebremst. Im Gegenteil: In Spitzkehren und Schikanen freut er sich viel mehr am schnellen Antritt der E-Maschine. Und wer mit Bleifuß über einen engen, holprigen Feldweg fliegt, dem kommen die 175 km/h hier schneller vor als 250 Sachen im seligen Astra OPC.
Erst recht, wenn im Wertungsprüfungsmodus die volle Leistung freigegeben wird und ein eigens verbautes Soundmodul ordentlich Krach macht, damit die Zuschauer auch etwas von der Raserei haben. Emissionen mag der Mokka keine mehr haben, doch spätestens im Rallye-Einsatz sind zumindest die Emotionen wieder da.

Asphalt macht schon süchtig

Zwar führt diese Etappe heute nur über Asphalt, und der ist auch noch trocken. Doch schon da wirkt der Rallye-Renner intensiver und konzentrierter als das Straßenauto, weil Mensch und Maschine mit den schraubstockgleichen Sitzen und den strammen Gurten enger verbunden sind, weil jeder Ruck und jeder mechanische Laut ungefiltert durch die Kabine knallen, und weil sich die Slicks auf den 18-Zöllern gierig an den Asphalt krallen, als hänge Leib und Leben an ihrer Haftkraft.
Dazu kommt das Lenkrad, klein wie eine Single im Vergleich zur Langspielplatte im Serienauto, und natürlich die Fly-off-Handbremse. So wird der Rallye-Renner zum Ristretto an der Rüsselsheimer Kaffeebar und bringt das Herz zum Rasen.
Im Wertungsprüfungsmodus steht die volle Leistung bereit. Ein Soundmodul sorgt zusätzlich für Rallye-Atmosphäre.
Bild: Opel
Kaum auszudenken, wie viel Spaß der auf Sand und Schotter machen würde, wenn er mehr driftet als lenkt und wenn er bei jeder Bodenwelle abhebt, um drei oder vier Fahrzeuglängen später mit einem satten Schmatzen wieder zu landen. Und spätestens auf losem Untergrund bringt dann auch die Handbremse die entscheidenden Sekunden – wenn man den Mokka nicht mit zu wenig Talent und zu viel Tatendrang zum Summkreisel macht.
Doch weil der Mokka erst in die Saison gestartet ist und noch ein halbes Dutzend Läufe anstehen, und weil sich dafür sogar ein paar Promis im Cockpit angesagt haben, sind die Hessen diesmal vergleichsweise zurückhaltend, lassen die Schranken am Ende des Asphalts eisern geschlossen und verwehren den Weg in den Wald.

Reichweite bleibt der Gegner

Dabei zeigt mein Bordcomputer noch einen Ladestand von unter 40 Prozent, der mir durchaus Zeit zum Spielen ließe. Wobei das übrigens der wichtigste Unterschied zwischen dem Mokka GSE für die Straße und dem für die Piste ist: Die Reichweite ist trotz identischer Technik nicht vergleichbar. Wo das Serienmodell im WLTP-Zyklus auf immerhin 336 Kilometer kommt, muss der Rallye-Mokka im Rennen nach spätestens 60 Kilometern in den Ladepark.
Und selbst das gelingt nur, wenn der Fahrer auf den Verbindungsetappen den Eco-Modus aktiviert und entsprechend die Leistung drosselt. Auch deshalb kommt im Rallye-Auto dem Beifahrer eine entscheidende Bedeutung zu: Er muss nicht nur vor Kurven und Kuppen warnen, sondern auch die Zielführung im Auge behalten. Denn Verfahren ist bei einer derart reduzierten Reichweite nicht drin.
Nach der Fahrt bleibt vor allem eines in Erinnerung: Dieser elektrische Mokka macht süchtig nach mehr.
Bild: Opel
Mir allerdings ist das hier und heute ganz recht. Denn wer zu heiß an diesem Mokka nippt, bekommt ganz schön Herzrasen. Mit weichen Knien, nassem Rücken und feuchten Händen stelle ich den GSE deshalb zurück an die Kaffeekanne und bin fast schon dankbar für die Pause. Und nein, anders als sonst gibt's diesmal kein Koffein. Davon hatte ich im Mokka mehr als genug. Stattdessen gilt diesmal ein anderes Motto: Abwarten und Tee trinken. Dann kommt der Puls auch wieder runter.