Was für eine Einladung, wirklich vielversprechend. Es gibt 40 Kisten Cola, Freiluftatmosphäre unterm getönten Glasdach und eine Polstercouch, die sich mit einem Handgriff in eine Liege verwandeln lässt. Peugeot schmeißt eine Party: im 207 SW. Der kleine Kombi fasst tatsächlich bis zu 40 Cola-Kästen (zwölfmal 0,5 Liter), besitzt ein Panoramadach und auch eine kinderleicht klappbare Rückbank. Daran müssen sich die neuen Kombis von Skoda und Renault messen lassen. Mit dem Clio Grandtour geben die Franzosen ihren Einstand in der kleinen Kombi-Klasse. Clio? Den fuhren einst doch die schärfsten Bräute der Oberstufe. Blondinen mit Französisch-Leistungskurs statt Mathe im Abitur. Alle werden älter. Und der Clio scheint in der dritten Generation an seinen Aufgaben zu wachsen. Die da lauten: laden, laden, laden und dabei noch gut aussehen.

Im Renault wird es hinten eng

Renault Clio Grandtour 1.2 16V TCE Dynamique
Mehr als die beiden Konkurrenten versucht Renault, eine sportliche Linie zu zeichnen. Das Heck fällt beinahe coupéhaft ab, beim Einsteigen bekommen das die Passagiere zu spüren. Mit eingezogenem Kopf taucht man auf die hinteren Plätze, hockt dann eng auf etwas kurzen Pölsterchen. Schultern und Kopf haben es bequemer. Der mitttlere Gurt kommt aus der Decke. 4,20 Meter ist der Clio lang, damit größer als der Peugeot (4,16), aber kürzer als der Skoda (4,24). Im Kofferraum zahlt der Clio dann die Rechnung für seinen gewollten Dachschwung. "Nur" 37 Cola-Kästen passen rein – kein Grund zum Feiern.
Zum absoluten Kisten-König baute Skoda seinen Fabia aus. Der schluckt 43 Kästen à zwölf 0,5-Liter-Flaschen. Allerdings fällt das Einladen schwerer: Über eine mehr als handbreite Ladekante (17 cm) müssen die schweren Kisten rüber, während Peugeot und Clio mit ebenen Ladeflächen entgegenkommen. Eine Flasche ist der Tscheche trotzdem nicht. Für ihn sprechen: Riesenplatz im Fond, viel Raum vorn. Trotzdem versagt er bei den klassischen Kombi-Eigenschaften. Neue Ideen sind nirgends zu entdecken. Zwar bietet der Fabia mit 480 bis 1460 Liter das größte Ladevolumen, enttäuscht aber durch ein altbackenes Klappsystem. Umständlich müssen erst die Sitzpolster nach vorn, dann die Lehnen umgelegt werden. Ähnlich wie beim Clio, nur mit dem Unterschied, dass im Skoda am Ende noch die Kopfstützen stören, also herausgenommen werden müssen.

Tolle Nummer: 207

Während Fabia-Fahrer noch klappen, ist ein Peugeot 207 längst beladen. Ein Handgriff, schon schwenken in einem Zug Lehne samt Sitzfläche nach vorn und wandeln sich zu einer topfebenen Ladefläche. Genial. Tragetaschen nimmt der 207 gern auch durch die ausstellbare Heckscheibe (Serie ab Tendance) entgegen. Für Kombinierer ist der 207 wirklich eine tolle Nummer – für Familien weniger. Denn so üppig das maximale Ladevolumen, so mäßig die Beinfreiheit in Reihe zwei und der dahinter verbleibende Stauraum. Knappe 337 Liter sind hier der schlechteste Wert. Wie zur Entschädigung verrät das Interieur aber kaum Mangelerscheinungen. Bei allen dreien überwiegt dunkler Kunststoff, weich aufgeschäumt und abwaschbar. Die Sitze sind gemütlich, Rangfolge: Fabia, 207, Clio.

Antrieb und Fahrwerk: Der Renault glänzt

Vergleich Skoda Fabia Combi, Peugeot 207 SW, Renault Clio Grandtour
Schauen wir mal unter die Haube der kleinen Kombis. Hochmoderne 1,2- bis 1,6-Liter-Vierzylinder stehen quer unter den Hauben bereit, leisten 95 bis 105 PS. Wozu der Renault allerdings einen Turbolader braucht, denn er hat den kleinsten Vierzylinder. Dafür aber auch den besten. Er fällt vor allem durch seine enorme Drehfreude auf, bringt den 1,2-Tonner (leer) am schnellsten auf Tempo 100 oder 130 und macht sich erst so ab 4500 Umdrehungen akustisch bemerkbar – darunter bleibt der Turbo-Zwerg erfreulich leise und zurückhaltend. Das wunderbar passend abgestufte Getriebe macht ihn zum Sportler in dieser Kistenschlacht. Voilà, für die Spitze aber reicht es dann doch nicht ganz. Landsmann Peugeot und den Tschechen muss der Clio Grandtour auf der Autobahn davonziehen lassen. Peugeots SW hat motorisch eine schlechtere Ausgangsposition. Sein 1,4-Liter ist der Schwächste hier und muss auch noch am meisten schleppen. 1258 Kilogramm zeigt die Waage, Fabia und Clio haben rund 70 Kilo weniger Ballast an Bord. Da heißt es fleißig schalten – was mit dem wenig präzise geführten Schaltstock kein Vergnügen ist.
Skoda Fabia 1.6 Combi Ambiente
Der neue Fabia Combi hingegen ist ein Tipp für schaltfaule Leute, er hat dank 1,6 Liter Hubraum das allerbeste Drehmoment, meldet sich akustisch aber leider mit einem rauen Unterton zur Arbeit. Das Fahren wiederum erledigt der kleine Tscheche mit großem Engagement. Die elektrohydraulische Lenkung ist präzise, das sportlich-straffe Fahrwerk mit serienmäßigem ESP macht aus kurvigen Landstraßen eine Carrerabahn. Allerdings auf Kosten des Komforts: Der Fabia ist einen Deut zu hart abgestimmt. Die beiden Franzosen geben sich ebenfalls sehr fahraktiv. Ihre Servolenkungen sind zwar ungenauer, die Fahrwerke ein wenig weicher und damit auch komfortabler. Wobei der Renault zwei Gesichter zeigt. Seine Federung ist zwar angenehm weich, er neigt auf Querfugen aber zum Poltern. Die Lenkung wirkt zwar indirekt mit wenig Rückmeldung. Den Slalom aber absolviert er, wie die anderen Kandidaten auch, ohne Sicherheitsmängel.
Eines muss man den beiden Franzosen lassen: Sie verstehen sich auf Lärmdämmung. Egal ob Tempo 50, 100 oder Richtgeschwindigkeit, sie sind innen deutlich leiser als der Fabia. Was auch auf Kurzstrecken eine Wohltat ist und Unterhaltung in Zimmerlautstärke möglich macht. Lediglich der Peugeot nervt die Umwelt ein wenig mehr, hat er doch das lauteste Außengeräusch. Das ließe sich als "sportlich" entschuldigen, nicht aber eine gravierende Schwäche des 207: der Bremsweg. Egal ob kalt oder warm, über 40 Meter sind nicht mehr zeitgemäß. Da sollten die Franzosen dringend nachbessern.

Preise und Kosten: Peugeot ist am günstigsten

Peugeot 207 SW 95 VTi Filou
Den Eintritt zur Kistenschlacht gestaltet Peugeot am sozialverträglichsten. Schon für 14.860 Euro holt uns der 207 SW 95 Filou zu Hause ab – das unverzichtbare ESP (460 Euro Aufpreis) bereits inbegriffen. Renault lässt seinen Kombi-Shuttle zwar ebenfalls mit elektronischer Straßenwacht vorfahren (500 Euro extra), verlangt für den Clio Grandtour 1.2 16V Edition Dynamique aber auch schon 16.150 Euro. Eigentlich ja nur 1290 Euro oder eine Klimaanlage mehr als beim 207 SW, in dieser Klasse aber eben doch fast neun Prozent Zuschlag. Im gleichen Preissegment wie der Clio bewegt sich auch der Skoda Fabia Combi 1.6 Ambiente. Wegen der schicken, aber 640 Euro teuren 16-Zoll-Räder gewährt er uns letztendlich aber erst ab 16.680 Euro den Einlass.
Bei den laufenden Kosten kann der teure Tscheche dann aber Boden gutmachen. Weil der Renault sowohl bei den Versicherungsvertretern als auch bei den Wertverlustwächtern kein wirklich hohes Ansehen genießt, kommt er das Partyvolk unterm Strich am teuersten. Angesichts eskalierender Spritpreise und hektischer Umweltdiskussionen dürfte der günstigste Verbrauch dann aber einen gewissen Trost spenden. Peugeot irritiert seine Kunden zwar mit unsinniger Paket-Politik in den Preislisten und einer gerade mal zweijährigen Mobilitätsgarantie (Skoda und Renault unbegrenzt), glänzt aber mit guten Restwertprognosen und niedrigen Werkstattkosten. Weshalb die abschließende Reihenfolge im Kostenkapitel lautet: Peugeot, Skoda, Renault.

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

Sieger der Kistenschlacht wird der Fabia Combi. Und das, obwohl er bei der Nutzbarkeit enttäuscht und jeglichen Pfiff vermissen lässt – seine Stärke ist die schiere Größe. Wem es darauf nicht ankommt, der wird auch mit dem geschmeidigen Clio Grandtour oder dem pfiffigen 207 SW absolut glücklich.

Von

Margret Hucko