Die kleinen GTI-Racker, was haben wir sie geliebt! Laut waren sie, diese Renault Clio Sport oder Mini Cooper S Mitte/Ende der 90er-Jahre, günstig, quirlig und frech. Wer da auch immer mitmischte: der VW Polo GTI – in der allerjüngsten Generation mit dem Zweiliter aus dem aktuellen Golf GTI. Auch Fahrwerk, Elektronik und Sound sollen deutlich mehr GTI als nur sportliche Mogelpackung sein. Damit will der Wolfsburger dem aktuell heißesten Kleinwagen Peugeot 208 GTi ans Blech fahren. Die Benchmark der Klasse gewann vor drei Jahren den Vergleich gegen Polo, Mini und Clio. Wir wollen wissen, ob die Rangliste geändert werden muss.

Unter der Polo-Haube sitzt der Zweiliter des Golf GTI

VW Polo GTI
Neue Basis: Auch der Polo nutzt nun den modularen Querbaukasten – und den Motor des Golf GTI.
In Hockenheim hat der 208 damals schon die Gegner gnadenlos hinter sich gelassen. Auf dem nur 2,6 Kilometer langen Kurs schenkte er dem 192 PS starken Polo GTI im April 2015 drei Sekunden ein – eine Welt. Der Wolfsburger konnte in dieser GTI-Klasse allenfalls mit seinem Dumpingpreis überzeugen. Von Emotionen, Sound und echtem GTI-Feeling war er weit entfernt. Der Neue soll alles besser können und mehr Fahrspaß generieren. Dank des modularen Querbaukastens MQB als technische Basis der sechsten Polo-Generation passte ohne Weiteres der Zweiliter-Turbo des Golf GTI unters Blech. Der Vierzylinder ist von 230 auf 200 PS gedrosselt und mit einer Sechsgang-Doppelkupplung verblockt. Beim Fahrwerk setzt VW auf speziell entwickelte Komponenten. Als fahrdynamische Extras sind ein einstellbares Adpativfahrwerk mit 15 Millimeter Tieferlegung (290 Euro) und 18-Zöller mit griffigen Michelin-Sohlen (450 Euro) an Bord. Für mehr Traktion an der Vorderachse soll eine elektronisch simulierte XDS-Sperre sorgen.
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Peugeot setzt beim 208 GTi voll auf Sport

Peugeot 208 GTi
Französische Rennsemmel: Beim 208 GTi hat Peugeots Sportabteilung noch ordentlich nachgeschärft.
Die Vorderachse des 208 GTi ist dagegen mechanisch gesperrt. Zumindest beim Sondermodell "by Peugeot Sport". Im Vergleich zum Basis-GTi legt die französische Motorsportabteilung noch eine Brembo-Sportbremse und spezielle Stoßdämpfer samt zehn Millimeter Tieferlegung drauf. Dazu wurde die Spur vorn um 16 und hinten um 26 Millimeter verbreitert sowie ESP und ABS noch sportlicher kalibriert. Außerdem sind 18-Zöller mit 205er-Michelin Pilot Super Sport montiert. Und die Optik? Schließlich isst das Auge mit. Dem Polo sieht man klar und deutlich seine Power an. Vorn prangt eine große Schürze, im Grill verläuft der rote GTI-Streifen, das Heck zieren ein Wabengitter-Diffusor, Dachspoiler und Doppelendrohr, innen das typische Karo auf den Sportsitzen und ein unten abgeflachtes Lenkrad. Statt analoger Anzeigen gibt es ein Active-Display (400 Euro), zudem eine Multimedia-Anlage mit allem Drum und Dran, alles wie von VW gewohnt logisch und einfach bedienbar.
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Der 208 ist genau das Gegenteil, die Bedienung teils katastrophal. Das von Peugeot bekannte Mini-Lenkrad ist vielleicht auf der Rennstrecke ein Vorteil, im Alltag jedoch ein Krampf. Als 1,75-Meter-Mann hat man wenig Sicht auf die Instrumente. Bei der Radio-Navi-Einheit traut man sich gar nicht zur Zieleingabe, das Radio ist umständlich einstellbar. Außen punktet der Franzose dagegen mit mattschwarzer Front und grellrotem Hintern.
Wie sich die beiden starken Kleinwagen beim Fahren schlagen, sehen Sie in der Bildergalerie.

Fazit

Eigentlich ist er zu teuer, das Fahrwerk zu sportlich, die Bedienung umständlich. Doch die sensationelle Sachsenring-Performance, der drehfreudige Motor und das quirlige Handling wiegen all die Nachteile wieder auf. Die 41er-Runde dürfte dem 208 GTi so schnell keiner der Brot-und-Butter-GTI streitig machen. So siegt der Peugeot hauchdünn vor dem neuen VW Polo GTI. Hauchdünn? Ja, denn der Neue ist endlich wieder ein richtig frecher Kleinwagen. Toller Sound, Rennstrecke kann er auch, Fahrleistungen wie der Golf GTI, gut ausgestattet und vor allem bezahlbar.