Vielleicht lief der Scheibenwischer trocken über eine verdreckte Scheibe, es fiel etwas gegen das Auto, oder es wurde ganz klassisch eine CD-Hülle zum Eiskratzen genutzt: Es kann viele Gründe für Kratzer in den Autoscheiben geben. Besonders eine zerkratzte Frontscheibe kann bei tief stehender Sonne dafür sorgen, dass man im Blindflug unterwegs ist. Während bei tiefen Kratzern die Frontscheibe ausgetauscht werden muss, können leichtere und mittlere Kratzer durch Smart Repair auspoliert werden. Die Firma Quixx ist der Meinung, dass man das mit dem Glas-Kratzerentferner auch selbst tun kann. Doch funktioniert das wirklich? AUTO BILD hat den Glas-Kratzerentferner für Sie getestet!

Quixx Glas-Kratzerentferner im Check: Das ist drin

Das Glas-Kratzerentferner-Set beinhaltet für 19,95 Euro (UVP) folgende Utensilien:
Ein Polierstab aus Holz
Fünf rote Polierstreifen
Fünf weiße Polierstreifen
Eine Spritze mit "Repair"-Polierpaste
Eine Spritze mit "Finish"-Polierpaste
Eine Bedienungsanleitung
Praxischeck   Glaßkratzer Entferner
Der Glas-Kratzerentferner beinhaltet einen Polierstab, verschiedene Polierstreifen, zwei verschiedene Polituren und eine Bedienungsanleitung.

Um einen Kratzer richtig aus dem Glas entfernen zu können, sollte die Einkaufsliste aber noch um einige Dinge ergänzt werden. So sollte man die Scheibe vor der Reparatur mit einem guten Scheibenreiniger gründlich putzen, dazu werden auch passende Tücher benötigt. Genauso sollte Klebeband auf der Einkaufsliste notiert werden, um die intakte Scheibe rund um den Kratzer abzukleben und so vor Beschädigungen zu schützen. Hierzu noch folgender Hinweis: Nur leichte und mittlere Kratzer können mit dem Glas-Kratzerentferner beseitigt werden, bei tiefen Kratzern hilft nur der Austausch der Scheibe.
Glas-Kratzerentferner
Glas-Kratzerentferner
Quixx
Glas-Kratzerentferner
  • günstige Alternative zu Smart Repair
  • leichte Verarbeitung
  • gutes Ergebnis bei leichten und mittleren Kratzern
  • Dosierung der Polituren durch Spritzen fast unmöglich
Preis 15,13 €

So funktioniert der Quixx Glas-Kratzerentferner

Erster Schritt: Die Vorbereitung

Um ein gutes Ergebnis zu erreichen, ist auch beim Quixx Glas-Kratzerentferner die richtige Vorbereitung wichtig. Zuallererst muss die Scheibe gründlich gereinigt werden. Ist die Scheibe verschmutzt, kann es nämlich passieren, dass man beim Polieren durch Schmutzpartikel auf der Scheibe nur für noch tiefere Kratzer sorgt, anstatt sie zu entfernen. Nach der Reinigung sollte die Scheibe im Abstand von ungefähr 10 bis 12 Millimetern rund um den Kratzer abgeklebt werden. Das liegt daran, dass die Politur sehr starke Schleifmittel beinhaltet, die schnell für neue Kratzer sorgen können, wenn nicht aufgepasst wird. Ist alles vorbereitet, kommen die Schleif-Polituren zum Einsatz.

Zweiter Schritt: Polieren mit der "Repair"-Paste

Der Polierdurchgang mit der "Repair"-Polierpaste ist nach der Vorbereitung der wichtigste Schritt. Dabei zeigt sich aber auch ein Problem mit dem Glas-Kratzerentferner-Set: Laut Bedienungsanleitung soll man zwischen 0,04 und 0,06 Milliliter Poliermasse auf den Kratzer geben, was ungefähr zwei bis drei Einheiten auf der Spritzenskala entsprechen soll. Da die Spritze aber sehr leichtgängig ist, ist es selbst mit viel Fingerspitzengefühl sehr schwer, nur so wenig Polierpaste auf den Kratzer zu geben. Es ist zwar für das Polieren an sich nicht schlimm, wenn man zu viel Polierpaste auf den Kratzer gibt, allerdings sind so die 30 bis 40 Anwendungen, die Quixx auf der Verpackung verspricht, nicht sehr realistisch. Man wird schon deutlich früher nicht mehr genügend Polierpaste in der Spritze haben.
Durch die leichtgängige Spritze lassen sich die Polierpasten nur sehr schwer dosieren.

Zum Polieren wird ein roter Polierstreifen abgerissen, auf das angeschrägte Ende des Polierstabs geschoben und mit einem Gummiring fixiert. Anschließend wird der Kratzer mit starkem Druck und mit schnellen Bewegungen bearbeitet. Wenn man poliert, sollte man immer darauf achten, dass die angeschrägte Seite immer mit ganzer Fläche auf dem Glas aufliegt und die Polier-Bewegungen im 90-Grad-Winkel zum Kratzer erfolgen. Ein Polierdurchgang sollte immer drei Minuten betragen. Wie oft poliert werden muss, ist von der Tiefe des Kratzers abhängig. Leichte Kratzer müssen nur einmal drei Minuten lang bearbeitet werden, tiefere Kratzer können schon mit drei bis vier Durchgängen à drei Minuten poliert werden müssen. Dabei gibt Quixx aber auch noch einmal den Hinweis, dass das Ergebnis nur bei leichten oder mittleren Kratzern zufriedenstellend sein wird, bei tieferen Kratzern eher nicht.

Dritter Schritt: Polieren mit der "Finish"-Paste

Beim Polieren ist darauf zu achten, dass die angeschrägte Seite des Polierstabs schnell und mit viel Druck im rechten Winkel zum Kratzer über die Scheibe bewegt wird.
Bevor die "Finish"-Polierpaste aufgetragen wird, müssen die Überreste der "Repair"-Paste mit einem feuchten Tuch abgetupft und komplett entfernt werden. Erst dann wird die "Finish"-Paste aufgetragen, wobei es hier zum gleichen Dosierungsproblem kommt wie bei der "Repair"-Paste. Der rote Polierstreifen wird gegen einen weißen Streifen auf dem Polierstab ausgetauscht. Mit schnellen Bewegungen und starkem Druck wird der Kratzer anschließend noch einmal drei Minuten lang poliert. Hier wird auch bei tieferen Kratzern nur ein Polierdurchgang benötigt. Anschließend werden die Polierreste feucht abgewischt.

Fazit des Praxis-Checks: Kann man Kratzer in der Scheibe selbst entfernen?

Dieser Kratzer wurde zur Hälfte mit dem Glas-Kratzerentferner bearbeitet. Links ist die unbearbeitete Hälfte zu sehen, rechts ist der Kratzer verschwunden.
Es war doch überraschend: Tatsächlich sind nach der Anwendung des Quixx Glas-Kratzerentferners die leichten und auch die mittleren Kratzer aus der Scheibe verschwunden. Die Handhabung des Sets ist sehr einfach, und bei richtiger Anwendung überzeugt auch das Ergebnis. Einziger Nachteil: Die Dosierung der Polierpasten ist nur schwer einzuhalten, und bei tiefen Kratzern muss die Scheibe trotzdem ausgetauscht werden. Dennoch ist der Glas-Kratzerentferner der Firma Quixx für 19,95 Euro eine gute und günstige DIY-Smart-Repair-Alternative, die wieder für guten Durchblick sorgen kann.

Dürfen Kratzer in Windschutzscheiben auspoliert werden?

Leichte und mittlere Kratzer in der Frontscheibe, die gerade so mit dem Fingernagel spürbar sind, dürfen tatsächlich auspoliert werden. Anders sieht es bei tiefen Kratzern aus: Da die Windschutzscheibe in den meisten Fällen ein tragendes Bauteil ist (sie trägt also zur Stabilität der Karosserie bei), dürfen zu tiefe Kratzer nicht auspoliert werden. Sind die Kratzer zu tief, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass die Frontscheibe reißt. Viel entscheidender ist aber noch die Sichtbehinderung, die tiefe Kratzer hervorrufen können. Bevor selbst etwas an der Scheibe versucht wird, sollte immer erst eine Werkstatt einen Blick auf die Frontscheibe werfen. Sind die Kratzer zu tief, lässt sich selbst mit professioneller Smart Repair nichts mehr retten, und die Scheibe sollte ausgetauscht werden.

Von

Lars Golly