Renault Rafale Hyper Hybrid 4x4 300: Test
Höhenflug mit Gegenwind: Sein Preis bremst den Rafale aus

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300 PS, ordentlicher Komfort und viel Technik: Das Topmodell Renault Rafale Hyper Hybrid hat einiges zu bieten, wie der AUTO BILD-Test zeigt.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Ein Kampfjet als Namensvetter? Das schürt hohe Erwartungen. Das zweistrahlige Mehrzweckkampfflugzeug des französischen Herstellers Dassault Aviation entwickelten die Franzosen im Alleingang, nachdem sie dem Eurofighter-Konsortium den Rücken gekehrt hatten.
Und der fliegende Rafale gilt als vielseitig und wendig, darf als Erfolg bezeichnet werden. Ob das auch für sein potentestes Pendant auf vier Rädern gilt? Das verrät der Test des Renault Rafale Hyper Hybrid E-Tech 4x4 300 Plug-in Atelier Alpine.
Antriebstrio mit 300 PS Systemleistung
Diese überlange Bezeichnung haben wir uns nicht ausgedacht. Sie stammt tatsächlich vom französischen Staatskonzern und beschreibt die leistungsstärkste und vielseitigste Variante des durchaus schnittigen Fließheck-Hochsitzes.

Für Vortrieb sorgen im Rafale Hyper Hybrid ein 1,2 Liter großer Dreizylinder und jeweils ein Elektromotor an Vorder- und Hinterachse.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Das Herzstück des französischen Tieffliegers ist der speziell entwickelte "Hochleistungsantrieb", wie Renault ihn nennt. Die Kombination aus einem 1,2-Liter-Dreizylinder mit 150 PS, einer 68 PS starken E-Maschine an der Vorderachse und einem 136 PS leistenden E-Motor an der Hinterachse führt zu einer Systemleistung von immerhin 300 PS.
Zwischenspurt auf Sportwagen-Niveau
Würde man das aus den Einzelleistungen resultierende Drehmoment einfach addieren, ergäben sich ziemlich imposante 630 Newtonmeter. Allerdings regeln das Systemmanagement und das technisch aufwendige Multi-Mode-Getriebe die Kraftübertragung so, dass maximal 450 Newtonmeter bedarfsgerecht an alle vier Räder verteilt werden.

Sehr ordentlich: In schlanken 2,9 Sekunden beschleunigt der Rafale von 60 auf 100 km/h, von 80 auf 120 km/h braucht er 3,5 Sekunden.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Aber auch damit kann der Fahrer gut leben. Nach AUTO BILD-Messung beschleunigt der Rafale in 6,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Das ist ordentlich, noch beeindruckender sind jedoch die Werte im Zwischenspurt: Wer zügig überholen will, ist in 2,9 Sekunden von 60 auf 100 km/h oder in 3,5 Sekunden von 80 auf 120 km/h unterwegs.
Fahrzeugdaten
Modell | Rafale Hyper Hybrid 4x4 300 |
|---|---|
Leistung Verbrennungsmotor | 110 kW (150 PS) |
Hubraum | 1199 cm³ |
Einbaulage (Verbrenner/E/E) | vorn quer/vorn/hinten |
Leistung E-Motoren vorn/hinten | 51/100 kW (69/136 PS) |
max. Drehmoment (Verbrenner/E/E) | 230/205/195 Nm |
Systemleistung | 221 kW (300 PS) |
Vmax | 180 km/h |
Getriebe | Multi-Mode-Automatik |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 245/40 R 21 Y |
Reifentyp | Continental Sport Contact 7 |
Radgröße | 7,5 x 21" |
Abgas CO2* | 43 g/km |
Verbrauch* | 2,0 l S + 13,0 kWh/100 km |
Tankinhalt/Batteriekapazität | 55 l/22 kWh |
Ladeleistung/Ladezeit (0-100 %) | 3,7 kW/5:35 Stunden |
Kraftstoffsorte | Super |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg |
Stützlast | 85 kg |
Kofferraumvolumen | 627–1910 l |
Länge/Breite/Höhe | 4710/1866–2085**/1613 mm |
Radstand | 2738 mm |
Grundpreis | 53.500 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 58.800 Euro |
Für sportlich orientierte Fahrer hält der Multi-Sense-Knopf am Lenkrad neben Eco und Comfort auch einen Sportmodus bereit. Wirklich spürbar wird dieser jedoch weder im Antritt noch in der Lenkung oder im Fahrwerk. Trübsal muss der ambitionierte Fahrer dennoch nicht blasen. Bei 180 km/h wird dem flotten Lauf allerdings ein jähes Ende gesetzt, stoppt die Elektronik den munteren Vorwärtsdrang – und der Kampfjet mutiert gefühlt zum Segelflieger.
Bei sportlicher Fahrweise wird der Rafale durstig
Während das Tempo also begrenzt bleibt, klettert der Verbrauch bei hohen Geschwindigkeiten deutlich über das, was bei einem Dreizylinder angemessen erscheint. Hier wird Superbenzin in vollen Zügen konsumiert, sodass am Ende rund 13 Liter auf der Uhr stehen.

Trinkfest: Bei forsche Gangart nimmt sich der Dreizylinder schon mal 13 l/100 km. Im Testdurchschnitt waren es mit vollem Akku glatte 4 Liter auf 100 Kilometer.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Aber Achtung: Das gilt nur bei entsprechend forscher Gangart. In unserem Drittelmix aus Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr wurde bei voller Batterie ein Durchschnittsverbrauch von 4,0 Liter Super und 10,1 kWh ermittelt. Das ermöglicht eine Testreichweite von 915 Kilometern. Ist der Akku leer und der Dreizylinder allein gefordert, steigt der Verbrauch auf immer noch akzeptable 6,6 Liter über 100 Kilometer.
Wenn der Elektroantrieb den 1983 Kilogramm schweren Rafale bewegt, reicht die Energie des 22-kWh-Akkus nach unseren Messungen für 82 Kilometer. Auch das ist ein guter Wert. Weniger erfreulich ist jedoch die Ladeleistung von lediglich 3,7 kW. Wer mit leerer Batterie an die AC-Ladesäule geht, benötigt fünfeinhalb Stunden bis zur Vollladung.
Allradlenkung ist serienmäßig an Bord
In Summe empfiehlt es sich also, mit dem kompakten SUV etwas gelassener unterwegs zu sein. Das kommt auch der Gesamtdynamik zugute. Die serienmäßige Allradlenkung – die den 4,71 Meter langen Wagen im urbanen Bereich erstaunlich agil macht – sorgt im Zusammenspiel mit der sehr leichtgängigen und rückmeldungsarmen Lenkung für eine gewisse Nervosität. Gerade bei schnell gefahrenen Wechselkurven wird das unangenehm spürbar.

Seine Allradlenkung macht den 4,71 Meter langen Rafale in der Stadt agil – in schnellen Wechselkurven ist er aber unangenehm nervös.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Deutlich angenehmer präsentieren sich die adaptiven Dämpfer. Dank Kamera-Scanning sorgen sie trotz der mächtigen 21-Zoll-Räder für hohen Fahrkomfort. Nur bei plötzlich auftauchenden oder schwer erkennbaren Unebenheiten stößt das System an seine Grenzen. Hier fehlen schlicht die nötigen Informationen zur vorausschauenden Anpassung.
Messwerte
Modell | Rafale Hyper Hybrid 4x4 300 |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,0 s |
0–100 km/h | 6,5 s |
0–120 km/h | 8,5 s |
0–130 km/h | 9,8 s |
0–160 km/h | 14,7 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,9 s |
80–120 km/h | 3,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1983/457 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 53/47 % |
Wendekreis links/rechts | 10,9/10,8 m |
Sitzhöhe | 645 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,5 m |
aus 100 km/h warm | 35,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Stromverbrauch | 25,3 kWh/100 km |
Testverbrauch (60 % Hybrid-; 40 % E-Anteil) | 4,0 l S + 10,1 kWh/100 km |
Verbrauch mit entladener Batterie | 6,6 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 95 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 833 km + 82 km elektrisch |
Apropos Komfort: In der zweiten Reihe profitieren Passagiere vom großzügigen Platzangebot und von praktischen Details wie einer eigenen Klimatisierung sowie einer ausklappbaren Smartphone-Halterung in der Mittelarmlehne. Die Sitzfläche ist jedoch etwas kurz geraten, und die Lehne fällt minimal zu stark nach hinten ab.
Pilot und Co-Pilot nehmen auf ordentlich konturierten Sportsitzen Platz, die guten Seitenhalt bieten. Trotz der etwas kurzen Sitzfläche und der fehlenden Neigungsverstellung finden Fahrer unterschiedlicher Statur eine angenehme Sitzposition.
Bedienung nicht überall optimal
Der Arbeitsplatz wird rechts vom Lenkrad von drei Bedienelementen dominiert. Ganz oben sitzt der Gangwählhebel, der über Ziehen und Drücken bedient wird. Allerdings kommt es hier nicht selten zu Verwechslungen mit dem darunterliegenden Scheibenwischerhebel.

Verwechslungsgefahr: Scheibenwischer- und Gangwahlhebel liegen nah beieinander – Fehlbedienungen kommen nicht selten vor.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Positiv ist, dass Renault nicht sämtliche Funktionen in das 12-Zoll-Zentraldisplay ausgelagert hat. Die Klimaanlage lässt sich weiterhin über physische Tasten bedienen. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil die Google-basierte Software nur eingeschränkt Fahrzeugfunktionen per Sprache steuern kann. Zudem wirkt die Menüstruktur im TFT-Display teilweise verschachtelt und wenig intuitiv. Klare Vorteile sind hingegen die Integration von Google Maps sowie die Möglichkeit, das Smartphone via Bluetooth einzubinden und so dessen Funktionen umfassend zu nutzen.
Zur Sicherheitsausstattung gehört eine Vielzahl von Assistenzsystemen. Besonders auffällig ist der Spurhalteassistent. Dieser wirkt häufig überfordert und lässt das Fahrzeug eher zwischen den Markierungen pendeln, statt es sauber zu zentrieren. Umso erfreulicher ist es, dass sich Spurhalteassistent und Geschwindigkeitswarner über einen Knopfdruck gemeinsam deaktivieren lassen – bis zum nächsten Neustart.
Wertung Renault Rafale Hyper Hybrid 4x4 300
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Üppiges Platzangebot, Übersicht und Raumgefühl eingeschränkt, nur 1,5 Tonnen Anhängelast. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Solide Beschleunigung, Dreizylinder gut gedämmt, annehmbarer Verbrauch, nur 180 km/h Vmax. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Wendig und leichtfüßig, Allradlenkung in der Stadt angenehm, wackelig bei Wechselkurven. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Wenig intuitives Zentraldisplay, Navi über Google Maps, kaum Fahrzeugfunktionen per Sprache. | 3,5 / 5 |
Umwelt | Fährt oft und weit elektrisch, CO2-Ausstoß abhängig vom Fahrer, Gewicht klassenüblich. | 2,5 / 5 |
Komfort | Adaptive Dämpfer mit Kamerascanning, Sitze in Neigung nicht verstellbar, gute Serienausstattung. | 3,5 / 5 |
Kosten | Hoher Listenpreis und hoher Wertverlust, Unterhaltskosten halten sich im Rahmen. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,1 |
Auch beim Kofferraum zeigt sich der Rafale großzügig: 627 Liter stehen mindestens zur Verfügung, bei umgelegter Fondlehne sind es bis zu 1910 Liter. Allerdings erschwert eine entstehende Stufe das Durchladen schwerer Gegenstände. Hinzu kommen eine vergleichsweise hohe Ladekante von 84 Zentimetern und eine eher moderate Zuladung von 457 Kilogramm. Die Anhängelast beträgt immerhin 1,5 Tonnen.
An der Kasse langt Renault kräftig zu
Bleibt die Preisfrage: 53.500 Euro kostet der Rafale mindestens, in der getesteten Version sind es 58.800 Euro. Dafür gibt es optional unter anderem ein Head-up-Display (800 Euro) oder die attraktive Ausstattungslinie Atelier Alpine (4500 Euro) mit zahlreichen optischen und technischen Highlights. Dazu zählen unter anderem die 21-Zoll-Räder, adaptive Dämpfer, schwarze Außenspiegel sowie die Projektion des Renault-Logos beim Ein- und Aussteigen.

Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Dennoch bleibt der Preis von knapp 59.000 Euro ambitioniert für einen Dreizylinder mit elektrischer Unterstützung, dessen Leistungswerte solide, aber nicht segmentführend sind. Hinzu kommt ein vergleichsweise hoher Wertverlust.
Fazit
Zweifellos wird der Renault Rafale seine Fans finden. Als eigenständiger Hingucker mit ordentlichen Fahrleistungen und solidem Verbrauch kann er durchaus punkten. Allerdings verlangt Renault einen ziemlich ambitionierten Preis, der einen Blick auf die Konkurrenz nahelegt. AUTO BILD-Testnote: 2,1
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