Es war das erste Mal. Und es ist noch gar nicht so lange her. Nach 25 Berufsjahren und gefühlt mehreren Tausend Anfragen der Art "Welches Auto soll ich kaufen?", brachte meine Sandkastenfreundin Brita mich dennoch kurz aus der Fassung. "Welches Auto soll ich kaufen, also E-Auto?" Einen Moment lang dachte ich an Kurzschluss und die Auskunft "Gar keins", konnte den Blackout aber verhindern. Denn je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer zeichnete sich die Antwort ab: "Warum eigentlich nicht!"

100 Kilometer Reichweite sind die Mindestanforderung

VW e-UP        Renault Zoe       Smart EQ fortwo
Kleine Stromer im Vergleich: Smart EQ fortwo, Renault Zoe und VW e-Up taugen auch zum Pendeln.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dazu müssen Sie wissen, dass Brita bei Lübeck wohnt. Schickes Einfamilienhaus, im Carport neben dem Dienstwagen ihres Mannes ein kleiner Corsa. Der bringt Brita zur Arbeit kurz vor den Toren Hamburgs, 50 Kilometer hin und 50 Kilometer wieder zurück. Klappt prima. Lässt sich aber auch gut mit einem Elektroauto erledigen, oder? Spannende Frage, die zu dieser Geschichte führte. Welcher Stromer schafft es, Britas Bedürfnisse wirklich zu befriedigen? Oder allgemeiner: Wie viel E-Mobil braucht ein Pendler zum Glücklichsein?  Drei Kandidaten haben wir für Brita und ihre Pendlerkollegen ausgewählt. Alle mit sauberem Elektroantrieb, volksnah und nicht überkandidelt wie etwa ein Tesla, sonst aber grundverschieden.

Mit 35.900 Euro langen die Franzosen richtig zu

Renault Zoe
Vollwertig: Der Zoe fordert kaum Kompromisse, was sich Renault aber auch gut bezahlen lässt.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Klein, wendig und am günstigsten: der Smart EQ fortwo – die ideale Besetzung für Singles ohne Anspruch auf Firmenparkplatz. Ausdauernd, geräumig, dafür aber auch am teuersten: der Renault Zoe mit 41-kWh-Akku – ein ernst zu nehmender Zweitwagen für Familien. Und genau zwischen diesen beiden Elektro-Minis positioniert sich schließlich der VW e-Up – trifft der kleine Wolfsburger damit am Ende womöglich die goldene Mitte? Im Selbstversuch haben wir die Antworten herausgefahren. Nach Ermittlung von Verbrauch und Reichweite sowie dem Check der Ladezeiten können wir jetzt guten Gewissens Empfehlungen aussprechen – nicht nur für Brita.

Der Smart kommt weiter, als man erwartet

Der Smart überrascht mit bemerkenswerter Reichweite. Auf unserer bewusst gemütlich angegangenen Verbrauchsfahrt reichte der 17,6-kWh-Akku immerhin für 145 Kilometer. Mit 22-kWh-Schnelllader (840 Euro) an Bord und Wallbox (ab 773,50 Euro) daheim saugt sich der Akku in nur 40 Minuten zu 80 Prozent voll – an der Schuko-Dose dauert das neunmal so lange – macht volle sechs Stunden. Eine sinnvolle Investition also, auch wenn der Kleinste unserer Stromer (ab 21.940 Euro) dann noch teurer wird.
Smart EQ fortwo           Renault Zoe       VW e-UP
Alle drei Kandidaten sind perfekt für die Stadt, weil sie so wenig Platz brauchen
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Leider kostet die Schnellladedose im Up extra

VW e-Up: Der Elektro-up kommt dank 18,7 kWh im Akkupaket immerhin 155 Kilometer weit – mit Klimaanlage auf 21 Grad und maximal Tempo 100. Zu Hause heißt es dann aber für zehn Stunden an die Haushaltsdose (100 Prozent). Oder mit CCS-Ladedose (625 Euro) unterwegs an den Schnelllader. Der schafft 80 Prozent in weniger als einer Fußballhalbzeit. Also locker bleiben, was beim Preis ab 26.900 Euro schon deutlich schwerer fällt.
Renault Zoe       Smart EQ fortwo         VW e-UP
Ob Renault, VW oder Smart: Alle sind beeindruckend. Was alle drei aber ausbremst, sind die enorm hohen Preise. Die müssten um 50 Prozent runter.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Daumen-hoch-Emoji für den Zoe, den man fast als Erstauto akzeptieren würde. Der 4,09 Meter lange Franko-Floh bietet bis zu 1225 Liter Kofferraum und fünf Plätze. Wären die Sitze nicht so flau, wäre der Renault eine klare Empfehlung. Der gewaltige 41-kWh-Akku macht den Zoe zwar unverschämte 35.900 Euro teuer, hält aber bemerkenswerte 330 Kilometer durch.
Erstaunlich, wie weit die kleinen Stromer bei sinniger Fahrweise kommen. Der Smart empfiehlt sich für Alleinreisende im urbanen Umfeld, der VW taugt auch für die Fahrgemeinschaft, der Zoe kann als Zweitwagen für Familien überzeugen. Was alle drei aber ausbremst, sind die enorm hohen Preise. Die müssten um 50 Prozent runter.