Der Mann hat Träume. Mit denen setzt sich David Obendorfer an den Computer und verwandelt seine Ideen in faszinierende Autos. Diesmal hat er sich den VW Bulli vorgeknöpft, um ihn nach seinem Geschmack umzugestalten: in einen Expeditionsbus im Stil des Urmodells, jedoch mit derben Rädern, Offroadgepäck und der Technik von heute. Der "T1 Adventure", wie der Designer seine Studie nennt, dürfte Bulli-Fans weltweit elektrisieren. Und sie passt wie handgestrickt zur Strategie des VW-Vorausdenkers Michael Jost, der gerade eine Linie von rauen, puren Geländewagen angekündigt hat. 2025 soll der erste kommen. Dann könnte der T1 Adventure von David Obendorfer längst auf der Straße fahren. Wie bei seinen früheren Projekten, die seit Jahren in der Szene für große Aufmerksamkeit sorgen, ging der Designer auch diesmal vom Serienauto aus. "Ich nehme den aktuellen T6 millimetergenau auf, verwende alle technischen Details und setze darauf eine Karosserie, wie sie mir gefällt." Heraus kam eine umwerfende Retroform, die sich eng am T1 orientiert und dessen Merkmale in die Moderne übersetzt: die Pfeilnase, die quadratischen Fenster oder innen den Rundtacho im lackierten Cockpit. Frei nach dem Motto: der Samba im Dschungel.
Hinweis
VW T6 im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt

VW T1 Adventure  !! ILLUSTRATION !!
Zweifarbenlack, dunkle Felgen und Expeditionsgepäck auf dem Dach: Der Abenteuerbus erinnert an einen T1 in Offroadklamotten.

Alte Ikonen als Blaupausen für morgen

So frei Obendorfers Fantasie erscheint, folgt sie doch technischen Regeln. "Ich halte alle Crashzonen ein, das Lenkrad und die Sitze stehen an der gleichen Stelle wie im Original T6." Das lässt seine Skizze so realistisch erscheinen, auch wenn auf dem Weg bis zum Serienbau "sicher 100 Millionen Probleme warten", wie der 44-Jährige einräumt. "Ich muss keinem Designteam gefallen, sondern kann meinem eigenen Geschmack folgen." Und der ist eindeutig "Retro", wenngleich er diesen Stempel abschwächt. "Ich liebe Autos mit sauberen Linien und ausgewogenen Proportionen, die noch nicht überladen sind wie aktuelle Modelle." Obendorfer versteht seine Skizzen auch als Anregung, die alten Ikonen als Blaupausen für morgen zu verwenden. "Ich kann nicht verstehen, dass VW keine Retromodelle bauen will, obwohl viele sich danach sehnen", meint Obendorfer. "Retro darf kein Rückblick sein, sondern muss das starke, elegante Design übertragen auf zeitgemäße Flächen mit eingestreuten historischen Details." Details wie die Rundaugen am T1.
Citroen Type H Wildcamp  !! ILLUSTRATION !!
Ein Satz von Anbauteilen aus GFK verwandelt den braven Jumper zum Retromobil.

Obendorfers Träume werden Realität

Dass seine Skizzen kein abgehobenes Wolkenkuckucksheim sind, sondern auch Realität werden können, hat der Designer 2020 bewiesen. Obendorfer hatte am Computer den legendären Citroën HY reanimiert, als Fabrizio Caselani sich bei ihm meldete. Der Karosseriebauer im norditalienischen Sospiro plante eine Sonderserie zum 70. Geburtstag der legendären "Schweinenase", wie der Wellblechtransporter wegen des aufrechten Grills genannt wurde. Zusammen mit den Blechexperten von Caselani gestaltete David Obendorfer einen Satz von Anbauteilen, die am aktuellen Citroën Jumper montiert werden können. In GFK-Panelen leben die frei stehenden Scheinwerfer ebenso auf wie die gewellten Seiten. Über 60 Karosseriesätze hat Caselani seitdem produziert, die Montage des Kits erfolgt im Werk. Auf dem Caravan Salon 2018 staunten die Besucher vor einem Citroën-Wohnmobil, das im Stil des HY eingekleidet war. Schweinenase on Tour. So kam David Obendorfers Idee auf die Straße.

David Obendorfer
David Obendorfer beschäftigt sich nicht nur leidenschaftlich gern mit Autos, sondern entwirft auch Jachten.

Dem BMW CS neues Leben eingehaucht

Autos haben den studierten Designer nie losgelassen. Nach dem Abschluss an der "Mome"-Hochschule in Budapest zuerst bei einem Zulieferer beschäftigt, ging Obendorfer nach Italien und landete für ein halbes Jahr bei Alfa Romeo in Arese. "Tolle Autos, aber das Team war mir zu groß." Zu viele Einflüsse, zu viele Zwänge. Eher zufällig landete er bei einem Designbüro, das Schiffe für Riva und Sanlorenzo entwirft. "Die kleinen Boote haben viel mit Autos gemeinsam – sie sind wie Cabrios ohne Räder." Den Schwung seiner Schiffe überträgt Obendorfer auf eine stille Liebe: die schönsten Kreationen wie den legendären BMW CS, dem er nach seinen Vorstellungen neues Leben einhauchte. Sein CS Vintage Concept, auf Basis des damaligen 6er, trägt alle BMW-Insignien wie Doppelniere, Doppelscheinwerfer und Hofmeister-Knick auf so gekonnt reduzierter Blechhaut, dass sie noch mehr ins Auge springen. Ganz anders als beim aktuellen BMW-Design. Das Ergebnis begeisterte weltweit, mit einem Schlag war der Designer bekannt. "Damals wurde ich von einem BMW-Verantwortlichen angesprochen." Es wurde nichts draus, er hat es nicht bereut.

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David Obendorfer
VW T1 Adventure  !! ILLUSTRATION !!
VW T1 Adventure  !! ILLUSTRATION !!
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Retrodesign von David Obendorfer
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Im gleichen Stil designte er Neuinterpretationen des Renault R4 oder des Fiat 127. Später folgten Abarth-Versionen des 127 ebenso wie ein Fiat 600 im Stil des 500, jedoch mit Türen hinten. Oder ein 850 als Coupé oder Spider, alle auf Basis des Punto. "Freihand zu zeichnen wäre einfacher, aber auf diese Weise ist es korrekter." Dennoch übertreibt David Obendorfer, wenn er sagt: "Ich kann kein großes Auto, ich kann nur Concept Cars." Nennen wir sie Träume, manche davon sind schon wahr geworden.