Saab-Designer Jason Castriota im Interview
Der neue 9-3 wird schrullig

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Bisher hat er Boote entworfen, jetzt will er Saab nach vorn bringen. Jason Castriota ist sich sicher, dass das klappt. Der neue Designchef der Schweden verspricht einen mutigen und polarisierenden 9-3.
Kaum ist der Verkauf von Saab an Spyker perfekt, besitzt die schwedische Traditionsmarke einen neuen Designchef. Der New Yorker Jason Castriota hatte sich in der Vergangenheit durch das Entwerfen von Flaschen, Booten und Schuhboutiquen einen Namen gemacht. Jetzt soll er den Schweden – früher Inbegriff für individuell gezeichnete Fahrzeuge – wieder zu neuen Höhenflügen verhelfen. Vorbild sind Klassiker wie das 900 Cabrio aus den 80er-Jahren, das bis heute Kultstatus hat. AUTO BILD: Herr Castriota, Sie haben noch nie ein Auto für eine Massenproduktion gezeichnet. Warum sind ausgerechnet Sie der neue Saab-Chefdesigner? Jason Castriota: Spyker-Chef Victor Muller will Saab als eine Marke mit echten Premiumautos und mutigem Design wieder aufbauen. Schon nach unserem ersten Treffen war schnell klar: Wir haben die gleiche Vision. Klar war ich stolz, als ich erfuhr, von Beginn an ihre erste Wahl gewesen zu sein. Wir dürfen uns jetzt nicht zu Sklaven der erfolgreichen Saab-Vergangenheit machen, sondern müssen sehen, was die Essenz der Marke ist. Daraus müssen dann neue Autos entstehen. Das wird eine Herausforderung – aber ich habe Spaß daran!
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Passen Sie mit Ihrer unkonventionellen Arbeitsweise gut zu Saab, weil auch die Firma früher unkonventionell war? Das passt in der Tat perfekt. Früher hatte Saab Autos im Angebot, die nicht den Mainstream bedient haben. Und da wollen wir wieder hin – in der Hoffnung, dass unsere alten Kunden wieder zu uns zurückkehren. Aber wir wollen auch neue Kunden ansprechen, die Lust auf etwas Ungewöhnliches haben. Das wird sicher nur mit einem klaren Profil gelingen. Audi steht für Qualität, BMW für Sportlichkeit, Mercedes für Komfort – und Volvo für Sicherheit. Was bleibt da für Saab? Saab ist vor allem unverwechselbar und schrullig. Das Auto ist sportlich, sicher und hat Nutzwert. Denken Sie nur an den Saab 900 CC – ein Mittelklasseauto mit großer Heckklappe und umklappbaren Rücksitzen. Wo muss Saab künftig aufholen? Sehen wir vom Design ab, müssen wir bei der wahrgenommenen Qualität, besonders im Innenraum, deutlich aufholen. Und wir wollen weiter umweltfreundliche Autos bauen – das ist ein Muss für eine schwedische Firma.
Wie wird der Saab der Zukunft aussehen? Ich möchte wieder eine unverwechselbare Silhouette und Proportionen schaffen. Die neuen Autos müssen eine unverwechselbare Präsenz auf der Straße haben. Wir wollen keine "Das-haben-wir-auch"-Marke sein, sondern etwas Einzigartiges anbieten. Gibt es ein Modell aus der Historie, das als Vorbild taugt? Saab hat eine erstaunliche Geschichte, und es ist wichtig, dass wir zu unseren Wurzeln zurückkehren. Beim Blick auf den ursprünglichen UR, den 92, 96, 98 und die erste 900er-Serie zeigt sich eine sehr klare Entwicklung der Saab-DNA. Das haben wir in den vergangenen fünfzehn Jahren verloren – aber an diese großartigen Modelle wollen wir wieder anknüpfen. Welcher ist Ihr liebster Saab? Ich liebe den UR für seine Einfachheit, den 92 für seine schrulligen, unverwechselbaren Proportionen. Unnötig zu sagen, dass ich besonders von der ersten Serie Saab 900 Turbo begeistert bin – es ist das Auto meiner Jugend. Das war und ist immer noch ein sehr, sehr cooles Auto!
Sie sind Amerikaner, haben Ihr Designbüro in New York. Sind die USA der wichtigste Markt für Saab? Die USA sind noch immer der größte und einflussreichste Markt für nahezu alle Premiummarken. Aber wir haben eine Menge Arbeit vor uns. In den 90er-Jahren war der Saab ein "Smart-Buy" – das Auto von Architekten, Anwälten und Ärzten. Diese Nische ist heute von Audi besetzt und wir müssen Vertrauen wiedergewinnen. Aber der Blick zu Audi zeigt: Nach den angeblichen Sicherheitsproblemen in den 80er-Jahren und den deswegen gesunkenen Verkaufszahlen geht es der Marke in den USA wieder gut. Saab kann das also auch schaffen!
Das Interview führte Stefan Voswinkel.
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