Aral gilt mit der Submarke "Aral Pulse" als Vorreiter bei Ultraschnellladesäulen für Elektroautos unter einem Tankstellendach. Nun will die BP-Tochter auch beim schnellen Bezahlen vorangehen und bis zum Jahresende an allen Turboladern die Bezahlfunktion Plug&Charge ("Reinstecken&Aufladen") nach Norm ISO 15118 einführen.
Dabei wird mit dem Anstecken des Ladekabels auch der Bezahlvorgang absolviert, ohne Anmeldung oder Identifikation über eine Ladekarte oder eine App. Der gesamte Ladevorgang, von der Authentifizierung bis zur Abrechnung, geschieht dank verschlüsselter Kommunikation schnell, sicher und automatisch. Allerdings gibt es bislang noch wenige Elektroautos, die Plug&Charge-fähig sind.
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Bis Ende 2021 will der Petro-Riese 500 Ladepunkte an mehr als 120 Tankstellen in ganz Deutschland aufbauen und damit sein derzeitiges Angebot verfünffachen. Noch sind E-Ladesäulen an Tankstellen eher rar gesät und, wenn vorhanden, meist weit entfernt von den konventionellen Zapfsäulen unter freiem Himmel aufgestellt. Bei Aral in Wuppertal zum Beispiel kommt jedoch bereits echtes "Tankfeeling" für den Kunden auf. Schon im Mai 2019 hatte Aral in Bochum die ersten Ultra-Fast-Charger eingeweiht, jedoch stand auch hier der E-Autobesitzer im Zweifel buchstäblich im Regen.
Aral nimmt erste „ultraschnelle“ Ladesäulen unterm Tankstellendach in Betrieb - E-Ladesäule
Ladesäulen unter einem Tankstellendach: Noch eine Seltenheit in Deutschland.

Akkutechnik für 350 kW wird vorausgesetzt

Die Ultraschnellladesäulen in Wuppertal liefern 100 Prozent Ökostrom und verfügen über eine Ladeleistung von 300 oder sogar 350 Kilowatt. Die entsprechende Akku-Technik vorausgesetzt, kann das Fahrzeug in zehn Minuten Strom für eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern laden. Zugrunde gelegt wird hier die Annahme, dass das E-Auto 17 Kilowattstunden (kWh) auf 100 Kilometer verbraucht und die volle Ladeleistung nutzen kann. Das klappt jedoch längst nicht immer: Denn die Ladegeschwindigkeit eines Elektromobils hängt von mehreren Faktoren ab, vor allem vom bordeigenen Batteriemanagement. Selbst der Lade-Primus Porsche Taycan kann dank 800-Volt-Technologie und einer ausgeklügelten Temperierungsstrategie seine Performance-Batterie mit Gleichstrom (DC) in gut fünf Minuten "nur" für bis zu 100 Kilometer Reichweite (nach WLTP) nachladen. Das Aufstocken von 5 auf 80 Prozent Batterieladung dauert nach Herstellerangaben unter idealen Bedingungen 22,5 Minuten an einer 800-Volt-Ladesäule, die maximale Ladeleistung (Peak) beträgt 270 kW.
Auto lädt an einer Shell Recharge Ladesäule
Shell will bis 2025 insgesamt 500.000 Ladepunkte aller Art einrichten.

Schnelllader auch bei HEM, Shell und Westfalen

Auch die Deutsche Tamoil will mit Kooperationspartner Allego weitere Schnellladesäulen an HEM-Tankstellen installieren, ebenfalls mit bis zu 350 kW Ladeleistung. Der Anfang wurde 2020 an der A13 zwischen Berlin und Dresden gemacht. Weitere Ladepunkte sollen in den kommenden Monaten folgen, verstärkt in ländlichen Gebieten. Shell fährt mit Partner EnBW zweigleisig. Die Hamburger bieten unter dem Label Shell Recharge neben synthetischen Kraftstoffen als flüssige Alternative zu Benzin und Diesel an immer mehr großen Tankstellen auch Schnellladesäulen. Diese liefern mindestens 150 kW Leistung und bieten modulare DC-Technik, die mit ihren CCS- und CHAdeMO-Anschlüssen (diese Ladestecker-Typen gibt es) 400- und 800-VDC-Fahrzeuge versorgen kann. Bei Tankstellenbetreiber Westfalen können die neuen Säulen mit allen gängigen Steckern über Gleichstrom (50 kW) und Wechselstrom (22 kW) genutzt werden. Die Ladesäulen sind an das europäische Intercharge-Netzwerk angebunden und somit mit vielen gängigen Ladekarten und -apps zugänglich. Auch Kreditkartenzahlung ist möglich (alle Infos zum Thema "laden und bezahlen").
Aral Pulse Ladesäule
Laden und Bezahlen – alles an der Säule. Ein Besuch im Tankstellen-Shop wird so eher unwahrscheinlicher.

Finanzminister droht mit Ladesäulen-Zwang

Das System mit dem Bezahlen gleich an der Säule ist eher kontraproduktiv für das Anlocken des Kunden in den Shop zwecks Einkauf und Zeitüberbrückung. Dennoch: In der Branche lässt sich generell ein Umdenken feststellen, wie das Nachrichtenportal WELT konstatierte: weg vom Geschäft der Öl- und Gasförderung, hin zum Verkauf von Energie. Ein Prozess, der angesichts hoher Investitionskosten nicht ganz freiwillig ist. Zum dringend notwendigen Aufbau einer funktionierenden öffentlichen Ladestruktur drohte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bereits damit, Ladesäulen an Tankstellen notfalls per Gesetz vorschreiben zu lassen. Ganz unvernünftig ist die Umrüstung zumindest mancher der rund 14.500 Tankstellen im Land nicht: Immerhin steigen die Verkaufszahlen von E-Autos und Plug-in-Hybriden durch die erhöhte E-Kaufprämie seit Monaten rapide.