Skoda Octavia: Kaufberatung
Gesucht: Der beste Octavia

Das schier unglaubliche Ladevolumen zu einem bodenständigen Tarif ist ein herausragendes Talent der dritten Octavia-Generation. Doch was kann der Tscheche sonst noch? Die Kaufberatung mit den wichtigsten Fakten.
Vom Geheimtipp über die Vernunftalternative bis hin zum Wandler zwischen den Klassen. Die Karriere des Octavia zeichnet den Wandel der Marke Skoda so ziemlich exakt nach. Seit der Übernahme durch den VW-Konzern haben sich die Tschechen stetig weiterentwickelt, durften immer aktuellere Konzerntechnik verbauen und mauserten sich dadurch mit den Jahren zu Deutschlands Importmarke Nummer 1. So erfolgreich, dass sogar VW langsam Muffensausen bekam und Skoda mit dem Rapid eine Neuausrichtung verordnete. Mit einfacherer Technik soll er in der Golf-Klasse wildern, ohne gleichzeitig dem MQB-basierten Namensgeber gefährlich zu werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der technisch anspruchsvollere und auch mit einem gewissen Prestigevorsprung ausgestattete Octavia nun in dritter Generation endgültig eine halbe Klasse nach oben rutscht. Technisch auf der kompakten Modulplattform aufbauend, strebt der Octavia mit fast 4,8 Meter Außenlänge beim Combi verdächtig in Richtung Mittelklasse – ist jedoch mit Preisen ab 15.990 Euro erneut günstiger als ein Golf. Unterm Strich klingt dieses Paket irgendwie zu gut, um wahr zu sein, oder?
Ewig viel Auto mit moderner Technik, da muss doch ein Haken sein. Also schauen wir uns den Tschechen einmal ganz genau an. Beim Erstkontakt fallen sofort die klareren Linien ins Auge: eine kantig abgegrenzte Frontmaske, die mehrfach gepfeilte Haube und eine markante Sicke in der Seitenlinie. All dies spiegelt den aktuellen Zeitgeist wider und lässt den neuen Octavia viel eleganter wirken als noch die unspektakuläre zweite Generation. Dazu kommen getönte Fenstersäulen, die aus der Seitenlinie eine geschlossene Einheit machen. Stichwort Seitenlinie: Gerade hier unterscheiden sich Limousine und Combi deutlich, denn während Erstere mit ihrem nach oben ausreißenden Knick vor der C-Säule und dem damit verbundenen, spitz zulaufenden Aufeinandertreffen von Gürtel- und Dachlinie ein höchst elegantes Bild abgibt, erlaubt sich der Combi nur ganz knapp vor der D-Säule eine unentschlossene Andeutung von BMWs Hofmeisterknick, was den Nutzwertaufbau zwar sehr filigran, aber dadurch auch konservativ wirken lässt.
Technische Secondhand-Einsätze sind passé

Seitenansicht der Limousine. Markantes Kennzeichen: der nach oben ausreißende Knick vor der C-Säule.
Auch materialtechnisch hat sich einiges getan: Das Leder am Lenkrad fühlt sich wirklich nach Leder an, die sichtbaren Oberflächen auf dem Armaturenträger sind allesamt hinterschäumte Handschmeichler, die Bedienelemente in der Mittelkonsole erstrahlen in feinem Klavierlack, und auch an den Details hat Skoda nicht gespart. Doch wie schlägt er sich auf der Straße? An sich gut: Die Geräuschdämmung ist frei von Kritik, das Einlenkverhalten präzise und ohne Verwerfungen in der Lenkung bei schnell gefahrenen Kurven. Einziger Makel: Vor allem auf der Autobahn, bei schnell genommenen Dehnungsfugen oder auf Temposchwellen in Tempo-30-Zonen gibt sich der Hinterwagen unerwartet unwirsch. Erst ab 180 PS aufwärts darf auch der Octavia auf die bewährte Mehrlenkerachse zugreifen. Bis dahin wird hinten im Verbund gelenkt.
Für viele die beste Wahl: 1.4 TSI mit 140 PS

Octavia-Innenraum: Technik und Material sind absolut auf Höhe der Zeit.
Der gleiche Block, nur mit etwas mehr Dampf auf dem Kessel steckt in der zweiten Octavia-Ausbaustufe. Hier leistet der 1.2 TSI 105 PS und stemmt 15 Newtonmeter mehr als die Basis. Dadurch gibt sich der Tscheche merklich spritziger aus dem Drehzahlkeller und bereitet – auch wegen des toll schaltbaren Sechsganggetriebes – viel mehr Fahrfreude. Dafür wirkte der Durchzug unter Volllast nicht gerade linear und von teils heftigem Ruckeln begleitet. Trotz niedriger angegebenem Verbrauch zeigte der Bordcomputer nach der Testrunde zwei Zehntel mehr an. Das mag jedoch daran liegen, dass der 105-PSler zu forscherer Fahrweise verleitet. Kommen wir nun zur perfekten Wahl für alle, die den Octavia nicht gerade als Vertreterauto 35.000 Kilometer pro Jahr über die Autobahn scheuchen: dem 1.4 TSI mit 140 PS. Er zeigt sich kraftvoll aus dem Drehzahlkeller, durchzugsstark im mittleren Tourenbereich und mit ordentlichen Reserven, wenn es ans Überholen geht. Etwas zäh wird es erst, wenn es in den Tempobereich oberhalb von 180 km/h gehen soll. Seine 250 Newtonmeter maximales Drehmoment prädestinieren ihn zudem für das spritsparende Siebengang-DSG, welches von den 5,3 Litern des Handschalters nochmals 0,3 abfeilt. In der Praxis sind eher hohe Sechs-Komma-Werte realistisch.
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Die Top-Version RS gibt es als Benziner (220 PS) und auch als Diesel (184 PS).
Der aus dem VW Golf GTI übernommene 2.0-Turbo zieht den Top-Octavia mit satten 350 Newtonmetern energisch voran, knurrt dank im Motorraum angebrachtem Soundgenerator sonor und flitzt liebend gern auf den roten Bereich zu. Gekoppelt ist er an eine flockige Sechsgang-Handschaltung oder an das wahlweise erhältliche Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen. Letzteres bringt aber rund 20 Kilo Mehrgewicht mit und wird von reibungserhöhenden Ölpumpen geschmiert. Daher fällt der Verbrauch minimal höher aus als beim Handschalter, die Performance minimal geringer. Den RS gibt es im Limousinen- und Combi-Gewand.
Die Spitzenvariante RS gibt es auch als Diesel

Als Combi verbindet der RS sportliches Fahrgefühl mit eindrucksvoller Alltagstauglichkeit.
Kennen Sie diese Basisausstattungen, die nur dazu da sind, einen möglichst niedrigen Grundpreis zu generieren, die sich aber nicht einmal mit Radio oder Tempomat aufrüsten lassen? Gut, dass Skoda uns nicht im Regen stehen lässt und auf derartige Marketingtricks verzichtet, denn selbst die Basislinie Active lässt sich gegen entsprechende Zuzahlung mit Komfort-Annehmlichkeiten wie einer Klimaanlage, beheizbaren Sitzen, Nebelscheinwerfern, Parkpiepsern oder einem Tempomat aufrüsten – so mögen wir das. Darüber rangiert die Ambition-Linie, mit der ein Octavia gleich 2400 Euro teurer wird. Dafür kommen zur Basisausstattung aber auch so praktische Dinge wie elektrische Fensterheber rundum, ein Geschwindigkeitsregler, Parksensoren hinten sowie ein hochwertigeres Soundsystem mit acht Lautsprechern dazu.
Der Schnäppchencharakter geht schnell verloren

Extras wie das Radio-Navigationssystem Columbus treiben den Octavia-Preis ordentlich in die Höhe.
Die Topausstattung Elegance hat neben schicken Alus, beheizbaren Sitzen und beledertem Lenkrad der Ambition-Linie Licht-, Berganfahr- sowie Regenassistent voraus; darüber hinaus leuchtet der Elegance beim Abbiegen ums Eck, blendet den Innenspiegel automatisch ab, verwöhnt mit Teillederausstattung und beschallt den Insassen nach dem digitalen DAB+-Standard. Wem das noch nicht genug ist, der rüstet mit einem der beiden Touch-Navisysteme auf. Geht es nur um den Sound, empfiehlt es sich, in das toll klingende Canton-Soundsystem für annehmbare 470 Euro zu investieren. An weiteren Paketen offeriert Skoda für Ambition das 430-Euro-Comfortpaket mit Licht-, Regen- und Spiegelsensor sowie das 790 Euro teure Licht & Design-Paket für Elegance mit Bi-Xenonlicht, 17-Zoll-Leichtmetallrädern und LED-Rückleuchten. Für die Limousine bietet sich das nur 50 Euro teure Ablagepaket mit Handyhalterung, Abfalleimer und Kofferraum-Wendematte an; für den Combi kostet es inklusive variablem Ladeboden 200 Euro. RS ist schlicht mit fast allem vollgestopft, was das Herz begehrt, aber eben nur für die gleichnamigen Topmotoren zu haben.
Welcher Octavia der Kauftipp der Redaktion ist, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.
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