Tuner versprechen gern viel. Auch Speedart, einer der wenigen Porsche-Tuner hierzulande. Das Team rund um Björn Striening hat dabei bisher nicht übertrieben – und bei den letzten Projekten stets Wort gehalten. Die zusätzliche Power war mess- und spürbar. Und nun das: Die Jungs aus Gerlingen (acht Kilometer entfernt von der Porsche-Zentrale in Zuffenhausen) wollen den Basis-Carrera mit ein paar Eingriffen auf das Niveau des Carrera S hieven. (Zum Angebot: Porsche 911 Carrera bei carwow.de mit einer Ersparnis bis 9772 Euro)
Nur nicht beim Preis: Am Ende ist der Speedart-Porsche viel günstiger als ein Carrera S Cabrio, das ab 136.102 Euro in der Preisliste steht. Unser Testwagen, ein Basis-Cabrio mit 385 PS, kostet 120.600 Euro, die Leistungssteigerung auf 485 PS noch mal 4750 Euro – macht zusammen gegenüber dem S-Modell einen Preisvorteil von 10.752 Euro. Klar, in diesen Käuferschichten sind solche Summen in der Regel nicht der Rede wert. Aber wenn es die annähernd gleiche Leistung für ein paar "Peanuts" weniger gibt – warum nicht?

Getunter Porsche 911 Carrera mit goldenen Felgen im Retrodesign

Speedart Porsche 911 Cabrio
Optik und Abtrieb hin oder her, über den 1565 Euro teuren Heckflügel kann man sich streiten.
Bild: AUTO BILD
Bevor wir den Messcomputer auf den Beifahrersitz schnallen, ein kurzer Rundgang um den 911. Schließlich ist dieser Elfer augenscheinlich etwas anders als die anderen. Farbe und Folie, das war schon immer eines der Markenzeichen der Speedart-Porsche. Auch bei diesem Cabrio hat Striening wieder ordentlich Gas gegeben. Neben dynamischen Farben gibt es echte Aerodynamik. Vorn zum Beispiel, da kommt eine Spoilerlippe zum Einsatz. Hinten? Ja, da ist ein Brett montiert. Keine Frage, die auf dem elektronisch ausfahrbaren Heckspoiler montierte Theke ist Geschmackssache. Unserer Meinung nach braucht es den Flügel nicht.

100 PS mehr im Porsche 911 Carrera von Speedart

Die Räder dagegen sind eine Empfehlung. Der Tuner montiert seine eigenen Fox-Evo-II-Rundlinge. Fox heißt auf Deutsch Fuchs, die Räder ähneln dem legendären Porsche-Felgen-Design von früher (zum großen AUTO BILD-Sommerreifen-Test 2021). Dimensionen? Vorn 21 und hinten 22 Zoll. Tieferlegung? Per höhenverstellbaren Gewindefedern. Heißt, das serienmäßige Adaptivfahrwerk bleibt aktiv und kann je nach Wunsch härter und weicher eingestellt werden.
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* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Sound? Bei einem Cabrio nicht unwichtig. Speedart hat eine Klappenauspuffanlage montiert. Wie die klingt? Dazu gleich mehr, wenn wir losfahren. Noch ein Wort zur Leistung. 100 PS mehr verspricht der Kit vom Tuner, erreicht per neuer Software inklusive angepasster PDK-Steuerelektronik. So viel Power ohne Änderungen an den Turbos? Ja, im Prinzip ist der Basis-Elfer ein gedrosselter S.

Satter Boxer-Sound aus dem Sportauspuff des Porsche 911

Speedart Porsche 911 Cabrio
Die Fox-Felgen (ähneln den legendären Porsche Fuchs-Felgen) gibt es in Gold und Silber.
Bild: AUTO BILD
Einsteigen, Dach auf, los geht's in Richtung Flugplatz-Messgerade. Das Interieur verwöhnt mit penibel verarbeiteten Ziernähten und dem weiß aufgepolsterten Volant. Hinten laufen sich der Boxer und die Sportauspuffanlage tief grollend warm. Und dann Ortsausgang, Sport-Mode, Feuer frei. Der Sound ähnelt dem Boxer-Bollern von früher, das macht süchtig, gar nicht zu vergleichen mit der dünnen Musik der Serienautos. Ein Genuss, der nach manuellen Schalteingriffen förmlich bettelt und die Schuhsohle wie von selbst aufs Leichtmetallpedal heftet. Auch die Autos mit optionaler Sportauspuffanlage klingen bei Weitem nicht so kernig und sonor wie der Speedart. Schön auch, das Musizieren wird nie nervig.

Der Speedart-911 knackt jetzt die 300 km/h Topspeed

Speedart Porsche 911 Cabrio
Hinter den Serien-Blenden stecken die größeren Rohre der Speedart-Anlage. Sound? Ein Genuss!
Bild: AUTO BILD
Die 485 PS sind genauso munter wie die Soundkulisse. Die Speedart-Software übernimmt den Charakter des Carrera S-Triebwerks mit stimmig linearem Leistungsaufbau bis an die Drehzahlgrenze. Bei hohen Touren ab 5000 hat der Motor noch Reserven und legt kräftig nach. Was sagt der Messcomputer? Bis 100 schindet der Speedart im Vergleich zum Basis-Elfer-Cabrio (mit Chrono-Paket) eine halbe Sekunde heraus. Bis 200 km/h sind es fast zwei Sekunden Vorsprung. Schneller war nur ein von uns gemessenes Carrera S Cabrio (12,5 s). Auch weit jenseits der 250 glänzt das getunte Cabrio noch mit deutlichem Schub, für Topspeed 300 km/h (Serie 291 km/h) braucht es nicht viel Anlauf. Genauso positiv überraschend wie die Fahrleistungen auf der Messstrecke ist sein Kurventalent. Denn trotz Sportfedern und großer Räder mit flachen Reifen kann man von Restkomfort reden.

Fazit

Das Tuning lohnt sich. Für die im Vergleich zum Fahrzeugpreis günstigen 4750 Euro bekommt man einen Basis-Elfer mit den Fahrleistungen des S-Modells. Gönnen Sie sich auch die Sportauspuffanlage, dann ist der Porsche-Genuss perfekt. Die Optik ist und bleibt Geschmackssache.