Seit zehn Monaten setzt sich der Steigflug der Spritpreise weiter fort, auch im September 2021 zogen die Tankstellenpreise für Super E10 weiter an. Am vergangenen Sonntag (19. September) kostete der Kraftstoff im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,577 Euro je Liter, teilte der ADAC mit. Zuletzt war Benzin nur 2013 teurer. Nach dem Hoch verbilligte sich E10 zwar wieder leicht auf 1,573 Euro je Liter – der Wochenvergleich zeigt aber immer noch ein Plus von 0,7 Cent.
Diesel verteuerte sich noch stärker: Mit einem Preis von 1,420 Euro je Liter am Dienstag ging es auf Wochensicht um 2,2 Cent nach oben, das ist seit dem letzten Tiefstand im Oktober 2020 ein Preisaufschlag von rund 40 Cent pro Liter. Am Sonntag hatte der Kraftstoff mit 1,422 Euro seinen höchsten Preis seit 2018 erreicht. Als Treiber des aktuellen Anstiegs sieht der ADAC "anhaltend teures Rohöl auf dem Weltmarkt sowie die saisonal steigende Heizölnachfrage". Die hohen Energiekosten schlagen neben dem Tanken auch beim Heizen durch: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zahlten Verbraucher rund 12,6 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.
Hinweis
Spritpreise vergleichen mit clever-tanken.de
Neben der Wochensicht ist auch der Monatscheck für Autofahrer interessant, er verdeutlicht den langanhaltenden Aufwärtstrend: Nach Auswertung des Verbraucherinformationsdienstes clever-tanken.de (gehört zur AUTO BILD-Gruppe) kostete der Liter Super E10 im August im bundesweiten Schnitt 1,5591 Euro, das ist rund ein Cent mehr als im Juli. Teurer war die Kraftstoffsorte zuletzt mit 1,5694 Euro im August 2013, also vor acht Jahren. Dieselkunden hingegen konnten etwas durchatmen, sie zahlten mit 1,3866 Euro pro Liter rund 0,3 Cent weniger als im Juli.

Spritpreise im Jahresvergleich

Vor einem Jahr, im September 2020, kostete der Liter Super E10 im Schnitt noch 1,245 Euro, Diesel 1,049 Euro. Beispiel: Vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 kosteten im August 2021 im Schnitt 374,18 Euro – rund 2,76 Euro mehr als im Juli und 74,90 Euro mehr als im Vorjahresmonat. Für dieselbe Menge Diesel mussten Autofahrer im Bundesschnitt rund 332,78 Euro bezahlen – und damit 62 Cent weniger als im Juli sowie rund 73,20 Euro mehr als im Vorjahresmonat. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die wegen des Coronavirus gesunkene Nachfrage im Pandemie-Jahr 2020 zu Niedrigpreisen an den Tankstellen geführt hatte.
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Schon Anfang 2021 mussten sich die Autofahrer in Deutschland von den zuletzt günstigen Spritpreisen verabschieden: Mit der Rückkehr zum normalen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent (vorher 16), der Einführung des nationalen CO2-Preises für Verkehr und Heizen (25 Euro pro Tonne) sowie steigenden Rohölnotierungen wirkten sich gleich mehrere Preistreiber ungünstig aus. (Überblick: alle Änderungen für Autofahrer im Jahr 2021)

Ausblick: bis zu 35 Cent mehr pro Liter wegen CO2-Preiserhöhung?

Längerfristig ist aus Autofahrersicht mit einem weiteren Anstieg der Spritpreise zu rechnen. Laut einer Untersuchung von DIW Econ (eine Tochter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW) im Auftrag von Greenpeace müsste zum Erreichen der deutschen Klimaziele neben weiteren Maßnahmen der CO2-Preis massiv steigen. Dadurch könnte der Liter Benzin oder Diesel um bis zu 35 Cent teurer werden. Allerdings, so die Autoren der Untersuchung, sei für die Umsetzung solcher Pläne starker politischer Widerstand zu erwarten.

Verbrenner sollen unattraktiver werden: auch ein Spritpreis-Treiber?

Viele Autofahrer macht die derzeitige Entwicklung wütend, das sehen wir deutlich an den Zuschriften der AUTO BILD-Leser. Einhelliger Tenor: "Wieso sollen immer wir gemolken werden?" Manche verweisen allerdings darauf, dass Benzin noch Anfang 2020 mehr als 20 Cent teurer war als ein Jahr später. Stimmt. Und wieder andere sagen, ja, anders gehe es nicht, man müsse das Tanken teurer machen, sonst denke niemand um. Sicher ist jedenfalls: So wie die Innovationsprämie, die Umweltprämie, die Wallbox-Förderung verfolgen quasi alle politischen Ankündigungen ein Ziel – den Verbrennungsmotor nach und nach unattraktiv zu machen.

Fazit

Meine Prognose ist: Diesel und Benziner werden noch 20 Jahre lang fahren. Die Besitzer zu enteignen traut sich niemand. Es wird anders laufen: Steuer und Sprit werden noch viel, viel teurer (siehe Rechenbeispiele oben), so wird der Bestand an Autos über die Jahre sinken. Die Autolobby, die das verhindern könnte, gibt es nicht. Vielfahrer werden die Preiserhöhungen noch heftiger spüren. Und wenn sie eine Tankkarte haben? Dann spürt es der Arbeitgeber. Alles, was tanken muss, vom Pflegedienst bis zum Pizzaboten, wird die Kosten umlegen. Dann wird nicht nur das Zapfen teurer, sondern vieles andere auch.