Den Autofahrern in Deutschland macht das Tanken zurzeit keinen Spaß. Im März 2021 erlebten die Spritpreise eine Berg- und Talfahrt – und am Ende war wieder alles teurer. Laut dem Verbraucherinformationsdienst Clever Tanken (gehört zur AUTO BILD-Gruppe) kostete der Liter Diesel im bundesweiten Schnitt 1,31 Euro und damit vier Cent mehr als im Vormonat.
Hinweis
Spritpreise vergleichen mit Clever Tanken
Für den Liter Super E10 wurden 1,45 Euro fällig und damit sogar sechs Cent mehr als im Februar. Noch teurer war Super E10 zuletzt im Juni 2019 (1,47 Euro), Diesel im November 2018 (1,42 Euro). Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 zahlten Autofahrer in diesem März durchschnittlich 348,34 Euro, knapp 15 Euro mehr als im Februar. Dieselfahrer zahlten für dieselbe Menge fast zehn Euro mehr: 314,83 Euro.
So teuer wird Tanken in 2021
Die erhöhte Pendlerpauschale von 35 Cent/km greift erst ab dem 31. Entfernungskilometer.
Erklärungen zur Grafik – Quelle: eigene Berechnungen; * Verbrauch von 7,8 l Benzin/100 km; ** 225 Arbeitstage, Einkommen wird mit einem Grenzsteuersatz von 33 Prozent versteuert
Schon Anfang des Jahres mussten sich die Autofahrer in Deutschland endgültig von den günstigen Spritpreisen der vergangenen Monate verabschieden: Mit der Rückkehr zum normalen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent (vorher 16), der Einführung des nationalen CO2-Preises für Verkehr und Heizen sowie steigenden Rohölnotierungen brach gleich mehrfaches Unglück über sie herein. (Überblick: alle Änderungen für Autofahrer im Jahr 2021.) Nun verteuerten auch noch die Havarie des Containerschiffs "Ever Given" und die folgende tagelange Blockade des Suezkanals das Rohöl.

Rund 50 Euro mehr Spritkosten für den Durchschnittsfahrer

Insgesamt stiegen die Preise für Benzin und Diesel im bisherigen Jahresverlauf 2021 schon um knapp 18 Prozent. Besitzer von Autos mit Verbrennungsmotor mussten im März fast ein Fünftel mehr für Treibstoff ausgeben als noch drei Monate zuvor. In Zahlen ausgedrückt bedeutete das für den Dieselfahrer ca. 49 Euro und für den Benzinkunden sogar über 53 Euro, die am Monatsende im Portemonnaie fehlten. (Hier gibt es Spartipps fürs Tanken.)
"Wie sich die Kraftstoffpreise im April entwickeln werden, hängt von vielen sich teilweise gegensätzlich auswirkenden Faktoren ab", sagt Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken. Immerhin gab es kurz vor Ostern ein positives Signal der großen Rohöl-Exportländer (Opec+-Staaten), die ihre Förderbremse lockern und bis Juli 350.000 bis 450.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag mehr produzieren wollen. Demgegenüber sprächen die Wachstumsaussichten für die großen Volkswirtschaften USA und China für eine höhere Rohölnachfrage – und damit steigende Preise, so Bock. Mitentscheidend sein dürften auch das Impftempo und verhängte Lockdowns in der Coronakrise, die die Erholung der Märkte und damit die Preisentwicklung beeinflussen; dazu kommen die Gespräche über das Atomabkommen mit dem Iran.

Verbrenner sollen unattraktiver werden: auch ein Spritpreis-Treiber?

Viele Autofahrer macht die derzeitige Entwicklung wütend, das sehen wir deutlich an den Zuschriften der AUTO BILD-Leser. Einhelliger Tenor: "Wieso sollen immer wir gemolken werden?" Manche verweisen allerdings darauf, dass Benzin noch Anfang 2020 mehr als 20 Cent teurer war als ein Jahr später. Stimmt. Und wieder andere sagen, ja, anders gehe es nicht, man müsse das Tanken teurer machen, sonst denke niemand um. Sicher ist jedenfalls: So wie die Innovationsprämie, die Umweltprämie, die Wallbox-Förderung verfolgen quasi alle politischen Ankündigungen ein Ziel – den Verbrennungsmotor nach und nach unattraktiv zu machen. In diesem Jahr ist Bundestagswahl, und jeder sollte wissen: Auch da, wo es nicht wie bei den Grünen "außen" draufsteht, steckt diese Stimmung mit drin.

Fazit

Meine Prognose ist: Diesel und Benziner werden noch 20 Jahre lang fahren. Die Besitzer zu enteignen traut sich niemand. Es wird anders laufen: Steuer und Sprit werden noch viel, viel teurer (siehe Rechenbeispiele oben), so wird der Bestand an Autos über die Jahre sinken. Die Autolobby, die das verhindern könnte, gibt es nicht. Vielfahrer werden die Preiserhöhungen noch heftiger spüren. Und wenn sie eine Tankkarte haben? Dann spürt es der Arbeitgeber. Alles, was tanken muss, vom Pflegedienst bis zum Pizzaboten, wird die Kosten umlegen. Dann wird nicht nur das Zapfen teurer, sondern vieles andere auch.